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DOSB-Netzwerkprojekt "Bewegung und Gesundheit – mehr Migrantinnen in den Sport"
Das Projekt des Monats ist das Netzwerkprojekt "Bewegung und Gesundheit – mehr Migrantinnen in den Sport" vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Ziel dieses Projektes ist es, verstärkt Frauen mit Migrationshintergrund für Sport zu begeistern. Wie dies gelingt, erfahren Sie im folgenden Bericht.
Der DOSB stellt vor: "Bewegung und Gesundheit – mehr Migrantinnen in den Sport"
Wie erreichen wir Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund, die bislang noch nicht aktiv in einem Verein Sport treiben und wie können wir sie für Bewegung und Sport begeistern?
Der Blick in die Sportvereine zeigt es noch immer ganz deutlich: Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund sind in den Vereinen wesentlich seltener vertreten als die Jungen und Männer mit verschiedenster Herkunft. Diese Wahrnehmung wird wissenschaftlich fundiert von verschiedenen Studien gestützt.
Richtungsweisende Ansätze wurden in einer Expertise zusammengestellt, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) 2006 in Auftrag gegeben hat (Kleindienst-Cachay, C. (2007). Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund im organisierten Sport. Hrsg.: Deutscher Olympischer Sportbund. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren).
Welche Hürden gibt es auf dem Weg zum Sport?
Basierend auf den Ergebnissen der Expertise, war es dem DOSB ein wichtiges Anliegen herauszufinden, welche Hürden und Hindernisse dafür verantwortlich sind, dass wir speziell diese Mädchen und Frauen nicht erreichen beziehungsweise sie die Angebote der Sportvereine nicht wahrnehmen. Gleichzeitig wollten wir Wege beschreiten, um die Mädchen und Frauen für Sport und Bewegung zu begeistern und ihnen über diesen Weg auch das weitestgehend unbekannte Vereinsleben näher zu bringen.
Mehr Raum zum Mitgestalten und Mitentscheiden
Ein Fazit der DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers
Ilse Ridder-Melchers,
DOSB-Vizepräsidentin
"Wir konnten viele Migrantinnen für Bewegung und Sport im Verein gewinnen und begeistern und starke Netzwerke zu Schulen, Integrationsbeauftragten und Frauenbüros, Wohlfahrtsverbänden und Gesundheitsdiensten aufbauen.
Alle Beteiligten haben sich geöffnet und voneinander gelernt.
Aktiv im Sport mitmachen ist ein erster Schritt.
Aber wir wollen mehr: wir wollen zukünftig Migrantinnen als Übungsleiterinnen gewinnen, ihnen Raum zum Mitgestalten und Mitentscheiden geben – in verantwortlichen Positionen und Vereinsvorständen."
Die Zauberformel lautet: Sport + 'X'
Die grundlegende Maxime für das Netzwerkprojekt war: über den sportlichen "Tellerrand" hinausschauen. Dazu brauchten wir kommunale Partnerinnen mit Erfahrungen in der interkulturellen Arbeit, die gemeinsam mit uns Angebote speziell für Migrantinnen entwickeln konnten. Unsere effektive Formel lautete: Sport + X. Das bedeutet: Die Vereine organisierten das Sportangebot.
Von Bildungsträgern und Beratungszentren, Schulen und Gesundheitsdiensten, Frauenbüros und Wohlfahrtsverbänden wurden zum Beispiel Sprachkurse, Berufsberatungen, Bewerbungshilfen und Ernährungsberatungen beigesteuert. Dafür stand das "X".
Über den Sport hinaus
Die präventiven und gesundheitsorientierten Maßnahmen sollten die Lebenssituation der teilnehmenden Mädchen und Frauen gezielt verbessern. So gab es beispielsweise einen dreimonatigen Kombi-Kurs, in dem Mädchen das Schwimmabzeichen erwerben konnten, während der städtische Mädchentreff parallel eine Bewerbungshilfe für die jungen Schwimmerinnen organisierte.
Verschiedenste Vereine beteiligt...
Gemeinsam mit fünf Sportverbänden, nämlich dem Deutschen Ju-Jutsu-Verband, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, dem Deutschen Turner-Bund, dem Landessportverband Baden-Württemberg und der Sportjugend des Landessportbundes Berlin haben wir das Netzwerkprojekt bundesweit umgesetzt. Insgesamt haben sich 21 Vereine an dem Projekt beteiligt, die in insgesamt 70 Angeboten modellhaft verschiedene Ansätze dazu erprobt haben.
Angebote
Jeder Verein hatte drei verschiedene Kursangebote in Kooperation mit ausgewählten kommunalen Partnerinnen und Partnern über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten erstellt. Bei zeitlich versetzten Angeboten konnte der Erfahrungs- und Lerntransfer aus dem/ den vorangegangenen Kurs/-en erfolgen und in die neue Kurserstellung eingebracht werden.
Ausgewählte Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Netzwerkprojekt
An allen Standorten konnten Frauen mit Migrationshintergrund für Sport- und Bewegungsangebote gewonnen werden, die diese Angebote zuvor nicht nutzten.
Wertvolle Erfahrungen
Unsere Sportvereine sammelten wertvolle Erfahrungen, dazu gehören unter anderem:
- durch die Projektstruktur wurden neue Zugänge zur Zielgruppe eröffnet
- Vereine wurden für Fragen der Integration, speziell für Migrantinnen, sensibilisiert und mit Zielführenden Instrumenten vertraut gemacht
- gute und verlässliche Netzwerke/ Partnerschaften wurden aufgebaut
Motivation
Motive der teilnehmenden Frauen für das Interesse an Sportangeboten waren unter anderem:
- etwas für die Gesundheit tun (bspw. Gewichtsreduzierung)
- Neues kennenlernen (bspw. bislang unbekannte Sportarten und Sportangebote)
- nette Menschen kennenlernen
Was hat es "gebracht"?
Die Teilnehmerinnen erfuhren positive Veränderungen. Die Teilnahme bewirkte im Einzelfall:
- Spaß an Bewegung
- eine Steigerung des Selbstbewusstseins
- eine Besserung gesundheitlicher Beschwerden
- eine Minderung des empfundenen Alltagsstresses
- eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten
- eine Änderung des Freizeitverhaltens (allgemein mehr Bewegung oder die Nutzung weiterer Angebote des Vereins)
- eine Reduzierung des Gewichts
- Entwicklungsschritte emanzipatorischer Natur
- das "Mitziehen" von Familienangehörigen, die nun auch Angebote des Vereins nutzen
Erfahrungen
Das haben wir u.a. über Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund gelernt:
- es gibt nicht DIE Migrantinnen
- Migrantinnen in unserem Projekt verstanden sich mehrheitlich als Frauen, nicht als Migrantinnen oder Frauen mit Migrationshintergrund
- die Frauen zeigten große Offenheit gegenüber (herkunftsgemischten) Frauensport- und Zusatzangeboten
- Veränderungen brauchen Zeit - die Teilnehmerinnen waren offen für gegenseitige Lernprozesse und zeigten Stolz über das, was sie am Ende erreicht hatten
- Vertrauen wird über Freundlichkeit und Respekt hergestellt und ist Voraussetzung für eine gelingende Zusammenarbeit
Hier finden Sie das Projekt in der Projektdatenbank des IN FORM Profiportals
Lesen Sie mehr zum Projekt in der Projektdokumentation zum DOSB-Netzwerkprojekt auf der DOSB Integration-durch-Sport-Website!
Entdecken Sie: Best-Practice-Beispielen aus den Sportvereinen, wissenschaftliche Hintergrundinformationen, Beiträge zur gelingenden Vernetzung mit kommunalen Partnern, Hinweise auf Qualifizierungsmöglichkeiten zur interkulturellen Öffnung in Sportverband und Sportverein sowie viele Handlungsempfehlungen!
Die DOSB-Netzwerkbroschüre "Bewegung und Gesundheit – mehr Migrantinnen in den Sport" kann angefordert werden über:
Deutscher Olympischer SportBund
Otto-Fleck-Schneise 12
60528 Frankfurt am Main
oder per Mail unter: office@dosb.de
Die Broschüre steht auf der DOSB Integration-durch-Sport-Website als E-Book zum Lesen und als PDF zum Download bereit.

Bildnachweise: DOSB, DLRG, Bilddatenbank NRW (Andrea Bowinkelmann), LSB NRW (Erik Hinz)



































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