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Gluten-frei für alle?

Wer freiwillig auf Gluten oder Lactose in Lebensmitteln verzichtet, ernährt sich nicht automatisch gesundheitsfördernd.

Zum Thema Ernährung Gesundheit Für die Zielgruppe Allgemein

Pizza mit Tomaten und anderen Gemüsearten
Gluten- und Lactose-freie Lebensmittel wie diese Amaranth-Gemüse-Pizza liegen im Trend. Sie sind ein Segen für Menschen mit Unverträglichkeiten, aber sind sie für alle Menschen gesünder? Bild: jpc/stock.adobe.com

Gluten-freie Brote, Lactose-freies Speiseeis – der Absatz von speziellen Lebensmitteln boomt. Allein für Lactose-freie Lebensmittel lag der Umsatz im Jahr 2014 bei 285 Mio. EUR und für Gluten-freie Lebensmittel bei 105 Mio. EUR. Tendenz steigend.

Für Zöliakiepatienten, Weizenallergiker, Menschen mit Weizen- bzw. Glutensensitivität oder Lactoseintoleranz sind diese Lebensmittel ein Segen und erleichtern den Alltag. Leiden sie an einer dieser Unverträglichkeiten, ist das Weglassen des Lebensmittels mit krankheitsauslösenden Inhaltsstoffen die einzig sinnvolle Therapie. Denn die Beschwerden lassen dadurch nach oder bleiben aus.

Keine vorschnellen Selbstdiagnosen stellen

"Für alle anderen Personen haben sie keinen nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen", urteilt die Deutsche Gesellschaft für ernährung (DGE) in ihrem 13. Ernährungsbericht. Offensichtlich verbinden viele Verbraucher mit Gluten- oder Lactose-freien Lebensmitteln generell positive, gesundheitsfördernde Aspekte, wie eine Gewichtsabnahme oder generell gesundheitliche Vorteile. Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergab, dass rund 80 % der Käufer von lactosefreien Lebensmitteln keine nachgewiesene Lactoseintoleranz haben.

Ein freiwilliger Verzicht auf Gluten-haltige Lebensmittel bedeutet nicht automatisch eine gesundheitsfördernde Ernährung – so wie Gluten-freie Lebensmittel teilweise beworben werden. Die Lebensmittel unterscheiden sich nicht nur in Geschmack und Preis. Durch das Weglassen des Glutens und Ausweichen auf andere Inhaltsstoffe bzw. Lebensmittel kommt es zu Veränderungen der Energie- und Nährstoffzufuhr. Diese sind nicht immer zugunsten des Verbrauchers.

Einige Gluten-freie Lebensmittel haben einen vergleichsweise höheren Fettgehalt, während der Anteil an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen geringer ist. Werden Weizen und andere glutenhaltige Getreidearten wie Dinkel, Grünkern, Roggen, Hafer und Gerste langfristig vom Speiseplan gestrichen, kann es zu einer geringeren Zufuhr an Ballaststoffen, B-Vitaminen, Magnesium, Zink und Eisen kommen. Beim Verzicht auf Vollkornprodukte bleiben die präventiven Effekte hinsichtlich der Entstehung von Herz-Kreislauf-Krankheiten und bestimmten Krebskrankheiten ungenutzt.

Lactosefrei um jeden Preis?

Für den Begriff "Lactose-frei" gibt es derzeit keine gesetzliche Regelung. Die Lebensmittelindustrie bietet eine große Palette an Produkten mit dieser Bezeichnung an. Darunter befinden sich auch Lebensmittel wie Schwarzbrot, Zwieback oder Kochschinken, deren Lactosegehalt nur gering ist. Dies führt bei vielen Betroffenen zur Verunsicherung. Um sicher zu gehen, greifen sie zu gekennzeichneten, aber häufig teureren Produkten. Dabei hätte das herkömmliche Lebensmittel keinerlei Nachteile.

Lactose (= Milchzucker; auch Laktose) ist ein natürlicher, in Milch und daraus hergestellten Lebensmitteln, vorkommender Zucker. Eine Lactoseintoleranz ist eine der häufigsten Lebensmittelintoleranzen und führt zu Darmbeschwerden wie Bauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen oder Übelkeit. Nur sehr wenige Personen mit Lactoseintoleranz müssen komplett auf Lactose verzichten. Häufig vertragen sie kleine Mengen wie sie in einer Scheibe Käse, einem Joghurt oder in Fertigprodukten vorkommen.

Einfach weglassen kann riskant sein

Wer Gluten- oder Lactose-freie Produkte ohne Lebensmittelunverträglichkeit konsumiert, zahlt häufig mehr – hat aber dafür keinen gesundheitlichen Nutzen, so das Fazit der DGE. Das Weglassen einzelner Lebensmittel oder -gruppen erhöht grundsätzlich das Risiko für Nährstoffdefizite und kann langfristig zu gesundheitlichen Einschränkungen führen. Wer aus gesundheitlichen Gründen auf bestimmte Lebensmittel verzichten muss, bekommt bei einer qualifizierten Ernährungsfachkraft individuelle und alltagstaugliche Hilfe.