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Fasten - Auszeit für Körper und Geist

Ob ab Aschermittwoch oder einfach zwischendurch – viele Menschen nutzen die Auszeit vom Essen, um sich etwas Gutes zu tun. Welche Fastenkuren empfehlenswert sind und was Sie beachten sollten, erfahren Sie auf IN FORM.

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Teekanne mit Tassen
Kräutertees gehören bei fast jeder Fastenkur dazu. Bild: picture-factory / fotolia

Traditonell dauert die Fastenzeit sieben Wochen - sie beginnt Aschermittwoch und endet Ostern. Während die einen in diesen 40 Tagen „nur“ auf Genussmittel wie Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch verzichten, lassen die anderen feste Nahrung ganz weg und nehmen ausschließlich Flüssigkeit zu sich. Weltweit sind es Millionen Menschen, die sich in den Fastenmonaten aus religiösen oder gesundheitlichen Motiven den Nahrungsverzicht auferlegen. Aber auch außerhalb der Fastenmonate erfreuen sich Fastenkuren zunehmender Beliebtheit. Dabei steht das Abnehmen für die meisten nicht unbedingt im Vordergrund. Sie möchten in der Hauptsache zur Ruhe kommen, Körper und Geist in Einklang bringen und so manche „Schlacken“ aus dem Körper spülen.

Ganz gleich welche Gründe dahinterstehen: Die Fastenkur bedeutet immer eine Umstellung für den Körper, denn er muss sich an die verringerte Kalorienzahl gewöhnen. Und das verkraftet nicht jeder Mensch gleich gut. Deshalb ist es empfehlenswert, vorher einen Arzt um Rat zu fragen und mit ihm über eventuelle Gesundheitsrisiken zu sprechen. Wer fasten möchte, um abzunehmen, wird dauerhaft keinen Erfolg haben: Meist zeigt die Waage die verlorenen Kilos nach Ende der Fastenkur schnell wieder an und der gefürchtete Jojo-Effekt tritt ein. Ein anhaltender Abnehmerfolg kann nur mit einer gezielten Ernährungsumstellung und ausreichend viel Bewegung im Alltag erreicht werden.

Fasten eignet sich nicht für jeden Menschen: Diejenigen, die regelmäßig Medikamente einnehmen oder an einer chronischen Krankheit leiden, sollten gar nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht fasten. Gleiches gilt für Allergiker, Diabetiker, Menschen mit Depressionen und Magersüchtige. Von einer Fastenkur ganz absehen sollten Schwangere und stillende Frauen, Kinder, Herzkranke und Untergewichtige.

Übrigens: Dass beim Heilfasten der Körper entgiftet wird, wie landläufig geglaubt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Dazu sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): „Im gesunden menschlichen Körper gibt es keine Ansammlung von Schlacken und Ablagerung von Stoffwechselprodukten. Nicht verwertbare Stoffe werden über Niere, Darm, Lunge oder Haut ausgeschieden.“ Der Begriff „Entschlackung“ ist weder in schulmedizinischen noch in ernährungswissenschaftlichen Büchern zu finden. Laut Expertenmeinung könne das Fasten durchaus aus seelischen Gründen heilsam sein, Schlacken würden dadurch jedoch nicht beseitigt.

Welche Fastenmethoden gibt es?

1. Null- bzw. Wasserfasten (Nulldiät)

Dies ist die strengste Form des Fastens. Feste Nahrung wird durch energiefreie Getränke wie Wasser oder Tee ersetzt. Zu beachten ist dabei, dass die Vitamin- und Mineralstoffzufuhr ausbleibt. Bei kurzen Fastenzeiten, zum Beispiel eine Woche, kann der Körper auf Reserven zurückgreifen und den Nährstoffmangel ausgleichen. Fastet man über einen längeren Zeitraum, können häufig Kreislaufprobleme, Müdigkeit, Muskelkrämpfe oder Kopfschmerzen auftreten. Außerdem kommt es zu einem Abbau von Muskeleiweiß. Diese Fastenform sollte nur unter ärztlicher Aufsicht zum Beispiel in einer Fastenklinik durchgeführt werden.

2. Modifiziertes Fasten

Im Gegensatz zur Nulldiät sind Shakes oder Suppen mit einem hohen Eiweißgehalt erlaubt. Damit soll verhindert werden, dass körpereigenes Eiweiß abgebaut wird. Außerdem wird das Gehirn mit Kohlenhydraten versorgt. Leistungsfähigkeit und persönliches Wohlbefinden sind deutlich besser als beim strengen Fasten. Gesunde Menschen können auf diese Weise für kurze Zeit, etwa eine Woche, fasten.

3. Heilfasten

Dies ist die geläufigste Fastenart. Beim Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger soll der Körper unnötige Schlackenstoffe ausscheiden und seine Selbstheilungskräfte freisetzen. Zum Einstieg wird an sogenannten Entlastungstagen nur leichte Kost, wie reife Äpfel, Reis oder Naturjoghurt gegessen. Parallel wird der Darm mit abführendem Glaubersalz gereinigt. Während der Kur nehmen die Fastenden ausschließlich flüssige Kost zu sich. Erlaubt sind neben Tee und Wasser auch Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesäfte.

4. Weitere Varianten des Fastens

Säfte oder feste Nahrung sind hier erlaubt. Beim Saftfasten dürfen ausschließlich Obst- und Gemüsesäfte sowie Gemüsebrühen getrunken werden. Beim Fasten nach F.X. Mayr sind sogar Kohlenhydrate gestattet. Hier stehen Kräutertee, Gemüsebrühe und zweimal am Tag ein altbackenes Brötchen mit etwas Milch auf dem Ernährungsplan. Bei der Schroth-Kur, nach dem Naturheilkundler Johann Schroth, ist neben Tee oder Fruchtsäften auch trockener Wein zulässig. Diese Methode zeichnet sich durch Trocken- und Trinktage im Wechsel und abendliche Schrothsche Dunstwickel aus. Die Ganzkörperwickel sollen den Stoffwechsel in der Nacht ankurbeln und so die Ausscheidung von Gift- und Schlackenstoffen begünstigen. An den Trockentagen dürfen Getreideerzeugnisse, Trockenobst, Nüsse und Gemüse mit wenig Flüssigkeit, maximal einem Liter, verzehrt werden. 

Wie ist das Heilfasten zu bewerten?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Heilfasten eine positive Auswirkung auf die Psyche haben und zu einer insgesamt verbesserten Stimmungslage der Patienten beitragen kann. Das bestätigt auch die DGE: „Die vorhandenen Erfahrungsberichte zeigen, dass die Heilfastenkuren oftmals zu einer gesundheitsbewussteren Lebensführung und Änderung des Ernährungsverhaltens führen.“ Damit könne das Heilfasten ein Impuls für die Änderung des Lebensstils und zur Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten sein. Allerdings sieht die DGE Fasten nicht als geeignete Maßnahme beispielsweise zur Therapie von Adipositas an. Zudem gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Hinweise für die positiven Wirkungen des Fastens.