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Warum empfindliche Personengruppen auf Rohmilch verzichten sollten

Kleinkinder, ältere und immunsupprimierte Menschen sowie Schwangere sollten auf den Konsum von nicht wärmebehandelter Rohmilch und Rohmilchkäse verzichten.

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K√ľhe, K√§se und Milch auf einer gr√ľnen Weide
Empfindliche Personengruppe wie Schwangere, Kleinkinder, immungeschwächte und ältere Personen sollten wegen der Gefahr gefährlicher Keime nur abgekochte Milch trinken und Rohmilchkäse meiden. Bild: photo-graf/stock.adobe.com

Verbraucher k√∂nnen Milch mittlerweile nicht nur im Supermarkt kaufen. Milchtankstellen oder Milchausgabeautomaten auf dem Hof erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Doch Milch ist nicht gleich Milch. Anl√§sslich des Weltmilchtags am 1. Juni weist das Bundesamt f√ľr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin auf die unterschiedlichen Angebotsformen und die damit verbundene Keimbelastung hin. Da Rohmilch nicht wie Konsummilch einer W√§rmebehandlung unterzogen wird, werden krankheitsausl√∂sende Keime nicht abget√∂tet und k√∂nnen bei empfindlichen Personengruppen schwere Erkrankungen ausl√∂sen.

Als tierisches Lebensmittel kann Milch sogenannte Zoonoseerreger enthalten, die von der Kuh selbst stammen oder √ľber den Melkprozess eingetragen werden. Zoonoseerreger wie Salmonellen, Campylobacter oder Listerien sind Keime, die vom Tier auf den Menschen √ľbertragen werden und bei diesem Erkrankungen ausl√∂sen k√∂nnen. Die Lebensmittel√ľberwachungsbeh√∂rden der Bundesl√§nder kontrollieren daher Milch und Milchprodukte regelm√§√üig auf ihre Keimgehalte. Lebensmittelrechtlich wird bei Milch zwischen Rohmilch, Vorzugsmilch und Konsummilch unterschieden.

Rohmilch

Rohmilch wird nicht √ľber 40 ¬įC erhitzt oder einer √§hnlich wirkenden Behandlung unterzogen, die Bakterien abt√∂tet. Rohmilch darf nur direkt im milcherzeugenden Betrieb, in dem sie gewonnen wurde mit dem gut sichtbaren Hinweis ‚ÄěRohmilch, vor dem Verzehr abkochen‚Äú an Verbraucher abgegeben werden (‚ÄěMilch ab Hof‚Äú).  Milchausgabeautomaten oder Milchtankstellen werden immer beliebter. Daher wurden bei den vom BVL koordinierten Programmen des Zoonosen-Monitorings und des Bundesweiten √úberwachungsplans (B√úp) Proben von Rohmilch auf krankmachende Keime untersucht.

Bis zu 4 % der Proben von  Rohmilch, die zur weiteren Bearbeitung bestimmt war, als auch der Rohmilch aus Milch-ab-Hof-Zapfautomaten waren mit den Krankheitserregern Campylobacter spp., Listeria monocytogenes und shigatoxin-/verotoxinbildenden Escherichia coli (STEC/VTEC) kontaminiert. Die Ergebnisse der Untersuchungen der ‚ÄěMilch ab Hof‚Äú auf Hygieneindikatoren wie Escherichia coli und koagulasepositive Staphylokokken zeigten zudem, dass Rohmilch, die direkt an den Verbraucher abgegeben wird, nicht immer eine zufriedenstellende hygienische Qualit√§t aufweist.

Die Ergebnisse best√§tigen, dass von Rohmilch ein Risiko f√ľr eine Infektion des Menschen mit Krankheitserregern ausgehen kann und Verbraucher Rohmilch deshalb grunds√§tzlich vor dem Verzehr erhitzen sollten. Dem BVL wurden im Jahr 2017 insgesamt 18 Krankheitsausbr√ľche gemeldet, die durch den Verzehr von nicht abgekochter Rohmilch verursacht wurden. Dabei erkrankten 221 Menschen an Campylobacter, weitere infizierten sich durch die verzehrte Rohmilch mit dem EHEC-Krankheitserreger und dem Fr√ľhsommer-Meningoenzephalitis-Erreger (FSME-Virus).

Vorzugsmilch

Abgepackt darf Rohmilch nur als Vorzugsmilch an Verbraucher verkauft werden. Sie darf nur aus bestimmten, zuvor genehmigten und regelm√§√üig kontrollierten Milcherzeugungsbetrieben stammen. An den Tierbestand, den Betrieb sowie die Vorzugsmilch werden besondere rechtliche Anforderungen gestellt. Als besonders leicht verderbliches Lebensmittel ist Vorzugsmilch mit einem Verbrauchsdatum und dem Hinweis ‚ÄěAufbewahren bei h√∂chstens + 8 ¬įC‚Äú zu kennzeichnen. In Proben von Vorzugsmilch wurden in den genannten √úberwachungsprogrammen keine krankmachenden Keime nachgewiesen, so dass die hohen hygienischen Anforderungen die Kontamination der Milch offenbar weitgehend vermeiden.

Rohmilchkäse

Konsummilch wird vor der Abgabe an Verbraucher grunds√§tzlich w√§rmebehandelt (z. B. durch Pasteurisation oder Ultrahocherhitzung), so dass vorhandene Krankheitserreger sicher abget√∂tet werden. Eine gesundheitliche Gefahr kann aber dann von Produkten ausgehen, bei deren Herstellung die Rohmilch nicht erhitzt wird, wie Rohmilchk√§se. Dies zeigen auch  weitere Ergebnisse aus dem Zoonosen-Monitoring. Bis zu 1,6 % der Proben von Rohmilchk√§se wurden positiv f√ľr Salmonella spp., STEC/VTEC und Listeria monocytogenes getestet. In einer Probe von Weichk√§se/halbfestem Schnittk√§se wurden so hohe Keimzahlen von Listeria monocytogenes nachgewiesen, dass sie eine potenzielle Gesundheitsgefahr f√ľr den Menschen darstellten.

Verzehrsempfehlungen

Salmonellen und Campylobacter sind h√§ufig Ausl√∂ser von Magen-Darm-Erkrankungen beim Menschen. Infektionen mit Listeria monocytogenes treten im Vergleich dazu zwar insgesamt seltener auf. Sie k√∂nnen aber schwere Erkrankungen wie Hirnhautentz√ľndungen ausl√∂sen und sogar zum Tode f√ľhren. Die Untersuchungsergebnisse unterstreichen daher die Empfehlung des Bundesinstituts f√ľr Risikobewertung, dass empfindliche Verbrauchergruppen wie Kleinkinder, √§ltere und immunsupprimierte Menschen sowie Schwangere auf den Konsum von nicht w√§rmebehandelter Rohmilch und Rohmilchk√§se verzichten sollten. Diese Empfehlung gilt auch f√ľr den Konsum von Vorzugsmilch, da Vorzugsmilch zum direkten Verzehr bestimmt ist und ein Vorkommen von pathogenen Keimen nicht g√§nzlich ausgeschlossen werden kann.

R√ľckst√§nde und Kontaminanten

Die Beh√∂rden der Bundesl√§nder untersuchen Milch auch auf R√ľckst√§nde von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und Umweltkontaminanten. √úberschreitungen von geltenden H√∂chstgehalten sind dabei die Ausnahme. So wurden 2017 im Rahmen des Nationalen R√ľckstandskontrollplanes lediglich in zwei von 1.510 Proben der zul√§ssige H√∂chstgehalt des entz√ľndungshemmenden Wirkstoffs Diclofenac √ľberschritten. Die √ľbrigen Untersuchungen auf verbotene und nicht zugelassene Stoffe, sonstige Tierarzneimittel und Umweltkontaminanten waren unauff√§llig. Dies traf auch auf die Untersuchungen von Vollmilch und Rohmilch auf Glyphosat zu, die im Rahmen des Monitorings durchgef√ľhrt wurden. Keine der untersuchten Proben wies messbare R√ľckst√§nde dieses Pflanzenschutzmittelwirkstoffs auf. Ebenso waren die Befunde in Bezug auf weitere organische Substanzen wie DDT/DDE, Hexachlorbenzol und Lindan unauff√§llig. Diese Stoffe werden zwar seit Jahren nicht mehr eingesetzt, verbleiben aber in der Umwelt und reichern sich aufgrund ihrer hohen Fettl√∂slichkeit insbesondere in tierischen Lebensmitteln an.

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