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10 Thesen zur Bewegungsförderung

"Wie kann Bewegungsförderung gelingen?" – dieser Frage gingen Wissenschaftler in Baierbrunn beim Symposium der Stiftung Rufzeichen Gesundheit! nach.

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Füße in Sportschuhen steigen eine Treppe inauf.
Schritt für Schritt zu mehr Bewegung im Alltag. Die Baierbrunner Thesen fassen die Ergebnisse der Diskussionen beim Forum zusammen. Bild: Herrndorf/fotolia

Bewegung kann einen enorm positiven Effekt auf die Gesundheit haben, wenn sie richtig dosiert und ausgeführt wird. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, muss Bewegung in die individuellen Lebenswelten der Menschen einziehen. Das war eine der Kernforderungen beim Präventionssymposium "Wie kann Bewegungsförderung gelingen?" der Stiftung Rufzeichen Gesundheit! am 17. März 2017 in Baierbrunn bei München. Die Stiftung wurde 2005 vom Verlag Wort&Bild (u.a. Apotheken-Umschau) ins Leben gerufen.

Vertreten waren sowohl renommierte Experten für Sportwissenschaft und Gesundheitssport verschiedener deutscher Universitäten als auch Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums und des Berliner Robert Koch-Instituts. Das Forum in Baierbrunn bei München wurde inhaltlich konzipiert und geleitet von Klaus Bös, dem ehemaligen Leiter des Instituts für Sportwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Petra Wagner, Direktorin des Instituts für Gesundheitssport und Public Health an der Universität Leipzig.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Diskussion wurden in den zehn Baierbrunner Thesen zur Bewegungsförderung festgehalten. Sie sollen in den nächsten Jahren dabei helfen, mehr Bewegung ins Leben aller Deutschen zu bringen.

Die Baierbrunner Thesen zum Präventionssymposium der Stiftung Rufzeichen Gesundheit! am 17. März 2017

Präambel: Die Bevölkerung in Deutschland ist auch heute noch weit davon entfernt, gesundheitsfördernde Bewegung in ausreichendem Maße zu betreiben. Es ist an der Zeit, mit veränderten und vor allem nachhaltigeren Strategien mehr Bewegung in die Lebenswelten der Menschen zu bringen und Inaktivität zu verringern. Denn: körperliche und sportliche Aktivitäten stärken die individuelle Gesundheit und führen zu erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen.

1. Die Förderung von Bewegung und Sport ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe!

Deshalb müssen Entscheider aus den verschiedensten Bereichen zusammenwirken: Bildung, Politik, Versicherungen, Vereine und Organisationen, Wirtschaft und Technik, Kommunen und andere.

2. Bewegungsförderung in der Lebenswelt verspricht den größten Erfolg!

Strategien zur Veränderung der körperlichen Aktivität müssen in den alltäglichen Lebenswelten wie Familie, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, Arbeit, und Kommune verankert werden. Nur so erreichen wir auch die Einbindung sozial und gesundheitlich Benachteiligter, uninteressierter oder bewegungsferner Menschen.

3. Bewegungsförderung muss differenzierte gesundheitsrelevante Ziele haben!

Bewegung kann Gesundheit umfassend stärken - physisch, psychisch und sozial aber nicht jede Bewegung ist gleichermaßen gesund. Eine systematisch auf Gesundheit abzielende Bewegungsförderung dient sowohl der Minimierung gesundheitlicher Risiken, als auch der Stärkung des gesundheitlichen Wohlbefindens.

4. Bewegungsförderung braucht Vernetzung!

Bewegungsförderung betrifft alle, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung oder Milieu. Deshalb müssen Akteure aus Politik, Bildung, Kommunen, Sportverbänden, Gesundheitswesen, Medien und anderen Institutionen zusammengeführt werden, um effektiver bei der Entwicklung und Implementierung von Bewegungsmaßnahmen zusammenzuarbeiten.

5. Bewegungsförderung muss nachhaltig sein!

Es gilt, die Bewegungsförderung mit nachhaltigen Strategien langfristig in den Lebenswelten zu verankern und dauerhafte Strukturen zu schaffen. Das ist zunächst ressourcen- und zeitintensiv, zahlt sich aber mittel- und langfristig aus.

6. Verhältnis- und verhaltensbezogene Ansätze müssen sich ergänzen!

Für mehr Bewegung in der Lebenswelt müssen wir die Bedingungen, Strukturen und Prozesse so gestalten, dass sie ein Mehr an Bewegungsverhalten ermöglichen und nicht behindern - Beispiele dafür sind attraktive Treppen, sichere Radwege, Fitness- und Spielplätze sowie gesundheitsförderliche Gruppenangebote unter Anleitung kompetenter Übungsleiter in Turn- und Sportvereinen.

7. Zielgruppenorientierung ist umzusetzen!

Die Bewegungsförderung muss Wege finden, insbesondere schwer erreichbare Personen zu beteiligen. Stärker als bisher sollte die Bewegungsförderung deshalb mit differenzierten Strategien auf die Ziele und die Bedürfnisse besonderer Zielgruppen abgestimmt sein.

8. Konzepte sollten partizipativ sein und Selbstbefähigung fördern!

Es bedarf der Einbindung der jeweiligen Zielgruppe, damit Bewegungsförderung erfolgreich und langfristig umgesetzt werden kann. Strategien müssen differenzierte Zielgruppen ansprechen und von diesen angenommen werden. Nur so gelingt es, Menschen zu befähigen, eigenständig Bewegung in den Lebensalltag zu integrieren und diesen gesundheitsförderlich zu gestalten.

9. Neue Medien und Technologien bieten Chancen und bergen Risiken!

Für eine effektive Bewegungsförderung - auch bei bisher schwer erreichbaren Zielgruppen - bieten neue Medien und Technologien potenziell Chancen. Allerdings bedarf es der Entwicklung von Qualitätsstandards der angebotenen Maßnahmen und es gilt insbesondere, den Schutz der Privatsphäre zu berücksichtigen.

10. Qualitätssicherung ist unverzichtbar!

Maßnahmen zur Bewegungsförderung müssen an wissenschaftlich abgesicherten Zielen und Qualitätskriterien orientiert sein, bedürfen einer kontinuierlichen Evaluation und einer permanenter Weiterentwicklung.

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