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Runter vom Sofa, raus an die Luft!

Die Stiftung Kindergesundheit warnt: Kinder und Jugendliche sitzen zu viel und bewegen sich immer weniger.

Zum Thema Bewegung FĂŒr die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Stiftung Kindergesundheit fordert: Runter-vom-sofa, raus an die Luft!
Ab nach draußen! Die Stiftung Kindergesundheit warnt vor mangelnder Bewegung bei den JĂŒngsten. Bild: © Ljupco Smokovski

„Die Welt unserer Kinder wird mehr und mehr zu einer Sitzwelt“, warnte die Stiftung Kindergesundheit bereits vor zehn Jahren. Leider vergebens: Die TrĂ€gheit der heranwachsenden Generation ist seither noch grĂ¶ĂŸer geworden. Aktuelle Untersuchungen enthĂŒllen einen bestĂŒrzenden Mangel an körperlicher AktivitĂ€t bei Kindern und Jugendlichen, berichtet die Stiftung in einer aktuellen Stellungnahme. Zu einem immer ernsteren gesundheitlichen Problem werde dabei die enorme Zunahme der Zeit, die Kinder und Jugendliche im Sitzen verbringen.

„Es zeigt sich immer eindeutiger, dass lange Sitzzeiten massive Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, betont der MĂŒnchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Ein sitzender Lebensstil hat nachteilige Folgen fĂŒr die HĂ€ufigkeit und Schwere von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes mellitus Typ 2“.

RegelmĂ€ĂŸige Bewegung ist fĂŒr die Entwicklung eines Kindes von fundamentaler Bedeutung. Körperliche AktivitĂ€t ist essentiell fĂŒr Gesundheit und Wohlbefinden. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) allen heranwachsenden MĂ€dchen und Jungen, sich jeden Tag mindestens 60 Minuten lang moderat bis sehr anstrengend körperlich zu bewegen.

Dieser Richtwert wird allerdings in Deutschland nur noch von 22,4 Prozent der MĂ€dchen und 29,4 Prozent der Jungen im Alter von drei bis 17 Jahren erreicht, stellt die Stiftung Kindergesundheit fest. Das ist das Ergebnis der umfassenden „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ KiGGS, deren dritte Erhebungswelle (KiGGS-Welle 2) jetzt ausgewertet wurde.

Vor allem MĂ€dchen kommen kaum ins Schwitzen

Die Basiserhebung fĂŒr diese Studie fand 2003 bis 2006 statt. An Welle 1 nahmen in den Jahren 2009 bis 2012 ĂŒber 12.000 MĂ€dchen und Jungen teil. Die zweite Folgeerhebung erfolgte von 2014 bis 2017. Erneut wurden Untersuchungen und Befragungen der mittlerweile zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen herangewachsenen Teilnehmenden der Basiserhebung durchgefĂŒhrt und eine neue Stichprobe von 0- bis 17-JĂ€hrigen untersucht und befragt.

Die Epidemiologen des Robert-Koch-Instituts stießen dabei auf jede Menge „Sitzenbleiber“: 11,1 Prozent der MĂ€dchen und 7,0 Prozent der Jungen bewegen sich sogar an weniger als zwei Tagen pro Woche jeweils eine Stunde aktiv. Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren bewegen sich am Wenigsten. Dabei ist die Zahl der gering aktiven MĂ€dchen doppelt so hoch wie die der gleichaltrigen Jungen. Besonders auffallend: MĂ€dchen und Jungen aus sozial benachteiligten Familien sind weniger körperlich aktiv als jene aus Familien mit einem mittleren oder hohen Status.

Nach der Schulbank auf die Couch

Um die Sitzgewohnheiten der Kinder zu ermitteln, haben Sportwissenschaftler der UniversitĂ€t Heidelberg 4.385 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 20 Jahren in Deutschland, Luxemburg und Österreich befragt. Sie kamen zum ernĂŒchternden Ergebnis: Kinder und Jugendliche verbringen an Werktagen rund 10,5 Stunden und am Wochenenden 7,5 Stunden sitzend. Im Mittel sind das 9,7 Stunden ohne körperliche AktivitĂ€t. Davon fallen unter der Woche rund 4,8 Stunden auf die Schulstunden. Zu Hause sitzen die Kinder dann noch einmal rund 1,1 Stunden ĂŒber ihren Hausaufgaben. Das bedeutet: 71 Prozent der Zeit, in der Kinder an Werktagen wach sind, sitzen sie.

Auch am Wochenende verbringen sie immer noch 54 Prozent ihrer Wachzeit auf StĂŒhlen, Sesseln, Couch oder Sofa. Fernsehen, Computerspiele, Smartphones und Spielekonsolen - die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen finden im Sitzen statt. Professor Berthold Koletzko: „Der ausufernde Medienkonsum verdrängt aktivere Beschäftigungen. Die Zeit wird knapp fĂŒr die anderen Bereiche des kindlichen Lebens“.

TigerKids sorgen fĂŒr Äktschn

Richtiges Essen und viel Bewegung sind die wichtigsten Bausteine fĂŒr die gesunde Entwicklung von Kindern. Je frĂŒher es gelingt, das Bewegungs- und ErnĂ€hrungsverhalten in die richtigen Bahnen zu lenken, umso grĂ¶ĂŸer sind die Chancen, spĂ€teren Krankheiten und der Entstehung von Übergewicht vorzubeugen. Damit Kinder schon im frĂŒhen Lebensalter an gesunde ErnĂ€hrungsformen und BewegungsaktivitĂ€ten herangefĂŒhrt werden, hat die Stiftung Kindergesundheit gemeinsam mit der Kinderklinik der UniversitĂ€t MĂŒnchen und verschiedenen weiteren Partnern das PrĂ€ventionsprojekt TigerKids zur ErnĂ€hrungs- und Bewegungsintervention fĂŒr Kindertageseinrichtungen entwickelt. Das Programm wurde bereits in ĂŒber 5.500 Kitas praktiziert.

Professor Koletzko: „TigerKids ist ein praktikables Programm fĂŒr mehr Bewegung und gesĂŒndere ErnĂ€hrung in KindergĂ€rten, bei dem auch die Eltern mit einbezogen werden“. Das TigerKids-Projekt dient mittlerweile in acht weiteren EU-LĂ€ndern als Modell fĂŒr die Entwicklung von PrĂ€ventionsmaßnahmen und wurde bereits vielfach ausgezeichnet, so als europĂ€isches Modellprojekt zur Vorbeugung gegen Übergewicht im Weißbuch AdipositasprĂ€vention der EU, mit dem GĂŒtesiegel des „Nationalen Aktionsforum Diabetes mellitus“, als Good Practice Projekt der Initiative „Gesundheitliche Chancengleichheit fĂŒr Alle“ und mit dem „Fit for Future-Award der Cleven Stiftung.

Wie reißt man Kinder vom Stuhl?

„Zuhause sollten die Eltern selbst aktiv werden und in ihrem familiĂ€ren Alltag fĂŒr mehr Bewegung sorgen“, hebt Professor Koletzko hervor. „Als Faustregel fĂŒr die Kinder gilt: TĂ€glich mindestens eine Stunde im Freien toben oder körperlich so aktiv sein, so dass sich das Herz-Kreislaufsystem aktiviert, die Kinder außer Atem kommen und schwitzen“.

Um den Alltag bewegter zu gestalten, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit:

  • Schicken Sie Ihre Kinder nach draußen, wann immer es Ihnen Zeit und Ă€ußere UmstĂ€nde erlauben. Die Kleinen toben an der frischen Luft automatisch mehr. Erkunden Sie gemeinsam mit Ihren Kindern die SpielplĂ€tze Ihrer Umgebung und sehen Sie sich bei schlechtem Wetter auch mal In-door-SpielplĂ€tze an, statt die Kinder vor dem Fernseher "zu parken".
  • In den eigenen vier WĂ€nden können simple sportliche Hilfsmittel wie HĂŒpfpferd, Schwungtuch, RhythmiktĂŒcher, Bogenroller, Rollbrett, Springseil, Balance-Scheiben mit Labyrinth oder Pedalo fĂŒr verstĂ€rkte AktivitĂ€ten sorgen.
  • Selbst kleine Kinder- oder Wohnzimmer können bewegungsfreundlich mit WohnwĂŒrfel, Kriechtunnel, BĂ€llebad (Ballhaus), Trampolin etc. ausgestattet werden, um die Kinder indirekt zur Bewegung aufzufordern.
  • Als kleine und grĂ¶ĂŸere SportgerĂ€te fĂŒr drinnen und draußen eignen sich HĂŒpfgummi, Diabolo, Hamsterrolle, "River Stones" zum Balancieren, HĂŒpfsack usw.
  • Kindergartenkinder können sich mit Hilfe von Laufrad, Fahrrad, Roller oder Bobbycar mit Freude schnell vorwĂ€rts bewegen.

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