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Orientierung auf einen Blick: der Nutri-Score

Seit dem 6. November ist die neue erweiterte Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen in Deutschland offiziell erlaubt. Der Nutri-Score gibt beim Einkauf eine schnelle Orientierung, welche Lebensmittel eher zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen – gleich auf den ersten Blick.

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Frau mit rotem Einkaufskorb greift in eine Tiefkühltruhe in einem Supermarkt
Die Farbscala auf dem Nutri-Score hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern, schnell und einfach innerhalb einer Produktgruppe die günstigere Wahl bezüglich der Nährwerte zu treffen. Bild: Peter Atkins/stock.adobe.com

Ob Fertigpizza, Müsli oder tiefgekühltes Pfannengericht – mit dem Nutri-Score können Sie jetzt die Nährwerte von Lebensmitteln derselben Kategorie auf einen Blick vergleichen. Dies gilt für alle Produkte, die eine Nährwertkennzeichnung aufweisen. Die Kennzeichnung der wichtigsten Nährstoffe als detaillierte Tabelle auf den Verpackungen bleibt nach der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittel-Informationsverordnung - LMIV) Pflicht.

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Farbfelder mit Buchstaben A bis E

Das Informationsangebot des BMEL finden Sie unter www.nutri-score.de

Die zusätzliche farbige Kennzeichnung dient der schnellen Orientierung auf einen Blick. Ziel ist es nicht, das Ernährungsverhalten der Menschen grundsätzlich zu verändern. Er kann aber dazu beitragen, auf einfache Weise eine ernährungsphysiologisch günstigere Auswahl von Lebensmitteln zu treffen.

In den EU-Mitgliedsstaaten Frankreich und Belgien sowie in der Schweiz wird der Nutri-Score bereits verwendet. In Luxemburg, Spanien und den Niederlanden wird die Einführung des Nutri-Score diskutiert.

Farbsystem dient dem schnellen Überblick

Das Farbsystem erinnert an die erweiterten Signalfarben von Verkehrsampeln – grün ist okay, bei rot ist Vorsicht geboten. Der Nutri-Score gibt anhand einer 5-stufigen Farbskala (grün bis rot) und den Buchstaben A bis E Auskunft über den Nährwert eines Lebensmittels. Das grüne A steht für eine eher günstige Nährwertzusammensetzung des Produkts, das rote E für eine ungünstige.

Der Nutri-Score ist allerdings keine Anleitung zur ausgewogenen und gesunden Ernährung oder gesundheitsförderlichen Lebensmittelwahl, sondern erleichtert lediglich die Auswahl von Lebensmitteln der gleichen Produktgruppe im Supermarktregal.

Es geht also nicht darum, die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen bzw. Müslisorten mit Tiefkühlpizzen zu vergleichen, sondern schnell und einfach innerhalb einer Produktgruppe die günstigere Wahl bezüglich der Nährwerte zu treffen.

Der Nutri-Score kommt nach Deutschland

Mit dem Klick auf das Video verlassen Sie die IN FORM Website und gehen auf das Google-Angebot YouTube. Quelle: YouTube-Kanal des BMEL

Nutri-Score ersetzt nicht die Nährwertkennzeichnung auf Verpackungen

Die Nährwertkennzeichnung ist seit Dezember 2016 für alle vorverpackten Lebensmittel EU-weit verpflichtend. Das schreibt die LMIV vor.
Wer beispielsweise wegen eines Bluthochdrucks auf eine geringe Kochsalzzufuhr achten muss, für den reichen die schnellen Infos durch den Nutri-Score meist nicht aus. Diese Personen müssen nach wie vor genau auf die Nährstofftabelle schauen. Sie liefert exakte Informationen über den Energiegehalt sowie die Gehalten an

  • Fett,
  • gesättigten Fettsäuren,
  • Kohlenhydraten,
  • Zucker,
  • Eiweiß,
  • Salz.

So kommt der Wert für den Nutri-Score zustande

Hersteller, die den Nutri-Score als erweiterte Nährstoffkennzeichnung auf ihren Verpackungen nutzen wollen, registrieren sich dazu selbstständig auf dem Onlineportal der französischen Behörde für öffentliche Gesundheit Santé publique France. Im Rahmen dieser Registrierung ist u.a. der Name der Marke(n) anzugeben, auf deren Produkte der Nutri-Score abgebildet werden soll.

Den Nutri-Score für ihre einzelnen Produkte berechnen die Hersteller selbst, nachdem sie die Lebensmittel einer Produktkategorie wie etwa "Kekse", "Fleischerzeugnis" oder "Frische Feinkostartikel" zugeordnet haben. Mit der Registrierung stimmen Unternehmen zu, dass die für den Nutri-Score verantwortliche Markeninhaberin die Einhaltung der Markensatzung prüfen darf.

Wenn sich Unternehmen entschließen, den Nutri-Score zu verwenden, muss dies spätestens nach einer Übergangszeit von zwei Jahren für alle Produkte einer registrierten Marke erfolgen. Umfasst die registrierte Marke 2.000 oder mehr verschiedene Produkte, auf denen das Logo angebracht werden soll, wird diese Frist auf 36 Monate verlängert. Dabei gilt ein Schwellenwert von 80 Prozent der Produkte, auf denen das Logo innerhalb von 24 Monaten anzubringen ist. Das soll verhindern, dass Lebensmittelhersteller "Rosinenpickerei" betreiben und das Label nur auf Lebensmittel mit der Bestnote, dem dunkelgrünen A, drucken.

Grundsätzlich berechnet sich der Nutri-Score aus dem Verhältnis des Energie-Gehalts und eher ungünstiger Nähr- und Inhaltsstoffe wie beispielsweise dem Zucker- oder Salzgehalt und den der Gehalten von eher günstigen Nähr- und Inhaltsstoffen wie z.B. dem Obst- oder Ballastoff-Anteil.

Der Nutri-Score beruht auf einer 3-stufigen Berechnungsformel:

1.    Prüfung des Gehalts an

  • Energie (Kalorien),
  • Zucker,
  • gesättigten Fettsäuren,
  • Salz,

jeweils pro 100 Gramm oder 100 Millilitern. Für jeden Wert gibt es Punkte von 0 bis 10. Die Punktzahl des Energie-Gehalts und der eher ungünstigen Nähr- und Inhaltsstoffe wird addiert.

2.    Prüfung des Gehalts an

  • Ballaststoffen,
  • Eiweiß,
  • Anteilen an Obst, Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten und ausgewählten Ölen.

Für Gehalte an diesen Inhaltsstoffen bzw. Bestandteilen erhalten die Lebensmittel in der Regel jeweils zwischen 0 und 5 Punkten. Die Punkte der günstigen Nähr- und Inhaltsstoffe (Schritt 2) werden von den Punkten der eher ungünstigen aus Schritt 1 abgezogen. Es gilt: Je geringer die Gesamtpunktzahl, umso höher ist die Nährwertqualität des Lebensmittels.

3. Einordnung in den Nutri-Score im allgemeinen Fall

  • -1 und weniger: dunkelgrünes A,
  • 0 bis +2: hellgrünes B,
  • +3 bis +10: gelbes C,
  • +11 bis +18: oranges D,
  • ab + 19: rotes E.

Detaillierte Informationen zur Vergabe der Punktzahlen hat Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf der Internetseite www.nutri-score.de und in weiteren Beiträgen für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen zusammengestellt.. Den Link zum Download finden Sie am Ende dieses Beitrags.

 

Diese Vorteile bietet der Nutri-Score Verbraucherinnen und Verbrauchern

Schnelle und fundierte Entscheidungshilfe

Das Max Rubner-Institut (MRI) hat einige bestehende Modelle nach wissenschaftlichen Kriterien bewertet und dabei festgestellt, dass der Nutri-Score in besonders vielen Punkten gut abschneidet. Für einige Produktgruppen und Bereiche, wie z.B. den verwendeten Referenzwerten für Ballaststoffe bzw. die Bepunktung dieser Nährstoffe bestehen zwar laut MRI noch Optimierungsmöglichkeiten beim zugrundeliegenden Algorithmus. Der klare Vorteil des Modells ist aber, dass das Modell für Verbraucherinnen und Verbraucher schnell zu erfassen ist.

Hohe Verbraucherakzeptanz

In einer groß angelegten Umfrage hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Verbraucherinnen und Verbraucher im Sommer 2019 nach ihrem bevorzugten Label zur erweiterten Nährwertkennzeichnung befragen lassen. Der Nutri-Score war mit 57 Prozent der Stimmen eindeutiger Favorit gegenüber den drei anderen Modellen, die zur Wahl standen.

Mehr Transparenz seitens der Lebensmittelindustrie

Auch wenn die Unternehmen die Berechnung und Zuordnung selbst durchführen, werden sie kontrolliert. Ziel ist es, dass sich möglichst viele dem System anschließen, sodass die Vergleichsmöglichkeiten innerhalb einer Produktgruppe für die Verbraucherinnen und Verbraucher möglichst gut sind.

Möglicher Anreiz für mehr verarbeitete Lebensmittel mit höherer Nährwertqualität

Die ernährungsphysiologisch günstigere Wahl wird durch den Nutri-Score erleichtert. Dies könnte für Unternehmen ein Anreiz sein, ihre Rezepturen so weiterzuentwickeln, dass die Produkte nach der Rezepturänderung eine bessere Nährwertqualität aufweisen und sich damit im Score verbessern, zum Beispiel von C auf B.

 

Fazit: Der Nutri-Score kann die Lebensmittelauswahl im Supermarkt erleichtern

Mit dem Nutri-Score steht ab dem 6. November 2020 ein Instrument zur Verfügung, das Verbraucherinnen und Verbraucher auf den ersten Blick zeigt, wie ein Lebensmittel bezüglich seiner Nährstoffzusammensetzung zu bewerten ist. Auch wenn es keine "gesunden" oder "ungesunden" Lebensmittel gibt, signalisiert die Kennzeichnung im bekannten Farbsystem von Verkehrsampeln, bei welchen Lebensmitteln sie eher zurückhaltend sein sollten und welche vorzugswürdigen Alternativen es ggf. in derselben Produktgruppen gibt.

Zwar halten Kritiker das System des Nuri-Score für zu grob und bemängeln, dass unerwünschte ungesättigte Fette und weniger günstige Zusatzstoffe wie künstliche Süßstoffe und Farbstoffe oder zugesetzte Geschmacksverstärker nicht berücksichtigt werden. Dies kann jedoch nicht das Ziel von erweiterten Nährwertkennzeichnungssystemen sein, hier bedarf es anderer Mittel, Transparenz herzustellen.

Insgesamt unterstützen die erweiterte Nährwertkennzeichnung und das eindeutige Farb-/Buchstabensystem die Aktivitäten des BMEL im Hinblick auf eine bessere und gesundheitsförderliche Ernährung der Menschen. Neben der nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten ist die Einführung des Nutri-Score ein wichtiger Schritt zu mehr Verbraucheraufklärung und Ernährungsbildung. Je weiter das System sich verbreitet und je intensiver es weiterentwickelt wird, desto besser.

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