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Ernährung und Lebensstil vor und in der Schwangerschaft

Das Netzwerk Gesund ins Leben hat die bundesweit einheitlichen Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft aktualisiert und um Empfehlungen für die präkonzeptionelle Phase erweitert.

Zum Thema ErnährungBewegung Für die Zielgruppe Schwangere/Stillende

Schwangere Frau lächelt in die Kamera. In ihrer Hand hält sie einen grünen Apfel
Ein gesunder Lebensstil, vor und während der Schwangerschaft, begünstigt einen guten Schwangerschaftsverlauf. Bild: syda production/fotolia

Welche Vitamine und Mineralstoffe sind als Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft sinnvoll? Vegan essen - was müssen Schwangere (in spe) wissen? Wieviel sollen sich werdende Mütter bewegen? Auf der Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse geben die aktualisierten Handlungsempfehlungen zu Ernährung und Lebensstil vor und in der Schwangerschaft klare Antworten für die Beratung und Unterstützung von Frauen in der Zeit der Familienplanung und von werdenden Eltern, z.B. im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen.

Neu sind Empfehlungen für Frauen, die bald oder später einmal schwanger werden wollen. Die Zeit vor einer Schwangerschaft (präkonzeptionelle Phase) lässt sich dazu nutzen, mit der Einnahme von Folsäure zu beginnen, das Körpergewicht bestmöglich an ein Normalgewicht anzunähern, Gewohnheiten zu überprüfen (z.B. die Rauchentwöhnung anzugehen) sowie den Impfstatus und die Zahngesundheit zu checken. So können günstige Bedingungen für den Verlauf der Schwangerschaft und für die Gesundheit von Mutter und Kind geschaffen werden.

"Bei Prävention gilt: je früher sie ansetzt, desto besser", erklärt Prof. Dr. Dr. Berthold Koletzko, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. und Sprecher des wissenschaftlichen Beirats von Gesund ins Leben. "Neben der Genetik spielen äußere Einflüsse eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht und bestimmten Erkrankungen. Dabei gelten die ersten 1.000 Tage ab der Empfängnis als besonders sensitives Zeitfenster und bereits vor der Schwangerschaft lassen sich Weichen in Richtung Gesundheit stellen."

"Vielen Frauen ist nicht klar, wie sich der Lebensstil vor und in der Schwangerschaft auf Mutter und Kind auswirkt. Gynäkologen begleiten Frauen oft über viele Jahre. Diesen vertrauensvollen Kontakt können und sollten wir für wichtige Informationsarbeit nutzen und Frauen auch im Hinblick auf eine Schwangerschaft zu einem gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung ermutigen.", unterstreicht Prof. Dr. Achim Wöckel von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

"Die neuen Handlungsempfehlungen stellen die Bedeutung und die Chancen frühzeitiger Prävention ins Rampenlicht. Alle Berufsgruppen, die zukünftige und werdende Eltern begleiten, haben damit einen wissenschaftlich fundierten und einheitlichen Beratungsstandard zur Hand, der gleichzeitig den Alltag von Familien im Blick hat. Gemeinsam können wir Familien in ihrer Gesundheitskompetenz stärken.", betont Maria Flothkötter, Leitung des Netzwerks Gesund ins Leben.

 

 

Hintergrund: Die Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft und die präkonzeptionelle Phase

Die 2012 erstmals erschienenen Empfehlungen wurden auf Basis der derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage im Rahmen eines Revisionsprozesses überarbeitet. Der Beratungsstandard des Netzwerks Gesund ins Leben umfasst das Gewicht vor und die Gewichtsentwicklung in der Schwangerschaft, Energie- und Nährstoffbedarf, Ernährung (inklusive vegetarische und vegane), die Supplemente Folsäure/Folat, Jod, Eisen und Docosahexaensäure (DHA), den Schutz vor Lebensmittelinfektionen, körperliche Aktivität vor und in der Schwangerschaft, Alkohol, Rauchen, Koffein, den Umgang mit Arzneimitteln und neu Mund- und Zahngesundheit sowie Impfen. Zudem wird die Vorbereitung auf das Stillen bereits in der Schwangerschaft empfohlen.

Auf die einzelnen Handlungsempfehlungen folgt jeweils ein neuer Abschnitt mit Grundlagen, der die Herleitung transparent und nachvollziehbar macht. Ausführliche Hintergrundinformationen ermöglichen danach einen tieferen Einblick in die aktuelle Studienlage und die praktische Umsetzung.

Die Handlungsempfehlungen werden unterstützt durch den Berufsverband der Frauenärzte (BVF), den Deutschen Hebammenverband (DHV), den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sowie von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi).

Quelle: Meldung des Netzwerks Gesund ins Leben vom 26. September 2018