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100 Jahre Deutsches Sportabzeichen

Das Deutsche Sportabzeichen ist eine Erfolgsgeschichte. Seit nunmehr über 100 Jahren absolvieren jährlich tausende Deutsche die beliebte Fitnessprüfung.

Anlässlich des Jubiläums hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Prüfungskriterien überarbeitet. Grundlage für die zu erbringenden Leistungen sind nun nicht mehr Erfahrungswerte, sondern wissenschaftlich fundierte Kriterien. Außerdem wird heute die Leistung stärker prämiert. Während man früher eher die regelmäßige Wiederholung ausgezeichnet hat, kann man heute das Sportabzeichen direkt in Bronze, Silber oder Gold erwerben. Für Wiederholer gibt es zudem das Abzeichen in Platin. Andreas Klages ist seit 1996 für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) tätig und dort stellvertretender Direktor der Sportentwicklung. Er selbst ist seit seinem sechsten Lebensjahr in Sportvereinen aktiv. Es verwundert also nicht, dass er sich auch im DOSB vor allem für den Vereins- und Breitensport engagiert.

IN-FORM.de: Herr Klages, ist das Sportabzeichen noch zeitgemäß?

Andreas Klages: Das Deutsche Sportabzeichen ist zeitgemäßer denn je. Es ist ein Idealangebot für alle Menschen, entsprechend ihrem Alter, ihren Neigungen und Fähigkeiten Sport zu treiben, einen qualitativ abgesicherten Fitnesstest abzulegen und etwas für ihre Gesundheit zu tun.

IN-FORM.de: Warum wurden die Prüfungskriterien geändert?

Andreas Klages: Im Verlauf der letzten Jahre und Jahrzehnte ist ein unsystematischer und unübersichtlicher Anforderungskatalog entstanden. Die strategische Ausrichtung des Sportabzeichens war diffus geworden. Einige Disziplinen wurden als zu anspruchsvoll, andere als zu anspruchslos empfunden. Viele Angebote wurden so gut wie gar nicht angenommen. Nun wird das Sportabzeichen für vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit aufgrund eines sportwissenschaftlich abgesicherten und gestrafften Leistungskatalogs verliehen. Die Angebote der beliebten Sportarten Schwimmen, Leichtathletik, Radfahren und Turnen sind anhand der motorischen Grundfähigkeiten Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination systematisiert. Darüber hinaus wurden drei Leistungsstufen eingeführt und die vielen sonstigen Abzeichen von Sportverbänden in das Sportabzeichensystem integriert.

IN-FORM.de: Wie viele Deutsche absolvieren jährlich das Sportabzeichen?

Andreas Klages: Waren es in den 1970er und 1980er Jahren noch zwischen 400.000 und 700.000 Abzeichen jährlich, legten 2008 und 2009 jeweils mehr als eine Million Menschen das Sportabzeichen ab. In 2011 waren es 891.706 Abzeichen, davon fast 10.000 im Ausland. Seit 2009 ist der Trend – wie bereits Mitte der 1990er Jahre – leicht rückläufig. Auch dies ist ein Grund für die Reform.

IN-FORM.de: Sind es überwiegend Kinder und Jugendliche, die das Sportabzeichen machen, oder absolvieren auch Erwachsene das Sportabzeichen?

Andreas Klages: Rund zwei Drittel der Sportabzeichen werden von Kindern und Jugendlichen abgelegt. Im mittleren Erwachsenalter haben wir Nachfragedefizite, während ältere Erwachsene durchaus noch das Sportabzeichen absolvieren.

IN-FORM.de: Wo kann man das Sportabzeichen absolvieren bzw. dafür trainieren?

Andreas Klages: Viele unserer 91.000 Sportvereine bieten bundesweit Training und Prüfungsabnahme an. Informationen gibt es auf unserer Internetseite www.deutsches-sportabzeichen.de oder beim zuständigen Stadtsportbund. Dort bekommt man auch Auskunft über Prüfangebote.

IN-FORM.de: Wie motivieren Sie Menschen dazu, auch nach Ablegen des Sportabzeichens weiter zu trainieren?

Andreas Klages: Sport ist gesund und macht Spaß. Vorbereitung, Training und Prüfung für das Sportabzeichen in der Gemeinschaft des Sportvereins stärkt zudem das Miteinander und unterstützt Kontaktaufbau und –pflege mit Gleichgesinnten. Darüber hinaus belohnt das Sportabzeichen in besonderer Weise den wiederholten Erwerb. Ab dem fünften Abzeichen wird ein Gold-Platin-Abzeichen mit Zahl verliehen und würdigt somit den wiederholten Erwerb des Sportabzeichens.

IN-FORM.de: Mittlerweile treten Sie auch an Firmen heran, um das Sportabzeichen für Mitarbeiter anzubieten. Was macht das Sportabzeichen für die betriebliche Gesundheitsförderung so interessant?

Andreas Klages: Das Sportabzeichen motiviert für ein lebensbegleitendes Sporttreiben und unterstützt die gesundheitlichen und präventiven Wirkungen von Sport und Bewegung. Es ist damit auch für Betriebe und Arbeitgeber ein niedrigschwelliges Angebot für regelmäßigen Betriebssport und verbindet dies mit einem anerkannten Fitnesstest und vielfältigen Vorteilen, z.B. durch Berücksichtigung des Sportabzeichens im Rahmen von Bonifizierungssystemen der Krankenkassen. Auch beim Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt gibt es eine Sportabzeichen-Betriebssportgruppe.

IN-FORM.de: Wer sind prominente Sportabzeichenträger?

Andreas Klages: Erst kürzlich hat die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, das Sportabzeichen erworben. Die Alt-Bundespräsidenten Horst Köhler und Richard von Weizsäcker, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Extremsportler Joey Kelly, der ehemalige Zehnkämpfer Frank Busemann und natürlich der zuständige DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch gehören ebenfalls zu den Sportabzeichen-Fans und -trägern.

IN-FORM.de: Wie wollen Sie künftig noch mehr Menschen erreichen?

Andreas Klages: Mit der Reform des Deutschen Sportabzeichens im 100. Jubiläumsjahr wollen wir verstärkt Anreize für regelmäßiges Training setzen. Wir haben das Profil und die Systematik geschärft, das Altersspektrum ausgeweitet und bieten das Sportabzeichen umfassender als früher unseren Vereinen als Instrument zur Mitgliedergewinnung und -bindung an. Wir hoffen dadurch, weitere Zielgruppen anzusprechen.

Weitere Informationen zum Deutschen Sportabzeichen und Sportvereinen in Ihrer Nähe finden Sie auf der Seite www.deutsches-sportabzeichen.de

Auf der Seite www.splink.de/sportabzeichen finden Sie eine praktische Online-Darstellung Ihrer Anforderungen auf dem Weg zum Sportabzeichen. Sie können sich registrieren und so jederzeit Ihren Trainingsverlauf überprüfen und mit Bekannten teilen.

Der DOSB ist Teil der IN FORM-Arbeitsgemeinschaft "Bewegungsförderung im Alltag". Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern hat die AG 2011 das Positionspapier Bewegungsförderung entwickelt, in dem die Empfehlungen zur täglichen sportlichen Bewegung genannt werden. Das Positionspapier zum Herunterladen (PDF, 211 KB, nicht barrierefrei)

Weitere Anregungen zu einem gesunden Lebensstil finden Sie in den IN FORM-Publikationen. Diese können Sie sowohl kostenlos herunterladen, als auch als Printversion bestellen.