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Bundeskongress Schulverpflegung 2014

Ein voller Erfolg: Mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik, Wissenschaft und Praxis.

Zum Thema Gemeinschaftsverpflegung Für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Gemeinsam für besseres Essen in Schulen: Der Bundeskongress Schulverpflegung 2014 setzte ein deutliches Zeichen. Bild: Trutschel / BMEL

Der Ort war gut gewählt: Das Berliner Humbold Carré liegt fast noch mitten im Regierungsviertel. Also die richtige Kulisse, um das Thema Schulessen auf die politische und gesellschaftliche Tagesordnung zu setzen. Und das gelang bereits vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung: Schon im Frühstücksfernsehen konnte Professorin Ulrike Arens-Azevedo mit einigen Fakten aus der vor ihr geleiteten bundesweiten Studie zur Schulverpflegung aufwarten.

Den Auftakt zum Kongress bildete ein Rundgang der Minister Christian Schmidt (BMEL) und Hermann Gröhe (BMG) als Leiter der beiden verantwortlichen Ministerien für den Nationalen Aktionsplan IN FORM. Gemeinsam mit der Berliner Schulsenatorin Sandra Scheeres und dem Präsidenten des Deutschen Landkreistages Reinhard Sager informierten sich die Minister auf der im Foyer eingerichteten „Ländermeile“ mit Ständen der Vernetzungsstellen Schulverpflegung der Bundesländer.

Die anschließenden Reden der Bundesminister Gröhe und Schmidt sowie Senatorin Scheeres und Landrat Sager verfolgten Medienvertreter und Teilnehmende im überfüllten Kongressaal. Wer nicht vor Ort war, hatte die Möglichkeit, per Livestream im Internet dabei zu sein. Die Mitschnitte dieser Reden können auf dem YouTube-Kanal der Bundesanstalt für Landwirtschaft abgerufen werden.

Anlässlich des Bundeskongresses rief Bundesernährungsminister Christian Schmidt eine neue Qualitätsoffensive für ein gesundes Schulessen aus und warb eindringlich für eine gemeinsame Strategie von Bund, Ländern, Kommunen und Schulen. „Vieles hat sich in den letzten Jahren verbessert. Aber unser Ziel muss es sein, dass Deutschland bei der Schulverpflegung im positiven Sinne ein Streber wird und bundesweit Bestnoten erzielt. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder in der Schule etwas Vernünftiges zu essen bekommen“, sagte Bundesminister Schmidt anlässlich der Eröffnung des Bundeskongresses Schulverpflegung. Nicht immer sei die Qualität des Schulessens auf dem gewünschten Niveau. Jeder müsse sich fragen, was er wie dazu beitragen kann, damit Schulessen erstklassig wird. Vorrangig gelte es, verbindliche Qualitätsstandards in den Ausschreibungen zu verankern und Mechanismen zur Qualitätskontrolle zu etablieren.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe betonte in seinem Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Immer mehr Kinder und Jugendliche verbringen über viele Jahre hinweg den längsten Teil des Tages in der Schule. Aufgrund dieser Entwicklung kommt einer ausgewogenen Verpflegung und einer fundierten Ernährungsbildung an Schulen eine immer größere Bedeutung zu.“

„Essen bringt Menschen zusammen“, so Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, zur sozialen Komponente der Schulverpflegung. Die Vertreterin der Kultusministerkonferenz betonte in ihrer Rede, dass nicht nur die Qualität der Speisen, sondern auch die Atmosphäre während des Essens stimmen muss. Auch das sei ein wichtiger Aspekt des Themas Schulverpflegung.

Der Ausbau von Ganztagsschulen zählt laut Landrat Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistages, zu den erfolgreichsten Konzepten im Bildungswesen – und ist un-denkbar ohne das Angebot eines warmen Mittagessens in der Schule. „Fastfood-Angebote können nicht die Lösung des Problems sein“, so der Vertreter der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. Deshalb sei es so wichtig, dass Schulen gesundes, leckeres Essen anbieten, das zum Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler beiträgt.

Nach den politischen Reden und Appellen folgte der wichtigste Programmpunkt des Tages: die Präsentation der Studie durch Professorin Ulrike Arens-Azevedo von der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW). In einem mitreißenden Vortrag erläuterte die Wissenschaftlerin die Ergebnisse der bundesweit größten Studie zur Qualität der Schulverpflegung in Deutschland. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der Studie finden Sie im Beitrag „Qualität der Schulverpflegung – Ergebnisse der bundesweiten Studie“. Die Mitschnitte des Vortrags von Prof. Arens-Azevedo (Teil 1 und 2) mit der eingeblendeten Präsentation finden Sie ebenfalls auf YouTube.

Politik, Wissenschaft und Praxis im Dialog

Eingeladen zum Bundeskongress Schulverpflegung waren Mitglieder des Deutschen Bundestages, Vertreterinnen und Vertreter der Länder und der kommunalen Spitzenverbände, Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Eltern- und Schülerschaft, Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer und alle anderen politischen und gesellschaftlichen Gruppen, die am Gelingen einer qualitativ hochwertigen Schulverpflegung maßgeblich beteiligt sind.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten im Verlauf des Kongresses die Möglichkeit, ihre Anregungen und Erfahrungen in die Diskussion einzubringen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller 16 im Rahmen von IN FORM gegründeten und gemeinsam mit den Ländern getragenen Vernetzungsstellen für die Schulverpflegung präsentierten sich und die Schwerpunkte ihrer Arbeit auf der „Ländermeile“ im Foyer.

Fazit: Das Schulessen ist auf einem guten Weg, aber es gibt noch viel Luft nach oben

Mit dem Bundeskongress Schulverpflegung wurde das Thema Schulessen erfolgreich in den Fokus der Öffentlichkeit gehoben. Die Veranstaltung war mit über 300 Teilnehmenden bis auf den letzten Platz ausgebucht. Das Medieninteresse an der Veranstaltung war sowohl bei Vertreterinnen und Vertretern der Tages- und Fachpresse als auch bei den privaten und öffentlich-rechtlichen TV-Sendern groß. 

Die bisherigen Ergebnisse der Studie zur Schulverpflegung deuten darauf hin, dass das Schulessen im Schnitt nicht so schlecht ist, wie häufig vermutet wird. Allerdings ist der Anteil an Gemüse und Ost nach wie vor zu gering. Fleisch und Wurst kommt zu häufig, Seefisch zu selten auf den Teller. Vollkornprodukte finden sich nur selten auf dem Speiseplan.

Der Bundeskongress hat dazu geführt, dass das Thema große Aufmerksamkeit gefunden hat. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft startet jetzt eine neue Qualitätsoffensive für besseres Schulessen und kündigt ein nationales Qualitätszentrum für Schulverpflegung bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) an.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, mit diesem Zitat von Erich Kästner begann Bundesernährungsminister Christian Schmidt sein Eröffnungsrede. Genau das fordert Wissenschaftlerin Prof. Ulrike Arens-Azevedo in ihrem Schlussplädoyer dann auch ein: „Wir sind in einer Aufbruchstimmung. Die Politik sollte dies nutzen und handeln – wann, wenn nicht jetzt?“

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