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Krankhaftes Übergewicht bei Kleinkindern

Das AdiMon-Indikatorsystem des Robert Koch Institut (RKI) liefert erstmals systematische Informationen über Einflussfaktoren, Verbreitung und präventive Maßnahmen bei kindlicher Adipositas.

Zum Thema Ernährung Bewegung Für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Füße einer Erwachsenen und eines Kindes neben einer Personenwaage
Das AdiMon-Projekt des Robert Koch Institut liefert das erste systematische Indikaktorsystem für kindliche Adipositas in den ersten Lebensjahren (0 bis 6 Jahre). Bild: adrian-ilie825/adobe.stock.com

Das Projekt AdiMon ("Bevölkerungsweites Monitoring adipositasrelevanter Einflussfaktoren im Kindesalter") hat die Faktoren ermittelt, die Einfluss auf Adipositas bei 0- bis 6-Jährigen haben. Dabei stellten Wissenschaftler des RKI eine Vielzahl von Indikatoren aus Bereichen wie Verhalten, Verhältnisse und Psychosoziales zusammen. Die Einflussfaktoren auf Adipositas im frühen Kindesalter werden ergänzt durch Informationen über Präventionsmaßnahmen und Statistiken. Das Angebot richtet sich an laut dem RKI an alle relevanten Akteuren, um Handlungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, präventive Strategien und Maßnahmen zu planen und zeitliche Entwicklungen zu verfolgen.

Link

Alle Informationen liefert das Internetportal www.rki.de/adimon

Das Projekt AdiMon-Monitoring des RKI

Die Prävention von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter ist eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen. Sie gehört deshalb auch zu den wichtigsten Zielen von IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung.

Bislang war eine systematische und regelmäßig aktualisierte Zusammenstellung sämtlicher relevanter Faktoren in Deutschland nicht verfügbar. Gefördert durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat das Robert Koch Institut (RKI) mit dem Projekt AdiMon erstmals ein Indikatorsystem für krankhaftes Übergewicht bei Kindern bis 6 Jahren erstellt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Monitoring-Maßnahmen als Grundlage für die Prävention und Gesundheitsförderung.

Verbreitung des Indikatorsystems

Alle gewonnenen Informationen werden zukünftig regelmäßig aktualisiert und sind über die Webseite zu AdiMon jederzeit abrufbar. Die Indikatoren sind nach Themenbereichen wie Verhalten und Verhältnissen sortiert abrufbar. Eine wichtige Einführung liefern Themenblätter beispielsweise zur Energie- und Nahrungsaufnahme, die den Hintergrund, die Datenlage sowie die Ergebnisse und deren Einordnung kompakt erläutern. Diese Themenblätter sowie eine Infobroschüre und ein Flyer sind online als PDF-Dokumente verfügbar. Der AdiMon-Erklärfilm wurde auf YouTube veröffentlicht und auf der Internetseite verlinkt. Methodik und Ergebnisse wurden zudem in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Vorgehensweise, Datenquellen und künftige Entwicklung

Die ermittelten Einflussfaktoren sowie die Verbreitung und Maßnahmen der Prävention/Gesundheitsfaktoren von kindlicher Adipositas basieren auf einem System von 90 Indikatoren, für die mehr als 20 Datenquellen erschlossen wurden. So nutzen die Wissenschaftler beispielsweise Ergebnisse der KIGGS-Studie ("Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland"), der VELS-Studie der Uni Paderborn ("Verzehrsstudie zur Ermittlung der Lebensmittelaufnahme von Säuglingen und Kleinkindern") und der miniKIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Stuttgart zu"„Kleinkindern und Medien".

Bei den biologischen und psychosozialen Einflussfaktoren und den Maßnahmen der Prävention/Gesundheitsförderung sehen die Wissenschaftler des RKI noch Datenlücken, die es durch weiterführende Studien zu schließen gilt. Außerdem regen die Autoren an, die Nutzbarkeit bereits erhobener Daten zu verbessern. So soll es in Zukunft möglich sein, auch diese Aspekte der Adipositas bei kleinen Kindern mit aussagekräftigen Indikatoren zu beschreiben. Laut dem YouTube-Kanal des RKI soll AdiMon bis Ende 2020 zu einem umfassenden Indikatorensystem für das gesamte Kindes- und Jugendalter ausgebaut werden.

Hintergrund

Etwa jedes sechste Kind in Deutschland ist übergewichtig oder adipös. Studien haben laut dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen an der Universität Leipzig gezeigt, dass diese Mädchen und Jungen stark stigmatisiert werden, also Vorurteilen und Ablehnung ausgesetzt sind.

Laut dem IFB bleiben rund 80 Prozent der übergewichtigen Jugendlichen auch als Erwachsene zu schwer. Problematisch ist zudem, dass die Betroffenen bereits im Kindes- und Jugendalter Folgeerkrankungen einer Adipositas entwickeln können. Dazu zählen u.a. Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen sowie Fettleber.

Erklärfilm des RKI zu AdiMon-Indikatorsystem

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