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Wissen, was auf den Teller kommt

"Ackern für Bildung und Ernährung" – seit 2014 stärkt das gemeinnützige Sozialunternehmen Ackerdemia e.V. unter diesem Motto die Wertschätzung von Lebensmitteln in der Gesellschaft. In der "GemüseAckerdemie" erleben Kinder und Jugendliche in der Praxis, wie Gemüse angebaut und geerntet wird. 2015 wurde die "GemüseAckerdemie" als IN FORM-Partner ausgezeichnet.

Zwei Kinder pflanzen Gemüse in ein Beet
Das Bildungsprogramm "GemüseAckerdemie" von Ackerdemia e.V. bringt den Acker direkt in die Schulen und Kitas. Bild: HelloFresh/Wolfgang Borrs

Schulkinder, die im Rahmen des Programms "AckerSchule" an der "GemüseAckerdemie" teilnehmen, beschäftigen sich gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern innerhalb eines Jahres mit verschiedensten Abläufen rund um den Ackerbau. Die Lehrkräfte nehmen dafür im Vorfeld an Fortbildungen von Ackerdemia teil und können auf ihre umfangreichen Bildungsmaterialien zurückgreifen.

Im Schulgarten und begleitenden Unterrichtsstunden erfahren die Kinder aber nicht nur, was in der Natur vorgeht, wenn kleine Saatkörner zu großen Gemüsepflanzen heranwachsen. Auch die Vermarktung der eigenen Ernte und Aspekte wie Sortenvielfalt stehen auf dem Stundenplan. Die Arbeit auf dem Acker soll die Schülerinnen und Schüler für das Thema Lebensmittelwertschätzung sensibilisieren und ihnen den Ressourceneinsatz in der Lebensmittelherstellung vor Augen führen. "Gießen, harken, jäten – all das macht den Kindern bewusst, wie viel Arbeit beispielsweise in so einer Möhre steckt, die man sonst recht einfach im Supermarkt kaufen kann", so Muster.

Arbeit, die Bewusstsein schafft

Wo lernen die Kinder unserer Gesellschaft, wie Natur und Landwirtschaft bei der Produktion unserer Lebensmittel zusammenspielen? Diese Frage stellte sich der studierte Landwirt und Ackerdemia-Gründer Dr. Christoph Schmitz, als er beobachtete, dass viele Kinder immer weniger Kontakt und Bezug zur Natur haben. Mit der Idee zur "GemüseAckerdemie" fand er eine Antwort. Das Bildungsprogramm bringt den Acker direkt in die Schulen und Kitas. Insgesamt haben allein im Jahr 2020 über 28.000 Kinder an 676 Lernorten ihr eigenes Gemüse angebaut, gepflegt und geerntet.

Das Prinzip Lernen durch Erleben steht im Mittelpunkt der "GemüseAckerdemie", die das Natur- und Ernährungsbewusstsein Heranwachsender nicht nur theoretisch vermitteln möchte. "Das eigene Erleben ist wichtig, um das theoretische Wissen zu verankern", erklärt Dr. Sina Muster, die bei Ackerdemia verschiedene Programme der "GemüseAckerdemie" und ihre Wirkung wissenschaftlich begleitet. Zu lernen, was Gemüsesorten wie Tomaten, Zucchini oder Kohlrabi zum Wachsen brauchen, das geschehe fast schon nebenbei – vor allem dann, wenn sich Faktenwissen mit der Freude am Ackern verbinde.

Das Ziel: Lebensmittel wertschätzen und entdecken

Die Wertschätzung des selbst angebauten Gemüses sei gerade für das gesamtgesellschaftliche Problem der Lebensmittelverschwendung wichtig. "Oft genug spiegelt sich der Ressourceneinsatz einfach nicht im Kaufpreis unserer Lebensmittel wider. Wenn ich etwas sehr günstig bekomme, macht es mir weniger aus, es wegzuwerfen", erklärt Muster. In der "GemüseAckerdemie" beobachtet die studierte Geoökologin jedoch, wie das selbst angebaute Gemüse zu etwas Besonderem wird: "Hat ein Kind so eine Möhre selbst eingepflanzt, gepflegt und am Ende geerntet, dann geht es eben doch anders mit ihr um." Das Team der GemüseAckerdemie erhofft sich daher eine langfristige Bildung der Kinder zu bewussten Konsumentinnen und Konsumenten.

Dass sich der Zugang zu Lebensmitteln verbessert, weiß Muster aus Gesprächen mit Kindern, die bereits vor einigen Jahren an der "AckerSchule" teilgenommen haben: "Für die Kinder war das ein sehr einprägsames Erlebnis. Ihnen ist es nachhaltig wichtig, darauf zu achten, wo ihr Gemüse herkommt und wie es verpackt ist." Auch in der Ernährung der Kinder zeigt sich eine nachhaltige Wirkung. Schnell wandelt sich ursprüngliche Skepsis in Experimentierfreudigkeit, wenn Schülerinnen und Schüler bislang unbekannte Gemüsesorten ernten, die zuhause zur kulinarischen Entdeckung werden. Diese Entwicklungen bestätigen die Lehrerinnen und Lehrer der teilnehmenden Schulen. Sie berichten, dass sich Gemüse als gesunder Pausen-Snack immer größerer Beliebtheit auf dem Schulhof erfreut.

Ausgezeichnetes Engagement: IN FORM und die „GemüseAckerdemie“

Die Bildungsarbeit für eine bewusste und gesunde Ernährung zahlreicher Kita- und Schulkinder hat der "GemüseAckerdemie" eine Reihe von Auszeichnungen eingebracht. Bereits 2015 wurde ihr für dieses Engagement das "Wir sind IN FORM"-Logo verliehen. Das Grundschulprogramm "GemüseKlasse" wird seit 2017 auch finanziell von IN FORM gefördert. Dort beschäftigen sich dritte und vierte Klassen beim Gemüseanbau im eigenen Klassenzimmer neben der Pflanzenaufzucht und Themen wie dem Lebensmittelhandel damit, welche Bedeutung Gemüse für ihre eigene Ernährung und Gesundheit hat.

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"Als Verein schauen wir natürlich, wo es Partner gibt, mit denen wir gemeinsame Werte und Ziele haben" erklärt Muster. Die Auszeichnung und Förderung von IN FORM habe der Verein daher als sehr positive Botschaft aufgenommen. Beides eigne sich durch den "offiziellen Klang" gut, um gegenüber Kitas und Schulen zu kommunizieren, so die Ackerdemia-Mitarbeiterin. Mit Blick auf die Förderung durch IN FORM lobt Muster besonders die "Partnerschaft auf Augenhöhe" sowie die Vernetzung mit anderen Projekten: "Es war immer sehr hilfreich, zu schauen, was es noch für andere Initiativen gibt und wo man voneinander lernen kann."

Ansprechpartnerin
Dr. Sina Muster
Projektentwicklung & Wissenschaft
Ackerdemia e. V.
Tel.: 0331 - 64 74 74 83
E-Mail: s.muster@ackerdemia.de

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