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Kinder für gesunde Ernährung gewinnen

So funktioniert’s: Wie Eltern, Kita und Schule sowie die Industrie Kindern gesundes Essen schmackhaft machen können.

Zum Thema Ernährung Für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Kinder essen Äpfel
Gesunde Lebensmittel bevorzugen. Bild: tutye/fotolia

Wie lernen unsere Kinder essen? Und wie können wir sie unterstützen, ein gesundes Essverhalten zu entwickeln? In diesem IN FORM Beitrag erfahren Sie, was Sie tun können, damit Ihr Kind gesund aufwächst.

Ein gutes Vorbild sein

Essen ist weit mehr als reine Nahrungsaufnahme. Es ist ebenso Genuss und Freude. Das Essverhalten wird maßgeblich im Elternhaus geprägt. Insbesondere in den ersten Lebensjahren orientieren sich die Kinder an ihren Eltern sowie an den Menschen im familiären Umfeld. Sie lernen primär aus Beobachtung. Und diese prägt sich viel mehr ein als Ermahnungen, Ge- oder Verbote. Wichtig ist daher, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Wenn Eltern vielfältig und mit Freude essen und den Mut haben, "Neues" zu probieren, werden es die Kinder nachmachen.

Gesunde Lebensmittel bevorzugen

Bei der Frage nach dem, was gegessen wird, ist häufig von gesunden Lebensmitteln die Rede. Diese sind idealerweise naturbelassen und somit gar nicht oder nur gering verarbeitet. Sie enthalten keine zugesetzten Vitamine oder Mineralstoffe, Aromen, Farbstoffe, Konservierungsmittel oder andere Zusatzstoffe.

Darf’s auch etwas Süßes sein?

Süßigkeiten liefern keinen nennenswerten Beitrag zur Nährstoffversorgung unseres Körpers. Aber: Sie schmecken lecker und sind kaum aus dem Kinderalltag wegzudenken. Daher ist es wichtig, dass Kinder einen bewussten Umgang damit lernen. Süßigkeiten sind etwas Besonderes und werden nur in geringen Mengen (höchstens zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr) verzehrt. Klare Regeln, wann und wieviel "süß" gegessen wird, helfen das Naschverhalten der Kinder zu steuern. Dennoch: Ein entspannter Umgang mit dem Thema ist empfehlenswert. Verbote führen lediglich zu Heißhunger auf die Leckereien.

Tischregeln für alle

Regeln bei Tisch geben Kindern Sicherheit und vermeiden Stress. Sie gelten für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, denn mit einem Vorbild lernt es sich am besten. Gegessen wird am Tisch und nicht im Laufen oder vor dem Fernseher. Wird die Mahlzeit mit einem Tischspruch oder einem Gebet begonnen, können sich alle auf das gemeinsame Essen einstimmen. Zwischen den Mahlzeiten gibt es essensfreie Zeiten. Das gibt dem Tag Struktur und hilft den Kindern, ein Hunger- und Sättigungsgefühl zu entwickeln. Neben der Vermittlung von Tischmanieren, wie beispielsweise nicht schmatzen, können bei Tisch Fertigkeiten erlernt werden. Gelobt wird, wenn etwas gut klappt. Bei Nichtbeachtung wird reagiert. Am Esstisch sollten Konflikte vermieden werden.

Das gemeinsame Essen

Gemeinsames Essen macht Spaß! Kinder genießen es, in einer schönen Umgebung mit vertrauten Personen zu speisen. Es ermuntert sie auch, neue Sachen zu probieren. Laut einer Studie schätzen mehr als 80 Prozent aller Kinder und Jugendlichen den Familientisch als Ort für Gespräche, Gemütlichkeit und Entspannung. Ein weiterer Pluspunkt für den Familientisch: Kinder, die von klein auf lernen, wie gut selbst Gekochtes schmeckt, werden ihre Lust auf Fast Food auch dann bremsen können, wenn sie älter geworden sind.

Möglichkeiten in Kita und Schule

Laut einer Studie hängt die Ernährung der Kinder auch von Bildung und Einkommen der Eltern ab. Je höher diese sind, desto gesünder ist das Ernährungsmuster. Ziel ist daher, Kindern aller sozialer Schichten ein gesundes Lebensumfeld zumindest während ihrer Betreuungs- und Unterrichtszeiten zu bieten. Neben einem gesunden Speisenangebot in schöner Atmosphäre haben Kita und Schule gute Möglichkeiten, projektspezifische Angebote zu realisieren. Besuche auf dem Wochenmarkt, gemeinsame Backaktionen oder Workshops zu regionalen Speisen – das sind einige Beispiele, die Kinder gezielt an gesunde Lebensmittel heranzuführen.

Und was ist mit der Ernährungsindustrie?

Die Süßigkeitenindustrie hat bereits viel Erfahrung damit, wie attraktiv gestaltete Lebensmittelverpackungen die Kinder zu ungesunden Lebensmitteln verführen können. Inwiefern sich solche Marketingeffekte auf gesunde Lebensmittel übertragen lassen, wurde in einer Studie untersucht. Sie boten Kindern drei identische Joghurt-Früchtemüsli-Snacks an. Diese wurden nach den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung hergestellt und unterschieden sich nur in der Verpackung. Die Kinder griffen zu dem Snack mit den attraktiven Zeichentrickfiguren. Ebenso schnitt dieses Müsli beim Geschmackstest am besten ab. Hier besteht eine große Chance, diese Marketingeffekte für gesunde Lebensmittel zu nutzen.

Hier noch ein paar Tipps

  • Schaffen Sie eine gute Atmosphäre. Essen mit Freude ist die Basis einer gelingenden Esserziehung.
  • Kinder sollten alles probieren, aber nicht zum Essen gezwungen werden. Seien Sie geduldig und gelassen: Viele Lebensmittel muss ein Kind 5- bis 10-mal kosten, bis sie ihm schmecken.
  • Kinder sind Entdecker. Bezieht man sie in Speisenplanung, Einkauf und Zubereitung mit ein, erreicht man eine höhere Wertschätzung beim Essen. Planen Sie einen Kinder-Kochtag pro Woche oder pflegen Sie gemeinsam ein Kräuterbeet. Das weckt die Neugier der Kinder und lässt sie mit Spaß gesunde Lebensmittel entdecken.
  • Kinder essen mit allen Sinnen. Schöne Tischdekorationen, knackige Geräusche beim Abbeißen, buntes Fingerfood – machen Sie sich die sinnliche Bedeutung von Essen bewusst. Nutzen Sie sie, um den Kindern Appetit zu machen. Interessant zu wissen: 70-80 Prozent der Geschmackswahrnehmung basieren auf dem Geruch.
  • Bieten Sie das Gemüse mal gekocht und mal roh als Fingerfood (z. B. mit einem Dip) an.
  • Kombinieren Sie unbekannte Speisen immer mit bekannten und geliebten Lebensmitteln. Bieten Sie sie in unterschiedlichen Varianten an.
  • Eine bunt verzierte Naschdose mit dem Namen des Kindes hilft, den Süßigkeitenverzehr zu regeln. Jeden Tag darf das Kind eine Kleinigkeit daraus entnehmen.

Autorin: Yvonne Dommermuth, Koblenz

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