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24. Kongress "Armut und Gesundheit" 2019

Etwa 2.200 Menschen aus Praxis, Politik und Wissenschaft diskutierten in Berlin über Möglichkeiten, die Gesundheit von Menschen in belastenden Lebenslagen zu verbessern. Das IN FORM Team war vor Ort.

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Frau am Stock gehe eine Straße entlang
Bei der Gesundheit und der Lebenserwartung spielen soziale und ökonomische Unterschiede in Deutschland immer noch eine große Rolle. Der Kongress "Armut und Gesundheit" thematisiert bereits zum 24. Mal die Zusammenhänge und bringt Menschen aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Bild: prophoto24/stock.adobe.com

Wie kann die Gesundheit von Menschen in belastenden Lebenslagen verbessert werden? Darüber diskutierten am 14. und 15. März 2019 etwa 2.200 Teilnehmende aus Politik, Praxis und Wissenschaft auf dem 24. Kongress "Armut und Gesundheit" in Berlin. "Armut und Gesundheit" ist der größter bundesweite Public-Health-Kongress in Deutschland. Veranstalter sind der Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V. zusammen mit zahlreichen Partnern wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Das IN FORM Team war mit einem Infostand beim "Markt der Möglichkeiten" an beiden Kongresstagen vor Ort. Das Interesse an den Materialien von Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung war groß. Das galt für Hintergrundinformationen für Projektverantwortliche ebenso wie für Broschüren ("66 Tipps", "Gesund genießen" usw.), die sich direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher richten. Gespräche mit Teilnehmenden aus Projekten in Kommunen lieferten wertvolle Impulse. Der Wunsch nach Informationen in leichter Sprache für die Arbeit vor Ort wurde beispielsweise mehrfach geäußert.

Gesunde Lebensbedingungen für alle schaffen

Der diesjährige Kongress stand unter dem Motto "Politik Macht Gesundheit". In seinem Grußwort griff Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dies auf und betonte: "Politik hat eine große Verantwortung gerade für diejenigen, die gesundheitsförderliche Lebensbedingungen nicht in die Wiege gelegt bekommen." Wenn es um gesundheitsförderliche Lebensbedingungen gehe, spielten alle Politikbereiche eine Rolle. Das reiche von bezahlbaren Wohnungen, weniger Lärm und dem Anschluss an Versorgungsinfrastruktur bis hin zum gesunden Essen in Kitas und Schulen.

Soziale Unterschiede spielen laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Sachen Gesundheit in Deutschland immer noch eine große Rolle. So seien Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen von Geburt an größeren gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Je nach Lebensbedingungen falle es zudem leichter oder schwerer, sich gesund zu verhalten und gesund zu leben.

Armut geht mit geringerer Lebenserwartung einher

Gesundheitsförderliches Verhalten liegt jedoch nicht allein in der eigenen Verantwortung der/des Einzelnen. Diesem Aspekt wird mit dem im Jahr 2015 verabschiedeten Gesetz zur Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung (Präventionsgesetz) verstärkt Rechnung getragen. Die Investitionen in gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse für alle, die so genannte Verhältnisprävention, sind gestiegen. Näheres dazu liefert das Diskussionspapier zum 24. Kongress auf der Startseite des Internetauftritts.

Eine aktuelle Analyse des Robert Koch-Instituts (RKI) belegt den Zusammenhang zwischen den Faktoren "Armut" und "Gesundheit" in Deutschland. Die Ergebnisse sprechen laut RKI dafür, dass Personen mit wenig Einkommen eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als bessergestellte: Vor Vollendung des 65. Lebensjahres sterben laut dem RKI 13 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer aus der niedrigsten Einkommensgruppe, in der höchsten Einkommensgruppe sind es 8 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer. Die Ergebnisse hat das RKI in Ausgabe des Journal of Health Monitoring (1/2019 vom 14.3.2019) veröffentlicht.

Diese sozialen Unterschiede in der Erkrankungshäufigkeit und Lebenserwartung sind in den vergangenen 25 Jahren relativ stabil geblieben. Beim Kongress "Armut und Gesundheit" stellte Dr. Thomas Lampert, Leiter des Fachgebiets Soziale Determinanten der Gesundheit am RKI, aktuelle Entwicklungen und Trends zur Armut, sozialen Ungleichheit und Gesundheit in Deutschland vor. Sie untermauern die Bedeutung des Kongress "Armut und Gesundheit".

Der Kongress "Armut und Gesundheit"

1993 aus einer studentischen Bewegung heraus entstanden, zieht der Kongress "Armut und Gesundheit" inzwischen jährlich mehr als 2.000 Teilnehmende nach Berlin. Der Kongress versteht sich dabei als Informationsplattform für aktuelle Themen aus dem Bereich Public Health. Unter dem diesjährigen Motto "Politik Macht Gesundheit"! erörterten die Teilnehmenden, wie gesundheitsförderliche Politik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene umgesetzt werden kann.

Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet haben bereits damit begonnen, Lebenswelten so zu gestalten, dass sie die Gesundheit fördern. Der Kongress bot eine Plattform, um die gute Praxis von integrierten kommunalen Strategien sichtbar zu machen und in die Fläche zu tragen.

Kommunen vernetzen für mehr Chancengleichheit

Der von der BZgA initiierte bundesweite Kooperationsverbund "Gesundheitliche Chancengleichheit" bietet hierfür den fachlichen Rahmen. Sein Ziel ist es, die bereits erfolgreichen Ansätze zur Prävention und Gesundheitsförderung bekannt zu machen, Akteure zu vernetzen und koordinierte Lösungsstrategien zu entwickeln. Aktuell sind 68 Partnerorganisationen im Kooperationsverbund vertreten, die bundes- oder landesweit auf dem Gebiet der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung aktiv sind.

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