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Klimagesundes Essen in der Schule

5. Dialog Schulverpflegung NRW – Lebensmittel retten, Klima schützen und gesund essen – ein Thema für die Schulverpflegung

Gruppenbild mit 10 Frauen und einem Mann
Erfolgreicher Dialog zum Schulessen: Vertreterinnen und Vertreter der Verbraucherzentrale und Schulvernetzungsstelle NRW mit Dr. Anke Oepping, Leiterin des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schule - NQZ (hintere Reihe, 2. v. l.) und Lerke Tyra, Referentin im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (hintere Reihe, 4. v. li.). Bild: BLE

Wie eng klimagerechtes Essen, nachhaltige Ernährungsbildung und gesunde Ernährung in der Schule zusammenhängen, das wurde im 5. Dialog Schulverpflegung Mitte September in Düsseldorf deutlich. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Praxis stellten ihre Ergebnisse vor und diskutierten mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Ernährungsbildung zahlt sich aus – wenn auch manchmal mit etwas Verzögerung

Diesen Teil der 18- bis 29Jährigen mit Ernährungsbildung und –aufklärung zu erreichen, erweist sich als besonders schwierig. Hier wies Anke Oepping, Leiterin des Nationalen Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) in der folgenden Diskussion auf die Bedeutung des Kompetenzerwerbs in Sachen Kochen, Lebensmittelwertschätzung und gesunder Ernährung vor dem Start in ihr selbstständiges (Erwachsenen-)Leben hin.

"Ernährungsbildung in der Schule zahlt sich früher oder später aus", davon zeigte sich Moderatorin Kirstin Gembalies-Wrobel von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung überzeugt. Sie wies darauf hin, dass spätestens in der Familienphase auch bei zuvor weniger interessierte Menschen Lebensmittelqualität und Ernährungsfragen interessieren stärker in den Fokus geraten und sie dann auf Ernährungswissen und Kompetenzen zurückgreifen, die sie in der Schule erworben haben.

Mehr Vielfalt für den Klimaschutz - Pilotprojekte zur klimagesunden Schulverpflegung

Wie klimagesunde Schulverpflegung in der Praxis funktionieren kann, darüber berichtete Kathrin Scholtyssek (Verbraucherzentrale NRW) anhand von vier Pilotschulen im Projekt MehrWertNRW. "Klimafreundliche Ernährung ist immer auch gesunde Ernährung, denn sie bedeutet mehr Vielfalt auf dem Teller", so Scholtyssek. Konkret bedeutet dies, dass sich auf dem Speiseplan vermehrt vegetarische und internationale Gerichte finden sollen. Die Zutaten sollen möglichst aus der Region stammen. Hinzu kommt, dass mehr Bio- und saisonale, frische Produkte eingesetzt werden.

An vier Modellschulen in Duisburg, Wuppertal, Neuss und Krefeld startete das Projekt jeweils mit einem Runden Tisch zur Frage "Wo stehen wir und wohin wollen wir in Bezug auf die klimafreundliche Schulverpflegung?". Diskutiert wurde hier auch, inwieweit die Praxis in der Mensa sich mit der Theorie im Unterricht deckt. Es folgten Workshops und Schulungen für die Köche und die Verpflegungsteams. Die abschließende Individuelle Beratung umfasste neben der Speiseplanoptimierung auch Marketingmaßnahmen wie etwa zur Gestaltung der Homepage oder Vorlagen für Elternbriefe rund ums Schulessen.

Schülerinnen und Schüler in allen beteiligten Schulen konnten sich in der Ausstellung "Klimaschutz schmeckt" über die Zusammenhänge zwischen Klima und Ernährung informieren. Mitmachelemente wie ein Quiz und die Fotobox "Werde Klimaschützer". Alle Ergebnisse sind im „Handlungsleitfaden Klimagesunde Schulverpflegung“ als Download unter www.mehrwert.nrw/leitfaden abrufbar.

Oft liegt es einfach am Rezept - Vermeidung von Lebensmittelabfälle in Schulmensen

Die dritte Präsentation galt der Studie zu Lebensmittelabfällen, die Frank Waskow und sein Team aus der Gruppe Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale NRW erstellt haben. "Im Durchschnitt werden 25 Prozent der gekochten Speisen in Schulmensen nicht gegessen, sondern entsorgt", so Waskow vor den erstaunten Zuschauerinnen und Zuschauern.

Für die Studie wurden Abfälle quantitativ gemessen und die Ergebnisse ausgewertet. Durch einfache, kurzfristige Maßnahmen wie die Reduktion der Produktionsmengen und Portionsgrößen sowie geänderte Speispläne konnten zirka ein Drittel der Speiseabfälle eingespart werden. Dass dabei zum Beispiel unbeliebte Gerichte gestrichen werden, kommt allen zugute. Wenn vom Fisch-Ananas-Curry mit Banane 45 Prozent im Müll landet, schmeckt es den Schülern offenbar nicht. Der stattdessen angebotene gebratene Fisch mit Vollkornreis und Salat kommt deutlich besser an.

Damit sparen Schulen bares Geld, das für eine attraktive, nachhaltigere Schulverpflegung eingesetzt werden kann. Unter https://refowas.de/hilfen-zur-schulverpflegung sind alle Ergebnisse sowie Ratgeber, Checkliste und Erklärclips verfügbar.

Schulverpflegung stärken in allen Bereichen

Im Anschluss an die drei Vorträge hatten die über 60 Teilnehmerinnen der sehr gut besuchten Veranstaltung noch Gelegenheit, in zwei Foren zur "Abfallarmen" beziehungsweise zur "Klimagesunden Schulverpflegung" mit den Referenten und Praktikern zu diskutieren und sich auszutauschen.

Dass dabei neben den Fachinhalten auch allgemeine Forderungen laut wurden, fasste Ursula Tenberge-Weber in ihrem Fazit des 5. Dialog Schulverpflegung zusammen: "Wir haben heute viele sehr gute Beispiele gehört. Aber es mangelt immer noch an der Qualität der Ausschreibungen für Essenslieferanten und an geregelten Zuständigkeiten in den Schulen. Das Thema Schulverpflegung muss noch stärker in die Strukturen in den Schulen hinein – und dabei unterstützen Sie die Vernetzungsstellen Schulverpflegung."

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