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IN FORM vor Ort #aid-forum16

Rund 300 Fachleute trafen sich beim 19. aid-Forum in Bonn. Das Thema 2016 lautete "Achtsamkeit in der Ernährung".

Zum Thema Ernährung Für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

INFORM Aid Forum
Gemeinsam für Achtsamkeit in der Ernährung: Eva Zovko (aid), Dr. Julia Bollwein, Gaby Vychodil, Jutta Kamensky, Dr. med Katrin Imbierowicz, Jocelyne Reich-Soufflet, Moderator Sven Preger und Dr. Margareta Büning-Fesel (aid) (v.l.n.r) Bild: R. Schubert, aid Infodienst e.V.

Ist Achtsamkeit eine Antwort auf die Frage, wie die Prävention von ernährungs-mitbedingten Erkrankungen besser gelingen kann? Und wie schaffen wir es in einer Welt von Multitasking, Datenflut und Stress achtsam zu sein? Diese und viele weitere Fragen wurden am 21. September 2016 im Rahmen des 19. aid-Forums diskutiert.

Dr. Margareta Büning-Fesel, Geschäftsführender Vorstand des aid infodienst e.V., begrüßte die rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Wissenschaftszentrum Bonn. "Wir wollen uns mit Achtsamkeit und Ernährung auseinandersetzen und hinterfragen, ob sich eine achtsame Haltung tatsächlich auf unser Essverhalten oder unsere Esskultur auswirken kann." Wer achtsam isst, der isst auch gut - darin stimmte Büning-Fesel mit Moderator Sven Preger überein.

Die Bonner Psychotherapeutin Gaby Vychodil erläuterte verschiedene Achtsamkeitsfaktoren, die zur Gesundheit beitragen können. Sie motivierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, achtsame Momente im Alltag einzubauen und so zu einer entspannteren Haltung und mehr Leistungsfähigkeit zu gelangen. "Schließen Sie mehrmals am Tag die Augen und atmen Sie tief durch. So fährt Ihr System herunter - ähnlich wie Ihr PC."

Helgo Bretschneider, Trainer für effiziente Arbeitsmethoden, ging in seinem Vortrag "Und täglich grüßt die Datenflut - haben wir noch Zeit zu essen?" auf die Herausforderungen der Reizüberflutung und der ständigen Erreichbarkeit im Alltag ein. So sei beispielsweise ein bewusster Umgang mit der Email-Flut ein erster Schritt. Wer ständig seine Mails checkt, ist von anderen Aufgaben abgelenkt und muss sich immer wieder neu einarbeiten.

Dr. Katrin Imbierowicz, Leitende Oberärztin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Bonn, fragte in ihrem Vortrag: "Heute schon achtsam gegessen?" Sie forderte ein "achtsames Essen im Sinne einer neugierigen Wachheit dafür, warum ich gerade jetzt esse, was ich esse, was ich dabei wahrnehme und wie ich mich damit fühle". Auch das Auseinandersetzen damit, mit wem ich esse oder was mich mit dieser Mahlzeit verbindet, kann laut Imbierowicz ein Weg zu einem anderen Zeit-Erleben und mehr Ruhe sein.

Jocelyne Reich-Soufflet, Inhaberin der Praxis für Ernährungstherapie & Ernährungspsychologie in Frankfurt, ermunterte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mehr auf sich selbst und die eigenen Visionen zu achten. Die Frage, ob man in fünf Stunden eine Ernährungstherapie durchführen kann, beantwortete sie klar mit "nein". "Gehen Sie eigene Wege in der Ernährungsberatung. Leiten Sie Ihre Patienten zur Eigeninitiative an. Lassen Sie sich Ihre Arbeit nicht diktieren, sondern bestimmen Sie selbst."

In den Pausen konnten sich die Besucherinnen und Besucher an den Infoständen über aktuelle Medien aus dem Bereich Ernährungsempfehlung und Bildung informieren. Das IN FORM Team war ebenfalls mit einem Stand vertreten. Neben den Give-Aways interessierten sich die Fachbesucherinnen und -besucher vor allem für das Journal des Schülerwettbewerbs KLASSE, KOCHEN!.

Am Nachmittag zeigte Dr. Julia Bollwein, wie man über Ich-Erfahrungen ein "Überessen" vermeiden kann. Ihre These lautete: Wer auf seinen Appetit und Bedarf hört und darauf achtet, was für ihn persönlich verträglich ist, der ist gegen Umweltimpulse, die uns zum Essen animieren, geschützt. Als Leiterin des Instituts für achtsames Essen in München zeigt sie Diätgeschädigten, wie man über Meditation und Achtsamkeitsübungen die Selbstwahrnehmung verbessern kann. Sport, Yoga oder Singen habe ebenfalls Einfluss auf eine positive Selbstwahrnehmung.

Jutta Kamensky ist Trainerin und Coach mit dem Schwerpunkt Ernährungs- und Gesundheitspsychologie. "Genießen muss man lernen", betont sie. Viele Menschen hätten ihr Gefühl für sich selbst verloren und kontrollierten ihr Essverhalten über selbst aufgelegte Genussverbote. In einem Genusstraining können sie Genießen lernen oder neue Quellen für gute Gefühle entdecken.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden des aid-Forums die Möglichkeit, zwischen fünf verschiedenen Workshops zu wählen und sich selbst aktiv mit dem Thema "Achtsamkeit in der Ernährung" auseinanderzusetzen.

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