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Ernährung bei Schichtarbeit

Arbeiten, wenn andere schlafen: Das bedeutet, dass beim Essen einiges anders ist.

Zum Thema Ernährung Für die Zielgruppe Berufstätige

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Eine vollwertige Ernährung ist auch im Schichtdienst ein wichtiges Thema. Bild: Sir_Oliver/stock.adobe.com

Der Mensch ist tagaktiv, d. h. die Arbeit in der Nacht stellt eine Belastung für den Körper dar. So kann Schichtarbeit das Ernährungsverhalten aufgrund von körperlichen, sozialen, und kulturellen Faktoren verändern. Beispielsweise, weil man trotz verändertem Schlafrhythmus gemeinsam mit der Familie essen möchte oder weil durch Stress und fehlenden Hunger Mahlzeiten ausgelassen werden.

Normalerweise wird der Schlaf, genau wie das Ernährungsverhalten, durch den zirkadianen Rhythmus bestimmt. So schlafen die meisten Menschen in Deutschland zwischen sieben und acht Stunden und haben durch ihre Mahlzeitengewohnheiten nachts beispielsweise eine Essenspause zwischen 9 und 12 Stunden. Bei Nachtschicht ist der zirkadiane Rhythmus allerdings gestört, so dass viele Nachtschichtarbeiter nach einer Schicht nur zwischen fünf und sechs Stunden schlafen.

Da die Qualität und Quantität des Schlafs neben der Ernährung unsere Gesundheit beeinflusst, sollten Menschen, die nachts arbeiten, auf ausreichenden Schlaf zwischen den Diensten achten. Die individuell erforderliche Schlafdauer ist erreicht, wenn man sich über den ganzen Tag hinweg weitgehend fit fühlt. Die Schlafqualität kann gesteigert werden, indem Störfaktoren wie Lärm oder Licht weitgehend vermieden werden.

Auch das Ernährungsverhalten kann sich durch die Nachtarbeit verändern. Mehrere Studien zeigen, dass Nachtarbeiter häufiger mehrere (und kleinere) Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen als Personen, die nachts nicht arbeiten. Da die individuelle Schlafdauer und die Mahlzeitenhäufigkeit bzw. -verteilung bei Schichtarbeitern unterschiedlich ist, lassen sich allerdings derzeit keine generellen Empfehlungen zu diesen Aspekten ableiten.

Allgemein ist empfehlenswert, dass

  • es am Arbeitsplatz ein Konzept für eine gesundheitsfördernde Verpflegung bei Nacht- und Schichtarbeit gibt. Dies kann u. a. umfassen: Pausenzeit, Gestaltung von Pausenräumen z.B. mit Kühlschrank, Mikrowellengerät oder Regeneriergeräten, Automaten mit einem ausgewogenen Speisenangebot, Wasserspender, Öffnungszeiten und Angebote des Betriebsrestaurants für (Nacht-)Schichtarbeiter. Alternativ sind Kühlmöglichkeiten für Gerichte, die im Sous vide, Tiefkühlkostsystem oder im Kühlkostsystem hergestellt wurden, wünschenswert.
  • beim Verpflegungsangebot auch für die Nacht- und Schichtarbeiter der DGE-Qualitätsstandard für die Betriebsverpflegung berücksichtigt wird, z. B. die Kriterien für die Zwischenverpflegung.
  • regelmäßige Mahlzeitengewohnheiten auch bei Schichtarbeit beibehalten werden und auf eine ausgewogene Ernährung geachtet wird.
  • mindestens eine Mahlzeit mit der Familie zusammen gegessen wird.

Für die Nachtarbeiter ist es ideal sich leckere Mahlzeiten oder Snacks von zu Hause mitzunehmen oder aus dem Betriebsrestaurant auszuwählen, statt am Automaten zu süßen oder salzigen Snacks zu greifen. Als Mahlzeiten bieten sich Joghurt mit frischem Obst, oder Vollkornbrot mit Frischkäse und Paprikastreifen an. Als Mahlzeiten zum Aufwärmen eigenen sich kleine, leichte Gerichte, wie Putenbrust mit Gemüse und Reis.

Darüber hinaus ist es wichtig während der Schicht ausreichend zu trinken. Gut geeignet sind warme und kalte Getränke ohne Koffein, wie Trink- oder Mineralwasser, Früchte-, Kräuter- oder Rotbuschtee. Koffeinhaltige Getränke sind, vor allem gegen Ende der Nachtschicht, nicht optimal, da sich ihre wachhaltende Wirkung negativ auf den Schlaf auswirken kann.

Bieten Sie, als Verantwortlicher für die Verpflegung, den Nachtschichtarbeitern ausgewogene, leicht verdauliche und genussvolle Speisen an, dass erleichtert die Arbeit bei Nacht und die Erholung am Tag. Derzeit werden Empfehlungen für die Ernährung bei Nacht- und Schichtarbeit von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. in Bonn erarbeitet. Neben den Empfehlungen für den Einzelnen, sollen auch Empfehlungen für die Betriebe formuliert werden.


Autorin: Susanne Leitzen von der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE), Projekt JOB&FIT

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