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Jetzt ist Pflanzzeit: Urban Gardening

Ob aus Sehnsucht nach ein wenig "Landleben" oder auf der Suche nach günstigen Quellen für regionales Bio-Gemüse – Stadtgärtnern liegt im Trend.

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Urban Gardening
In vielen Städten sprießen Gemeinschaftsgärten, essbare Landschaften und Schulgärten. Bild: stockcreations/fotolia

„Woher kommen meine Lebensmittel?“ Mit dieser Frage setzen sich Menschen wieder verstärkt auseinander. Die Aspekte Nachhaltigkeit und ökologischer Anbau spielen dabei eine große Rolle. Wer in der Stadt wohnt, hat weniger Möglichkeiten, direkt beim Bauern einzukaufen oder einen eigenen Garten zu bewirtschaften.

IN FORM hat für Sie einige Initiativen und Projekte rund um das Gärtnern und Pflanzen in Städten zusammengestellt. Denn viele Nahrungspflanzen (z.B. Kräuter, Salate, manche Gemüsearten) lassen sich auch mit wenig Platz auf Balkonen, Fensterbänken, Freiflächen und Hausdächern anbauen.

Tipp

Cover Broschüre "Aussaat- und Pflanzzeiten"

Infos liefert die Broschüre "Aussaat- und Pflanzzeiten" des Bundes-Informationszentrum Landwirtschaft (BZL)

Prinzessinnengärten in Berlin

Das wohl bekannteste Urban Gardening Projekt in Deutschland befindet sich in Berlin: In den Kreuzberger Prinzessinnengärten wird seit 2009 eine Fläche von 6.000 Quadratmetern bewirtschaftet. Auf einem Areal, das über 60 Jahre lang brach lag, wächst heute eine große Vielfalt von Gemüse- und Kräutersorten. Jeder, der möchte, darf sich beteiligen. Die urbanen Gärtnerinnen und Gärtner jeden Alters helfen sich gegenseitig, lernen voneinander, probieren Neues aus und übernehmen Verantwortung.

Das produzierte Gemüse wird entweder direkt im eigenen Gartencafé verarbeitet, oder man kann es selber ernten, kaufen und damit den Garten unterstützen. Die „Gebäude“ auf dem Gelände bestehen aus Containern, die Pflanzen wachsen in recycelten Bäckerkisten, Reissäcken und Tetrapaks. Das macht den Garten mobil und ermöglicht einen Anbau auch auf versiegelten Flächen.

„Pflanz dir dein Schulbrot“

Die von der Europäischen Union geförderte Kampagne 5 am Tag möchte Menschen dazu anregen, mehr Gemüse und Obst zu essen. Der Trend der urbanen Gärten lässt sich für die praktische Umsetzung nutzen. So entstand im IN FORM Unterstützerprojekt „Urbanes Gärtnern“ mit „Pflanz dir dein Schulbrot“, die deutschlandweit so genannte "5 am Tag-Beete" in Schulen fördert.

Auf einer Fläche von zwei mal zwei Metern können die Schülerinnen und Schüler Schnittlauch, Erdbeeren, Kohlrabi, Pflücksalat sowie Radieschen anpflanzen und sich so spielerisch Wissen über Obst und Gemüse aneignen. Das gemeinsame Gärtnern beinhaltet auch pädagogische Aspekte und wirkt sich positiv auf die Bewegungsfähigkeiten und das spätere Ernährungsverhalten aus. Auch der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz.

Essbare Städte

„Pflücken erlaubt statt Betreten verboten“ lautet das Motto in Minden und Andernach, zwei der ersten „Essbaren Städte“ in Deutschland. Die Idee entstand in der englischen Stadt Todmorden und findet inzwischen viele Nachahmer: Aus Parkanlagen und weiteren öffentliche Grünflächen werden begehbare Gärten mit essbaren Pflanzen für jedermann. Sortenvielfalt (auch "alte" Gemüsesorten, die man kaum im Supermarkt kaufen kann), ökologische Qualität und Wertschätzung der angebauten Pflanzen sind wichtige Anliegen der Initiatoren.

Die Idee kommt zum Beispiel in Andernach gut an, doch bezüglich der Umsetzung ist noch Luft nach oben. Wissenschaftlerinnen des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung IÖR befragten in einer Studie die Andernacher Bevölkerung. Mehr als die Hälfte kannte das Konzept der Essbaren Stadt gut oder sehr gut, doch nicht einmal jeder Dritte (30 Prozent) hat bislang Obst oder Gemüse auf den öffentlichen Flächen geerntet. "Die Umfrage zeigt, dass das Konzept der Essbaren Stadt einen großen Beitrag zu Attraktivität Andernachs leistet. Um die positiven Auswirkungen noch zu stärken, könnte die Stadt weitere Aktivitäten planen und so Bürgerinnen und Bürger noch stärker in das Projekt einbinden" so Martina Artmann, Projektleiterin im IÖR.

Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi)

Bei der Solidarischen Landwirtschaft schließen sich ein (selten mehrere) landwirtschaftlicher Betrieb oder eine Gärtnerei mit einer Gruppe privater Haushalte zusammen. Auf Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen (Bio-)Produktion verpflichten sich die privaten Haushalte, regelmäßig im Voraus einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen, der dann mit dem Geld wirtschaftet. Die Abnehmer erhalten im Gegenzug dazu die Ernte sowie weiterverarbeitete Erzeugnisse wie Brot, Käse etc., sofern der Hof diese herstellt.

Die Erzeugnisse werden regelmäßig (z.B. wöchentlich) an die Haushalte oder zentrale Sammelstellen geliefert, aus denen die Haushalte nach Bedarf Lebensmittel entnehmen können.

In diesem Netzwerk teilen sich alle Beteiligten Verantwortung, Risiko, Kosten und Ernte der ökologischen Landwirtschaft.

Praxis-Tipps: Kreatives Recycling ist gefragt

  • Beim Anlegen kleiner Beete in der Stadt wird mangels Platz und Ausstattung häufig improvisiert: Salate, Gemüse und manches Obst gedeihen zum Beispiel im Sperrmüll- Kleiderschrank oder in ausgemusterten Autoreifen. Kleine Gewächse wie Gartenkräuter lassen sich auch in alten Schuhen oder aufgeschnittenen Tetrapaks ziehen. Der Phantasie und dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt!
  • Wenn Sie ungeübt im Gärtnern sind, beginnen Sie mit Gartenkräutern wie Kresse oder Petersilie. Kresse lässt sich z.B. auf einem Teller mit Watte in kurzer Zeit ziehen.
  • Versuchen Sie, Mitstreiter zu gewinnen, mit denen sie Samen oder Pflanzen tauschen können.
  • Mit der Bienen-App des BMEL kann nun außerdem jeder selbst auf seinem Balkon, auf der Terrasse oder im Garten Blühpflanzen anpflanzen, die besonders bienenfreundlich sind. Die App für Smartphones verfügt über ein Lexikon mit mehr als 100 bienenfreundlichen Pflanzen, in dem über verschiedene Merkmale wie Blütenfarbe, Blühzeit oder den besten Standort der Pflanzen informiert wird. Erfahren Sie auf www.bmel.de mehr über die App für Bienenfreunde oder laden Sie die App am besten direkt runter.

Autorin: Ruth Rösch, Attendorn

 

Dieser Artikel ist Teil folgender Serie:

Serie zur Serie
Grüner Daumen mit Gras und Blumen

Nachhaltigkeit

Sich nachhaltig zu ernähren bedeutet respektvollen Umgang mit Umwelt, Mensch und Tier.

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