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Befragung zum Essverhalten im 1. Corona-Lockdown

Nachricht vom:

Die Universität Paderborn befragte über 2.000 Personen, wie sich ihr Essverhalten im ersten Covid-19-Lockdown verändert hat. Die Ergebnisse wurden jetzt veröffentlicht.

Vater und Tochter kneten Teig zum Backen
Bild: troyanphoto/stock.adobe.com

Die Covid-19-Pandemie und öffentliche Maßnahmen haben einen direkten Einfluss auf die Ernährungssituation. Studien zeigen Veränderungen im Lebensmittelkonsum, bei den Essgewohnheiten oder beim Körpergewicht, aber bislang gibt es kaum komplexe Modell-Analysen der Veränderungen. Forschende der Universität Duisburg-Essen und des Instituts für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn konnten jetzt erste Ergebnisse präsentieren.

Während des ersten Lockdowns ab März 2020 in Deutschland führten sie unter erwachsenen Personen eine web-basierte Befragung durch. Sie umfasste 33 Fragen zu Veränderungen von Verzehrsmengen, Essgewohnheiten und Bewegung. Außerdem wurden Körpermaße und sozio-demographische Daten abgefragt. Mittels einer zweistufigen Cluster-Analyse wurden Veränderungsmuster berechnet. Zur Identifizierung von Einflussfaktoren erfolgten binäre logistische Regressionsanalysen.

Daten von 2.103 Teilnehmenden (81% weiblich, Alter: 40+/- 14 Jahre) gingen in die Analyse ein. 50-70% der Befragten berichteten über verstärkte Vorratshaltung. Zudem kochten sie häufiger und probierten neue Rezepte aus.

Aus der Gesamtzahl der befragten Personen konnten drei Gruppen identifiziert werden:

  • Die Gruppe der "Konstanten" (36%) berichtete darüber hinaus wenige Veränderungen.
  • Die Gruppe der "Gesundheitsorientierten" (37%) gab an, mehr gesunde Lebensmittel zu essen, ungesundes Essen zu meiden sowie geringere Mengen und weniger häufig zu essen.
  • Die Gruppe der "Emotionsgesteuerten" (28 %) zeigten einen höheren Einfluss von Gefühlen auf das Essverhalten. Ungesunde Lebensmittel wurden seltener gemieden, hinzu kam ein verstärkter Konsum von Süßigkeiten, Gebäck und Alkohol.

Die Wahrscheinlichkeit einer "gesundheitsorientierten" oder "emotionsgesteuerten" Veränderung im Essverhalten war höher bei Frauen, Menschen mit Einwanderungsgeschichte sowie jüngeren Teilnehmenden und stieg mit höherem Body-Mass-Index (BMI).

Die Forschenden schließen daraus folgendes: Sowohl die Gruppe der "Emotionsgesteuerten" als auch die "Gesundheitsorientierten" entwickeln deutliche Veränderungen bezüglich ihrer Essgewohnheiten und Verzehrsmengen unter dem Stress der ersten COVID-Welle inkl. Lockdown. In einigen Fällen kann dies zu einer Störung des Essverhaltens führen und das Risiko für Essstörungen und Adipositas erhöhen.

Weitere Informationen

Dr. oec. troph. Judith Bühlmeier
Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit Fakultät für Naturwissenschaften Universität Paderborn
Institute of Nutrition, Consumption and Health Faculty of Natural Sciences University Paderborn

Warburger Strasse 100
D-33098 Paderborn

Phone:  +49 5251 602461
Fax:    +49 5251 603425
Web:    https://sug.uni-paderborn.de/ekg

Link zum vollständigen Artikel (veröffentlicht im European Journal of Nutrition – 2022)

https://link.springer.com/article/10.1007/s00394-022-02919-7