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Sportwissenschaftlicher Hochschultag 2017

Mitte September fand an der TU München die Veranstaltung der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) statt. Das Motto: Innovation & Technologie im Sport.

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Blick aus dem Auditorium auf eine erleuchtete Bühne mit einem Vortragenden.
23. Sportwissenschaftlicher Hochschultag der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) 2017. Bild: BLE

Unter dem Leitthema "Innovation & Technologie im Sport" kamen vom 13. bis 15. September 2017 beim 23. Sportwissenschaftlichen Hochschultag der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) führende nationale und internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Technischen Universität München (TUM) zusammen. Rund 550 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten aktuelle Themen der Sportwissenschaft und innovative Forschungsgebiete. 

Ethik und Technologie im Sport

Bereits am Mittwoch wurden drei der sieben Keynotes gehalten. Den Auftakt machte Prof. Dr. Sigmund Loland. Der norwegische Professor für Sportphilosophie und Sportethik skizzierte in seinem Vortrag mit dem Thema "Ethics and Technology in Sport" Strategien, um faire und unfaire Technologien voneinander abzugrenzen - von Haifisch-Schwimmanzügen über GPS-Messungen bis zu Doping. Eine exakte Trennlinie zwischen den verschiedenen "technologischen" Unterstützungen zu ziehen, sei schwierig, so Prof. Loland. "Letztlich geht es darum zu entscheiden, ob Innovationen ethisch vertretbar sind oder nicht." Wichtig für Sportverbände sei daher vor allem, "eine Idee zu entwickeln, was die jeweilige Sportart im Kern ausmacht und welche Herausforderung auf diese in der Zukunft zukommen."

Jugend, Sport, Gesundheit

Als zweiter Hauptredner referierte Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. Der Professor für Public Health and Education an der Hertie School of Governance zählt zu den renommiertesten Demografie-Forschern der Bundesrepublik. Prof. Hurrelmann widmete sich in seinem Vortrag dem Thema "Jugend, Sport, Gesundheit - Innovative Impulse der Generationen Y und Z" insbesondere den beiden jüngsten Generationen hierzulande (Generation Y: 15 - 30 Jahre sowie Generation X: 0 - 14 Jahre). "Jugendliche sind Seismographen für Trends. An ihnen lässt sich ablesen, wie die Gesellschaft ist und sich entwickelt", so Prof. Hurrelmann. 

Speziell für die Sportwissenschaft entwickelte Hurrelmann fünf Empfehlungen, um künftige Herausforderungen zu meistern. "Wir haben in der Gesundheitswissenschaft gesehen, dass die drei Bereiche Ernährung, Bewegung und Entspannung eine Trias bilden, die zusammen betrachtet werden muss", so Hurrelmann. Eine Schlüsselrolle komme dabei der "Bewegung" zu, über die auch die beiden anderen Aspekte modelliert werden sollten. Doch "dürfen die drei Begriffe nicht isoliert betrachtet und analysiert werden." Als Zweites wies Hurrelmann darauf hin, Konzepte zur Förderung der Bewegung im Kontext der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zu entwickeln. Als dritten Aspekt forderte Hurrelmann: "Tragen Sie die wichtige Botschaft, sich mehr zu bewegen, in die tatsächlichen Lebensverhältnisse der jungen Generation, beispielsweise in die Schule". Als vierten Punkt empfahl der Soziologe, die Mediennutzung zu berücksichtigen - denn diese sei ein unumkehrbarer Teil der Lebenswelt dieser Generationen. "Die technikfreie Schule ist nicht die Lösung", so Prof. Hurrelmann. Stattdessen müssten digitale Bewegungsangebote beispielsweise durch Apps von Schulen und Vereinen aufgegriffen werden. Und als Fünftes sollten Umgebungsfaktoren so gestaltet werden, dass diese zu Bewegung animieren

Wie soll Inklusion umgesetzt werden?

In der dritten Keynote des Tages ging Prof. Dr. Heike Tiemann der Frage nach: "Wie soll Inklusion umgesetzt werden?" Die Professorin für Sportdidaktik erinnerte zunächst die 500 Kongressbesucher_innen an die UN-Behindertenrechtskonvention. Hier wird das Recht auf inklusiven Unterricht verbindlich vorgeschrieben. Doch in Deutschland wird diese völkerrechtlich bindende Vorgabe von den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich umgesetzt. Das Spektrum reicht von der Möglichkeit für Eltern, individuell zu entscheiden, ob ihr Kind auf eine Förderschule oder eine Regelschule geht, bis hin zu einer Pflicht, die Förderschule zu besuchen - was nicht im Einklang mit der UN-Konvention stehe, so Tiemann. 

Für die Zukunft wünscht sich Prof. Dr. Tiemann vier Aspekte: "Wir brauchen mehr Sensibilität für die Konstruktion der Kategorien von Behinderung." Gleichzeitig solle hierbei auch der Sprachgebrauch sensibler werden und Konstruktionsmechanismen für inklusiven Sportunterricht müssten identifiziert und weiterentwickelt werden, fordert Tiemann.

Quelle: Fabian Kautz/Technische Universität München

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