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Lebensmittelkennzeichnung

Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schafft Klarheit beim Einkauf von Lebensmitteln.

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Kunde betrachtet vor einem Supermarktregal ein Etikett
Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) regelt, was auf der Verpackung stehen muss. Verbraucherinnen und Verbraucher können so z.B. auf den ersten Blick erkennen, welche potenziellen Allegene in einem Lebensmittel verarbeitet wurden. Bild: anyaberkut/fotolia

Verpflichtende Angaben auf verpackten Lebensmitteln dienen dem Verbraucherschutz. Sie ermöglichen es dem Käufer, sich aufgrund von Inhaltsstoffen und Eigenschaften bewusst für ein Produkt zu entscheiden. Deshalb legen deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher auf die Lebensmittelkennzeichnung viel Wert. Bei einer Forsa-Umfrage des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gaben sechs von zehn Befragten an, vor einer Kaufentscheidung immer, fast immer oder häufig die Informationen auf den Lebensmittelverpackungen zu lesen. Dies ist ein klares Signal, wie wichtig ihnen Transparenz ist.

Das Recht

Grundsätzlich gelten für die Verarbeitung und Kennzeichnung von Lebensmitteln strenge Gesetze und Verordnungen, ebenso für die Werbung. Kreativ ausgelebte Künstlerfreiheit ist also bei der Gestaltung von Verpackungen oder dem Werbespot nur eingeschränkt möglich. Die Einhaltung der Vorschriften wird von den Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer kontrolliert.

Das Lebensmittelrecht in Deutschland geht größtenteils auf Rechtsvorschriften der Europäischen Union zurück. Es regelt die Behandlung und Produktion von Lebensmitteln und sorgt somit für Klarheit und rechtliche Vorgaben.

Die Lebensmittelkennzeichnungsverordung (LMKV) regelte bisher die Kennzeichnung von Verpackungen, die in Abwesenheit des Konsumenten abgepackt werden. Für mehr Transparenz sorgen seit Mitte Dezember 2014 die neuen Regeln der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Mit der LMIV wurden die Vorschriften verbessert. Beispielsweise sind die Informationen über Allergene auch bei loser Ware und die Pflicht zur deutlichen Kennzeichnung von Lebensmittel-Imitaten als Neuerungen hinzugekommen.

Tipp

Testen Sie Ihr Wissen rund um die Kennzeichnung von Lebensmitteln: Im Internet haben wir für Sie zwei Quizze herausgesucht. Viel Spaß!

Quiz auf spiegel.de

Lebensmitteletiketten im Quiz auf sueddeutsche.de

Diese Angaben müssen auf der Verpackung stehen

  • Bezeichnung des Lebensmittels

    Die Bezeichnung des Lebensmittels, bislang "Verkehrsbezeichnung", verdeutlicht die genaue Art sowie die besonderen Eigenschaften eines Lebensmittels. Für einige Lebensmittel, z.B. Schokolade, gibt es hierzu Vorgaben in speziellen Produktverordnungen. Weitere Bezeichnungen (z.B. Spätzle) für viele Lebensmittel enthält das Deutsche Lebensmittelbuch. Ist die Bezeichnung nicht festgelegt, muss sie beschreibend so formuliert werden, dass unmissverständlich deutlich wird, um welches Lebensmittel es sich handelt.

    Beispielsweise müssen Speiseeissorten, die nicht ausschließlich unter Verwendung von Milchfett hergestellt werden, mit der Bezeichnung "Eis" und nicht "Eiscreme" in Verkehr gebracht werden.

  • Zutatenverzeichnis

    Mit wenigen Ausnahmen sind auf jedem vorverpackten Lebensmittel alle Zutaten anzugeben, die im Lebensmittel enthalten sind. Die Zutaten sind absteigend nach ihrem Gewichtsanteil zum Zeitpunkt ihrer Herstellung aufgelistet. Die Hauptzutat steht somit an erster Stelle, die gewichtsmäßig am wenigsten vorhandene Zutat steht am Ende der Liste. In bestimmten Fällen muss auch der prozentuale Gewichtsanteil einzelner Zutaten angegeben werden, zum Beispiel bei Abbildungen dieser Zutaten auf der Verpackung. Bei zusammengesetzten Zutaten sind die Bestandteile anzugeben (z.B. bei einer Cremefüllung).

  • Füllmenge

    Die Füllmenge gibt Auskunft über die enthaltene Menge des Produkts nach Stückzahl (z.B. bei Obst), Gewicht (Gramm bzw. Kilogramm) oder nach Volumen (Milliliter bzw. Liter). Produkte können dadurch leichter miteinander verglichen werden.

  • Allergene

    Die 14 wichtigsten Stoffe oder Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, z.B. Nüsse oder Soja, müssen im Zutatenverzeichnis aufgeführt werden. Ist kein Zutatenverzeichnis vorgesehen, wird der Bezeichnung des Stoffs oder Erzeugnisses das Wort "Enthält" vorangestellt. Wenn sich die Bezeichnung des Lebensmittels eindeutig auf den betreffenden Stoff oder das betreffende Erzeugnis bezieht, sind diese Angaben nicht erforderlich

    Stoffe und Erzeugnisse, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, müssen im Zutatenverzeichnis hervorgehoben werden, sodass sie sich von den anderen Zutaten eindeutig abheben, z.B. durch die Schriftart, den Schriftstil (z.B. Fettdruck) oder die Hintergrundfarbe.

    Auch bei unverpackter Ware (z.B. an der Bedienungstheke oder im Restaurant) ist eine Information über Allergene verpflichtend. Die Information kann schriftlich, elektronisch oder mündlich erfolgen. Im Falle der mündlichen Information muss eine schriftliche Dokumentation auf Nachfrage leicht erhältlich sein. Diese kann auf Grundlage der von den Verbänden entwickelten Anregungen z.B. als Kladde, Informationsblatt, Rezeptangaben oder Ähnlichem erfolgen - wie schon jetzt bei angabepflichtigen Zutaten. In der Verkaufsstätte muss es darauf einen deutlichen Hinweis geben.

  • Nährwert

    Seit dem 13.12.2016 gilt die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung bei vorverpackten Lebensmitteln. Die Hersteller müssen nun Angaben zum Brennwert (Kalorien) sowie zum Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz jeweils bezogen auf 100 g bei festen und 100 ml bei flüssigen Lebensmitteln machen. Vitamine, Mineralstoffe und andere Nährstoffe müssen angegeben werden, wenn sie auf der Verpackung herausgestellt werden (wie etwa Vitamin C bei Orangensaft). Zusätzlich können freiwillig Angaben zu den Nährwerten in einer Portion erfolgen. Hierbei muss ersichtlich sein, wie groß die jeweilige Portion ist und wie viele Portionen jeweils enthalten sind.

    Die Angaben erleichtern dem Verbraucher, die Energiedichte eines Lebensmittels besser einzuschätzen. Diese gibt den Energiegehalt eines Lebensmittels (in kcal oder kJ) pro Gewichtseinheit (z. B. g oder 100 g) an. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung und zur besseren Gewichtskontrolle rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), eine Ernährung mit Lebensmitteln niedriger Energiedichte anzustreben. Das sind Lebensmittel mit einem Energiegehalt von unter 100-150 kcal/100 g. Lebensmittel mit hoher Energiedichte liefern mehr als 225 kcal/100 g

  • Alkoholgehalt

    Auf alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent (z.B. Wein, Bier, Spirituosen, Fruchtwein und andere Getränke) muss ihr tatsächlicher Alkoholgehalt in Volumenprozent (% vol.)  angegeben sein. Die Größe der Schrift auf dem Etikett richtet sich nach dem Nennvolumen. Je nach Art des alkoholischen Getränks gibt es bestimmte Toleranzen beim tatsächlichen Alkoholgehalt. Wird Alkohol bei abgepackten Lebensmitteln als Zutat verwendet, muss er in der Regel im Zutatenverzeichnis aufgeführt werden.

  • Mindesthaltbarkeitsdatum

    Ein Lebensmittel ist eine gewisse Zeit genießbar, ehe es verdirbt. Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt an, bis zu welchem Zeitpunkt das Lebensmittel garantiert gewisse Eigenschaften aufweist, etwa eine bestimmte Konsistenz und Farbe. Das Mhd gilt nur, wenn das Lebensmittel verschlossen und korrekt gelagert wird, etwa – je nach Produkt – im Kühlschrank oder dunkel und trocken. Doch auch über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus können Sie Lebensmittel meist noch essen. Achten Sie jedoch auf den Geruch, die Konsistenz und den Geschmack. Bei Anzeichen von Schimmel oder Fäulnis gehört das Produkt umgehend in den Mülleimer.

  • Verbrauchsdatum

    Während nach Ablauf des Mindeshaltbarkeitsdatums ein Lebensmittel meist noch einige Zeit bedenkenlos essbar sein kann, gilt beim Verbrauchsdatum eindeutig: nicht mehr essen! Das Verbrauchsdatum tragen leicht verderbliche Waren wie etwa Hackfleisch, Rohmilch oder fertig abgepackter Salat. Frische ist hier Trumpf. Bei falscher und langer Lagerung vermehren sich sonst bedenkliche Keime.

  • Firmenanschrift

    Auf der Verpackung muss immer der Hersteller oder der Vertrieb genannt sein. An diese Adresse können Sie sich wenden, wenn Sie Fragen oder Hinweise zum gekauften Produkt haben.

  • Pflanzliche Herkunft Öle und Fette

    Raffinierte pflanzliche Öle und Fette mussten bislang nur mit ihrem Klassennamen angegeben werden (z.B. Pflanzenöl oder Pflanzenfett). Neu ist, dass ihre botanische, bzw. pflanzliche Herkunft, angegeben werden muss (z.B. "Palmöl" oder "Pflanzenfett (Kokos)"). Wenn sie im Zutatenverzeichnis mit der Bezeichnung "pflanzliche Öle" bzw. "pflanzliche Fette" zusammengefasst werden, muss sich unmittelbar danach eine Liste mit den Angaben der speziellen pflanzlichen Herkunft anschließen (z.B. "Palmöl", "Sojaöl"). Danach kann die Wendung "in veränderlichen Gewichtsanteilen" folgen. Im Falle einer Zusammenfassung werden sie nach dem Gewichtsanteil der Gesamtheit der vorhandenen pflanzlichen Öle und Fette im Zutatenverzeichnis aufgeführt. Der Hinweis auf ein gehärtetes Öl oder Fett muss ggf. mit dem Ausdruck "ganz gehärtet" oder "teilweise gehärtet" versehen sein.

  • Herkunftskennzeichnung

    Bei Lebensmitteln ist generell die Angabe des Ursprungslands oder des Herkunftsorts verpflichtend, falls ohne diese Angabe eine Irreführung der Verbraucher über das tatsächliche Ursprungsland oder den tatsächlichen Herkunftsort des Lebensmittels möglich wäre. Dies gilt insbesondere, wenn die dem Lebensmittel beigefügten Informationen oder das Etikett insgesamt sonst den Eindruck erwecken würden, das Lebensmittel komme aus einem anderen Ursprungsland oder Herkunftsort. Seit April 2015 muss unverarbeitetes und vorverpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch verpflichtend mit dem Aufzuchtort und dem Schlachtort des Tieres gekennzeichnet sein. Bei Fleisch ist der Begriff "Ursprung" bzw. Herkunft Erzeugnissen vorbehalten, die komplett aus einem Land stammen (Geburtsort, Aufzuchtort, Schlachtort).

  • Mindestschriftgröße

    Pflichtangaben müssen mindestens in 1,2 Millimeter großer Schrift - bezogen auf das kleine "x", also den mittleren Buchstabenteil - gedruckt werden. Bei kleinen Verpackungen (größte Oberfläche weniger als 80 Quadratzentimeter) muss die Schrift mindestens 0,9 Millimeter groß sein. Des Weiteren sind wie bisher alle Pflichtangaben an einer gut sichtbaren Stelle deutlich, gut lesbar und gegebenenfalls dauerhaft anzubringen. Sie dürfen in keiner Weise durch andere Angaben oder Bildzeichen oder sonstiges eingefügtes Material verdeckt, undeutlich gemacht oder getrennt werden, und der Blick darf nicht davon abgelenkt werden.

  • Lebensmittel-Imitate

    Bei der Verwendung von Lebensmittel-Imitaten muss der ersatzweise verwendete Stoff in unmittelbarer Nähe des Produktnamens angegeben werden, der in der Regel auf der Produktvorderseite zu finden ist. Die Schriftgröße der Imitatkennzeichnung muss mindestens 75 Prozent der Größe des Produktnamens betragen und darf nicht kleiner als die vorgeschriebene Mindestschriftgröße sein. Die Angabe muss zusätzlich im Zutatenverzeichnis erscheinen.

  • Zusammengefügte Fleisch- und Fischstücke

    Einige Fleisch- oder Fischprodukte sehen zwar aus wie ein gewachsenes Stück Fleisch oder Fisch, bestehen jedoch tatsächlich aus verschiedenen Stücken, die zum Beispiel durch Lebensmittelenzyme zusammengefügt sind. Dies muss zusätzlich durch den Hinweis: "Aus Fleischstücken zusammengefügt" oder "Aus Fischstücken zusammengefügt" gekennzeichnet werden.

  • Einfrierdatum

    Bei eingefrorenem Fleisch, eingefrorenen Fleischzubereitungen und eingefrorenen unverarbeiteten Fischereierzeugnissen muss das Einfrierdatum angegeben werden. Es wird die Angabe "eingefroren am…" aufgedruckt, gefolgt von dem Datum des ersten Einfrierens.

  • Koffeinhaltige Lebensmittel

    Getränke mit einem erhöhten Koffeingehalt müssen einen Hinweis tragen, dass diese nicht für Kinder, Schwangere und Stillende empfohlen sind (Beispiel "Energydrinks"). Für Lebensmittel mit der Bezeichnung "Tee" oder "Kaffee" gilt diese Pflicht nicht. Einen ähnlichen Hinweis für Kinder und Schwangere erhalten Lebensmittel, die keine Getränke sind, denen aber aus physiologischen Gründen Koffein zugesetzt wurde. Auf diesen muss dann auch der Koffeingehalt angegeben sein.

  • Nanokennzeichnung

    Alle Zutaten, die in Form technisch hergestellter Nanomaterialien im Lebensmittel vorhanden sind, müssen im Zutatenverzeichnis eindeutig aufgeführt werden. Auf die Bezeichnung solcher Zutaten muss das in Klammern gesetzte Wort "Nano" folgen.

  • Internet-Handel

    Bei vorverpackten Lebensmitteln, die über das Internet verkauft werden, müssen alle Pflichtangaben mit Ausnahme des Mindesthaltbarkeitsdatums und des Verbrauchsdatums schon vor dem Abschluss des Kaufvertrags verfügbar sein.

    Sie müssen auf der Internetseite erscheinen oder durch andere geeignete Mittel, die vom Lebensmittelunternehmer eindeutig anzugeben sind, bereitgestellt werden. Wird auf andere geeignete Mittel zurückgegriffen, so sind die verpflichtenden Informationen über Lebensmittel bereitzustellen, ohne dass der Lebensmittelunternehmer den Verbrauchern zusätzliche Kosten in Rechnung stellt. Alle verpflichtenden Angaben müssen zum Zeitpunkt der Lieferung verfügbar sein.

Freiwillige Angaben auf Lebensmittelverpackungen

Neben den verpflichtenden Angaben gibt es viele weitere Informationen über Lebensmittel, die die Unternehmen freiwillig bereitstellen. Hier gilt: Die Information muss richtig sein und darf nicht irreführen. Das gilt für Werbeaussagen (z.B. gesundheitsbezogene Angaben), für Hinweise von privaten Prüfinstituten und Label (bzw. Siegel) gleichermaßen.

Zu den "Freiwilligen Angaben" gehören:

  • Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben
  • Die Bezeichnung "Regional"
  • Ohne-Gentechnik-Siegel
  • EU-Bio-Logo und staatliches Bio-Siegel
  • EU-Gütesiegel

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