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Bewegung fördert die Entwicklung von Kindern

Bewegung und körperlicher Aktivität spielen eine unumstritten wichtige Rolle. Besonders für Kinder: Sie entdecken die Welt in und durch Bewegung.

Zum Thema Bewegung Für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Kleines Kind auf Klettergerüst
Bewegung ist ein wichtiger Faktor in der Entwicklung von Kindern, Bild: chihana / stock.adobe.com

Bewegung trägt erheblich zu einer gesunden körperlichen, geistigen und psychosozialen Entwicklung der Kinder bei. Leider werden in der modernen Gesellschaft die Bewegungsräume der Kinder zunehmend eingeschränkt. Fernsehen, Online-Spiele oder Spielekonsolen sowie Computer bestimmen vielfach den Alltag von Kindern; die Zeit, die sie so verbringen, geht damit als Bewegungszeit verloren.

Eine mögliche Konsequenz aus dem weit verbreiteten Bewegungsmangel führt bei vielen Kindern zu motorischen Defiziten: sie können zum Beispiel kaum noch rückwärts laufen, balancieren oder einen Purzelbaum machen, haben wenig Kraft und Ausdauer. Damit verlieren auch oft die Freude an der Bewegung, weil sie nicht „fit” sind, auch mit anderen Kindern nicht immer mithalten können. In Verbindung mit hochkalorischem Essen und Trinken führt dies nicht selten zu der Entwicklung von Übergewicht. Eigentlich findet sich bei Kindern ein natürlicher Bewegungsdrang.

Durch die technologisierte Umwelt, enormen Straßenverkehr, verwahrloste Spielplätze, Fernsehen und Computerspiele wird aber die Bewegungswelt der Kinder immer weiter eingeschränkt. Besonders die Abnahme der sog. Alltagsaktivitäten scheint sich negativ auszuwirken. So können Untersuchungen zeigen, dass extrem übergewichtige (adipöse) Kinder deutlich häufiger zur Schule gefahren wurden als ihre Altersgenossen. Sie spielten auch an weniger Tagen pro Woche draußen, sahen aber stattdessen mehr fern.

Bewegungsverhalten in Zahlen

In Deutschland spielen drei Viertel der Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren täglich im Freien. Über die Hälfte der eben genannten Altersgruppe treibt wenigstens einmal in der Woche Sport in einem Verein, wobei dieser Anteil mit dem Alter allmählich zunimmt. Kinder mit niedrigen Sozialstatus und Migrationshintergrund treiben etwa zwei- bis dreimal seltener Sport als Kinder mit hohen Sozialstatus und ohne Migrationshintergrund. Von den Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren sind 84 Prozent mindestens einmal in der Woche in ihrer Freizeit körperlich so aktiv, dass sie dabei ins Schwitzen oder außer Atem geraten, 54 Prozent sind dies dreimal und häufiger in der Woche.

Allerdings ist mehr als ein Drittel der 4- bis 17-Jährigen nicht in der Lage, 2 oder mehr Schritte auf einem 3 Zentimeter breiten Balken rückwärts zu balancieren und 43 Prozent erreichen bei Rumpfbeugen nicht das Fußsohlenniveau. Mädchen sind etwas weniger aktiv und nach eigener Einschätzung weniger leistungsfähig; besonders betroffen sind hier sozial benachteiligte Mädchen.

Elterliche Vorbilder

Heutzutage ist aber auch bekannt, dass aktive Eltern aktive Kinder haben. Dies wird einerseits auf die Vorbildfunktion zurückgeführt, andererseits sind aber besonders auch kleinere Kinder darauf angewiesen, dass ihre Eltern sie zum Sport anmelden und bringen. Aktivere Eltern haben eher ein Interesse, ihre Kinder sportlich zu organisieren beziehungsweise gemeinsam mit ihnen auch aktiv zu sein. Dies unterstreicht besonders die Rolle der Familie. Solange die Kinder jung sind, orientieren sie sich an ihrer Familie, speziell an den Eltern. Erst später zählt immer mehr die Meinung der Mitschüler und Freunde. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die Weichen zu stellen und den Kindern die Bewegung zu ermöglichen. Und auch die Eltern (und vielleicht sogar Großeltern) haben etwas davon – die aktiven Eltern haben weniger häufig Krankheiten wie zum Beispiel Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen oder Bluthochdruck.

Was sollten Kinder (und Eltern) machen?

Für Kinder gibt es viele Möglichkeiten, körperlich aktiv zu sein. Doch wie viel und welche Art von Bewegung braucht ein Kind, um sich gesund zu entwickeln? Als Grundlage kann die Kinder-Bewegungspyramide des aid infodiensts genutzt werden. Die Basis bilden die sogenannten Alltagsaktivitäten, zu Hause sind das Tätigkeiten wie Zimmer aufräumen, Müll wegbringen und gemeinsam einkaufen gehen. Sie sollten täglich etwa 30 bis 60 Minuten umfassen. Freizeitaktivitäten, in denen man nicht ins Schwitzen kommt oder außer Puste gerät, wie zum Beispiel gemeinsame Radtouren oder Kickroller fahren, sollten 4 mal 15 Minuten, das heißt eine Stunde am Tag betragen. Sportliche Aktivitäten, bei denen man schwitzt oder außer Puste gerät, zum Beispiel Kinder fangen Eltern oder gemeinsam schwimmen gehen, sollten täglich 30 Minuten betragen. Und die Eltern? Wenn sie sich auch an diese Zeitvorgaben halten, sind sie etwa 120 Minuten am Tag aktiv – das ist etwa viermal so viel wie für Erwachsene als Ziel empfohlen wird. Wunderbar!

Bewegungswelt daheim

Kinder brauchen nicht viel, um in Bewegung zu kommen. Sie interessieren sich nicht für teure Sportgeräte, brauchen noch nicht einmal einen riesigen Garten oder einen Spielplatz. Sie können draußen beispielsweise aus Stöcken, Steinen, alten Eimern und Blättern fantasievolle Spielideen entwickeln, vorausgesetzt sie erhalten die Gelegenheit dazu. Also – raus mit ihnen, wann immer es geht! Und noch besser – die Eltern kommen mit! Gemeinsames Kicken, Fangen oder Spielen, das fördert nicht nur die Entwicklung, sondern auch den Familiensinn. Aber auch in der Wohnung lassen sich beispielsweise aus alten Kartons Erlebnisbahnen und Hindernis-Parcours bauen oder – sofern die Eltern einverstanden sind – über Tische klettern.

Fernsehen ist out

So günstig Bewegung für die Gesundheit der Kinder ist, so ungünstig ist ein Übermaß an Fernsehen, Playstation oder Computerspielen. Denn dann haben die Kinder keine Zeit zum Spielen und Toben mit ihren Freunden oder Geschwistern. Außerdem besteht die Gefahr, dass beim Fernsehen oder ähnlichen Tätigkeiten verstärkt kalorienreiche Lebensmittel (Süßigkeiten, Chips, Limonade) verzehrt werden, die auch bevorzugt im Fernsehen beworben werden. Eltern sollten daher für die Nutzung dieser Medien klare Grenzen festlegen:

  • maximal 0,5 Stunden am Tag bei Kindern unter 6 Jahren,
  • maximal 1 Stunde am Tag bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren,
  • maximal 2 Stunden am Tag bei Kindern ab 12 Jahren.

Fernsehen oder Computer zur besten Spielzeit, also am Nachmittag, sollte tabu sein. Und selbst schlechtes Wetter kann bei passender Kleidung niemandem etwas anhaben. Und gerade Pfützen und „Matschen” macht doch erst Recht Spaß. Übrigens auch Eltern!

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