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Rohmilch: Abkochen schützt vor krankmachenden Keimen

Der Verzehr von Rohmilch ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Darauf weisen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hin.

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Rohmilch
Rohmilch sollte immer vor dem Verzehr abgekocht werden. Möglicherweise enthaltene Keime können schwere Erkrankungen auslösen. Bild: womanue/fotolia

Rohmilch ist ein empfindliches Lebensmittel, das aufgrund seiner Gewinnung unmittelbar vom Tier im Stall nach einem Filtrationsschritt ohne weitere Verarbeitung (Pasteurisierung) mit krankmachenden Bakterien wie zum Beispiel Salmonellen, Campylobacter oder enterohämorragischen Escherichia coli (EHEC) kontaminiert sein kann. Diese Keime können zum Teil schwere Erkrankungen auslösen.

Bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen (Immunschwäche) können Erkrankungen besonders schwer verlaufen. Diese Risikogruppen sollten auch Vorzugsmilch deshalb nur abgekocht verzehren. Rohmilch sollte generell nicht ohne Erhitzen verzehrt werden.

Mehr Ausbrüchen von Erkrankungen durch Campylobacter-Infektionen

Vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Anlagen zunimmt, bei denen Rohmilch über Rohmilchautomaten abgegeben wird, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Risiko für Lebensmittelinfektionen mit dem Bakterium Campylobacter bewertet, das von Milch aus solchen Rohmilchtankstellen ausgehen kann. Es geht dabei auch um die Frage, ob das häufigere Auftreten von Ausbrüchen von Erkrankungen durch Campylobacter-Infektionen (Campylobacter-Enteritis oder Campylobacteriose) mit der Zunahme von Abgabestellen von Rohmilch und insbesondere Rohmilchabgabeautomaten zusammenhängen könnte.

Da es keine gesicherten empirischen Daten gibt, geht das BfR in seiner vorläufigen Bewertung von der Arbeitshypothese aus, dass ein geändertes Verbraucherverhalten mit vermehrtem Konsum von Rohmilch aus den sogenannten Tankstellen dazu führt, dass häufiger Ausbrüche mit Campylobacter zu verzeichnen sind.

Als Kontaminationsquelle für die Rohmilch kommen vor allem fäkale Verunreinigungen beim Melkprozess in Frage. Der Keim kann sich im Gegensatz zu den meisten bekannten Lebensmittel-assoziierten Pathogenen in der Rohmilch nicht vermehren.Allerdings reichen schon wenige Keime aus, um eine Infektion auszulösen. Das BfR rät deshalb Verbraucherinnen und Verbrauchern, unbedingt den an Rohmilchabgabestellen angebrachten Hinweis "Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen" zu befolgen. Auch von der Zubereitung und dem Verzehr von nichterhitzten ("kalten) Kakaogetränken oderanderen Milchmixgetränken (Milchshakes) aus Rohmilch direkt vor Ort oder zu Hause rät das BfR ab.

"Milch ab Hof" muss vor dem Verzehr abgekocht werden

Konsummilch wird in Deutschland vor der Abgabe an Verbraucher grundsätzlich wärmebehandelt. Zoonoseerreger – also Krankheitserreger, die vom Tier auf den Menschen übergehen können – stellen deshalb in dieser Milch üblicherweise keine Gefahr dar. Ein gesundheitliches Risiko geht aber von Rohmilch aus, wenn die Erhitzung ausbleibt, wie bei der Herstellung von Rohmilchkäse und anderen Rohmilchprodukten. Darauf weist auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hin.

Die Ergebnisse des Zoonosen-Monitorings 2019 zeigen, dass Rohmilch potenziell krankmachende Keime enthalten kann. In bis zu 5 Prozent der rund 360 untersuchten Rohmilch-Proben wurden Keime wie Campylobacter spp. und STEC nachgewiesen. Etwa 10 Prozent der Proben enthielten bestimmte multiresistente Bakterien wie ESBL/AmpC-bildende E. coli. Das BVL rät daher, sogenannte "Milch ab Hof" vor dem Verzehr immer konsequent abzukochen, um Krankheitskeime abzutöten.

Die wichtigsten Ergebnisse des Zoonose-Monitorings 2019 bezogen auf verschiedene Erreger finden Sie in der Presseinformation des BVL unter "Quellen".

 

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