Wissen

Nahrungsergänzung

Vitaminpillen und Co. sind meist unnötig, überdosiert können sie sogar schaden. Die Höchstwert-Empfehlungen des BfR bieten Orientierung.

Zum Thema Ernährung Gesundheit Für die Zielgruppe Allgemein

Teller mit Obst und Gemüse und einigen weissen und gelben Pillen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) spricht Höchstmengen-Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel aus. Bild: Michael Tieck/stock.adobe.com

Vitamin C gegen Erkältung, Magnesium bei Wadenkrämpfen und Fischöl-Kapseln fürs Herz – fast ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland schluckt regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel im Glauben, damit der Gesundheit Gutes zu tun. Das hat unter anderem das Max Rubner-Institut ermittelt. Oft unnötig, unter bestimmten Bedingungen sogar gefährlich, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) immer wieder betont. Üblicherweise reicht eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, um den Bedarf an Mikronährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen zu decken.

Wer also viel Gemüse und wenig Fleisch isst, dazu statt Limo lieber Mineralwasser trinkt und dabei auch noch auf ausreichend Bewegung achtet, braucht sich kaum Sorgen zu machen. Zwar ist bei den kritischen Nährstoffen Jod, Vitamin D und Folsäure (bei jungen Frauen zusätzlich Calcium und Eisen) die durchschnittliche Versorgung in Deutschland nicht optimal, aber auch hier kann durch die gezielte Lebensmittelauswahl Abhilfe geschaffen werden.

Nur auf ärztlichen Rat einzelne Nährstoffe ergänzen

Zu den Gruppen, die über ihre Nahrung nicht ausreichend versorgt sind, zählen ältere Menschen, Schwangere, Stillende und Säuglinge. Selbst bei ihnen geht es dabei nur um einzelne Nährstoffe, die gezielt und nach ärztlicher Empfehlung ergänzt werden müssen.

Also kein Grund, unkontrolliert zu (hoch dosierten) Pillen und angereicherten Lebensmitteln zu greifen. Doch dennoch sind es gerade gesundheitsbewusste Erwachsene, die sich von der Werbung für hoch dosierte Aminosäuren, Fettsäuren und Pflanzenextrakte zum Kauf verleiten lassen.

Bislang keine gesetzliche Grundlage für verbindliche Höchstmengen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beschäftigt sich mit dem gesundheitlichen Nutzen und den Risiken durch Nahrungsergänzungsmittel. Es informiert die Verbraucher über Probleme, die mit dem Verzehr solcher Produkte verbunden sein können.

Verbindliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln werden zwar diskutiert, existieren allerdings weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene. Rechtlich gesehen handelt es sich bei Nahrungsergänzungsmitteln um Lebensmittel, d.h. die deutlich strengeren Auflagen für Arzneimittel greifen bei ihnen nicht.

Bundesinstitut für Risikobewertung hat Empfehlungen aktualisiert

Bereits 2004 hat das BfR Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe vorgeschlagen. Diese Empfehlungen wurden an den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst und Anfang 2018 veröffentlicht. "Produkte, die unsere Empfehlungen einhalten und entsprechend den Herstelleranweisungen eingenommen werden, bergen nach derzeitigem Stand des Wissens für Menschen ab 15 Jahren kein gesundheitliches Risiko", betont BfR-Präsident Andreas Hensel.

Empfohlene Höchstmengen für ausgewählte Mikronährstoffe

Die Empfehlungen für die maximale Tagesdosis über Nahrungsergänzungsmittel bieten Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie den Herstellern eine Orientierung. Bei einem Teil der Höchstmengen empfiehlt das BfR zusätzlich verpflichtende Angaben auf den Produkten. Außerdem macht das BfR darauf aufmerksam, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse und zukünftige Marktentwicklungen ggf. Anpassungen der Höchstmengen erforderlich machen. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem Originalbeitrag im Journal of Consumer Protection and Food Safety (s.u. als Quelle).

Vitamin A
Empf. Höchstwert des BfR: 0,2 mg/Tagesdosis (berechnet als Retinol-Äquivalente)
Vitamin A sollte nur von Personen zusätzlich eingenommen werden, die die Ergänzung tatsächlich brauchen. Das Risiko unerwünschter Effekte ist hoch. Insbesondere Schwangere sollten Vitamin A-Präparate nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Vitamin E
Empf. Höchstwert des BfR: 30 mg/Tagesdosis
Die Datenlage ist nicht eindeutig. Es gibt aber Hinweise auf negative gesundheitliche Effekte durch hohe Dosen (mögliche Erhöhung des Schlaganfall-Risikos).

Vitamin K
Empf. Höchstwert des BfR: 80 Mikrogramm/Tagesdosis
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass in der Bevölkerung ein Mangel vorliegt. Menschen, die gerinnungshemmende Mittel (Cumarintyp) einnehmen, sollten vor dem Verzehr von Vitamin-K-haltigen Nahrungsergänzungen ihren Arzt befragen. Das BfR empfiehlt einen entsprechenden Warnhinweis auf Packungen.

Calcium
Empf. Höchstwert des BfR: 500 mg/Tagesdosis
Weil insbesondere junge Frauen (14 bis 18 Jahre) die Zufuhrempfehlung nicht erreichen, schlägt das BfR eine Höchstmenge zum Ausgleich vor. Diese Menge erhöht auch beim Rest der Bevölkerung das Risiko für unerwünschte gesundheitliche Effekte nicht.

Magnesium
Empf. Höchstwert des BfR: 250 mg/Tagesdosis
Vollkornprodukte und viele Gemüsearten sind gute Quellen für Magnesium. Die Ergänzung ist deshalb nicht notwendig. Wer dennoch auf Nahrungsergänzung setzt, sollte die Tagesdosis  auf zwei oder mehr Portionen verteilen, weil Magnesium relative leichte, unerwünschte Nebeneffekte haben kann (leichten Durchfall).

Eisen
Empf. Höchstwert des BfR: 6 mg/Tagesdosis
Achtung: Die zusätzliche Aufnahme von Eisen wird nur für Frauen zwischen 14 und 50 Jahren empfohlen. Insbesondere gesunde erwachsene Männer, Frauen nach der Menopause und Menschen mit erblicher oder sekundärer Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) sind laut BfR Risikogruppen für negative gesundheitliche Wirkungen. Diese sollten – wie übrigens auch Schwangere – Eisenpräparate nur bei einem tatsächlich diagnostizierten Mangel und unter ärztlicher Kontrolle einnehmen.

Praxistipp: die Plattform "Klartext-Nahrungsergänzung" 

Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) betreiben die Verbraucherzentralen die Internetplattform „Klartext-Nahrungsergänzung“. Ziel der Internetseiten ist es, mehr Transparenz zu schaffen, das Risikobewusstsein zu schärfen und die Marktsituation zu verbessern.

Hier finden Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Multiplikatoren Tipps und Informationen rund um Nahrungsergänzungsmittel. Zudem können User im Frage- und Beschwerdeforum ihre Meinung zu konkreten Produkten kundtun. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass sie über problematische Produkte informieren und notfalls rechtliche Schritte einleiten.