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WHO-Bericht zu Zivilisationskrankheiten

Ein bis drei US-Dollar pro Kopf und Jahr für Präventionsmaßnahmen könnten weltweit viele Menschen vor einem vermeidbaren, frühzeitigen Tod bewahren. Das schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

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Der WHO-Statusbericht 2014 enthält globale Ziele und Empfehlungen für die Prävention von Zivilisationskrankheiten. Bild: Gina Sanders / fotolia

Jedes Jahr sterben weltweit über 16 Millionen Menschen vor dem 70. Lebensjahr an vermeidbaren Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Atemwegserkrankungen und Krebs. Das entspricht einer Rate von 42 Prozent aller Menschen, die 2012 an nicht übertragbaren Krankheiten ("noncommunicable diseases – NCD") verstorben sind (38 Millionen).

Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation und beruft sich dabei auf ihren "Weltweiten Statusbericht 2014 zu nicht übertragbaren Krankheiten" ("Global Status Report on noncommunicable diseases 2014"). Der Report basiert auf den neuesten Schätzungen an Todesfällen und Risikofaktoren in 194 Ländern.

Besonders dramatisch ist die Lage in Entwicklungs- und Schwellenländern: 82 Prozent der Toten an vermeidbaren, nicht übertragbaren Krankheiten unter 70 Jahren lebten in Ländern mit geringem bzw. mittlerem Einkommen. Die Zahl derer, die dort an den Folgen von Alkohol, Tabak, ungesundem Essen etc. frühzeitig sterben, übersteigt mittlerweile die Zahl der Opfer von Infektionskrankheiten.

Prävention rettet Leben - weltweit

"Die Weltgemeinschaft hat die Chance, die Verbreitung von Zivilisationskrankheiten einzudämmen", sagte die WHO-Generalsekretärin Dr. Margaret Chan bei der Vorstellung des Berichts am 19. Januar 2015 in Genf. "Wenn jedes Land nur ein bis drei US-Dollar pro Kopf und Jahr investiert, könnte es die Erkrankungen und den frühzeitigen Tod an nicht übertragbaren Krankheiten dramatisch senken."

Alle Länder müssten sich nationale Ziele setzen und effektive Maßnahmen ergreifen. Wenn dies nicht geschehe, würden weiterhin Millionen ihr Leben zu früh verlieren.

Globaler Aktionsplan gegen die Folgen ungesunder Lebensweisen

Der WHO Bericht schlägt einen "Globalen Aktionsplan gegen nicht übertragbare Krankheiten für 2013-2020“ (Global action plan for NCDs 2013-2020") vor. Ziel ist ein Viertel weniger Todesfälle an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen bis 2025. Darüber hinaus formulierte die WHO konkrete Ziele zur Reduzierung von Tabakkonsum (30 Prozent relativ) und übermäßigem Alkoholkonsum (10 Prozent relativ zum Zeitpunkt der Schätzung ).

Auch in Bezug auf Ernährung und Bewegung hat die WHO für die Länder der Erde Ziele gesetzt. So soll die Salzaufnahme um 30 Prozent sinken. Darüber hinaus sollen Maßnahmen zu mehr körperlicher Aktivität ergriffen werden. Die WHO formuliert dieses Ziel etwas umständlich mit einer "Relativen Reduzierung von schädlichem Bewegungsmangel um 10 Prozent".

Den Staaten steht es frei, eigene Ziele für die gesündere Lebensführung der Bevölkerung hinzuzufügen. So hat Indien die Luftverschmutzung als einen weiteren Risikofaktor identifiziert. Dies gelte sowohl draußen als auch in den Häusern, wo die Konzentration an Luftschadstoffen durch das Kochen mit offenen Feuern oft sehr hoch sei. Für 2018 plant die UNO Generalversammlung eine Konferenz, bei der die weltweiten Fortschritte beim Erreichen WHO-Ziele für 2025 überprüft werden sollen.

Überblick: Die 9 Ziele der WHO

Hinweis: Alle Prozentwerte beziehen sich auf die Werte zum Zeitpunkt der Schätzung (relative Prozentwerte)

  1. 25 Prozent weniger Todesfälle an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Diabetes und chronischen Atemwegserkrankungen
  2. Mindestens 10 Prozent weniger übermäßige Alkohlkonsum
  3. Reduzierung von schädlichem Bewegungsmangel um 10 Prozent
  4. 30 Prozent weniger Tabakkonsum bei Menschen über 15 Jahren
  5. 30 Prozent weniger Salzaufnahme
  6. Reduzierung zu hoher Blutdruckwerte um 25 Prozent
  7. Steigerung der Diabetes-Erkrankungen stoppen
  8. Zugang zu Medikamenten für mindestens 50 Prozent der Menschen (z.B. Medikamente zu Blutzuckerkontrolle)
  9. In allen privaten und öffentliche Kliniken sollen 80 Prozent der Medikamente für Patienten mit chronischen Krankheiten vorhanden sein.

Empfehlungen und Erfolgsbeispiele

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt in ihrem Bericht eine Reihe von Präventionsmaßnahmen. Dazu zählen unter anderem

  • Verbot von Tabakwerbung
  • Ersatz von Trans-Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren in Lebensmitteln
  • Einschränkung oder Verbot von Werbung für alkoholische Getränke
  • Stillen als Empfehlung
  • Ernährungs- und Bewegungsprogramme für die Bevölkerung

Die Zahl der frühzeitigen Todesfälle an nicht-übertragbaren Krankheiten kann durch Kampagnen gegen Alkohl- und Tabakmissbrauch und Initiativen für gesunde Ernährung und körperliche Aktivität signifikant gesenkt werden. Ermutigende Beispiele dafür nennt der WHO-Report aus Nord- und Südamerika, der Türkei und aus Ungarn.

  • Argentinien, Brasilien, Chile, Kanada, Mexiko und USA: Die Reduzierung des Salzgehalts von abgepackten Lebensmitteln und Brot wird empfohlen. In Argentinien ist der Salzgehalt in Brot bereits um 25 Prozent gesunken.
  • Türkei: Mit Maßnahmen wie dem Verbot von Tabakwerbung, der Abbildung von großen Warnhinweisen auf den Packungen sowie einer Steuererhöhung auf 80 Prozent des Verkaufspreises sank die Zahl der Raucher von 2008 bis 2012 um 13,4 Prozent relativ.
  • Ungarn: Die ungarische Regierung erhebt eine Steuer auf ungesunde Lebensmittel und Getränke mit hohem Zucker-, Salz oder Koffein-Gehalt. Ein Jahr nach der Einführung haben 40 Prozent der Hersteller ihre Rezepturen geändert. Der Verkauf der hoher besteuerten Produkte ging um 27 Prozent zurück.

Einordnung des Nationalen Aktionsplans IN FORM

Bislang zählt die WHO erst in 70 Staaten der Welt Nationale Aktionspläne zur Prävention von Zivilisationskrankheiten, die mit den globalen Zielen bis 2025 konform gehen. IN FORM – Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung gehört dazu.

Mit dem Nationalen Aktionsplan will die Bundesregierung erreichen, dass Kinder gesünder aufwachsen, Erwachsene gesünder leben und dass alle von einer höheren Lebensqualität und einer gesteigerten Leistungsfähigkeit profitieren. Krankheiten, die durch einen ungesunden Lebensstil mit einseitiger Ernährung und Bewegungsmangel mitverursacht werden, sollen deutlich zurückgehen.

Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten in Deutschland nachhaltig zu verbessern. Das bedeutet:

  • Positive Ansätze für gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung werden gebündelt und auf gemeinsame Ziele ausgerichtet. Die Umsetzung wird regelmäßig überprüft.
  • Es werden Strategien und Maßnahmen entwickelt, die das individuelle Verhalten ein-beziehen und die regionale und nationale Ebene berücksichtigen.
  • Es werden Strukturen geschaffen, die es Menschen ermöglichen, einen gesundheitsförderlichen Lebensstil zu führen.
  • Bis zum Jahre 2020 sollen sichtbare Ergebnisse erreicht werden. Es soll erreicht werden, dass sich das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Bevölkerung positiv verändert und ernährungsmitbedingte Krankheiten zurückgehen.

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