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Verbraucherforschung zur klaren Nährwertkennzeichnung gestartet

Bislang fehlt eine klare und eindeutige Nährwertkennzeichnung in Deutschland. Mit Verbraucherbeteiligung soll jetzt die politische Entscheidung erfolgen. Zur Wahl stehen vier Modelle - vom Nutri-Score bis zur Kombi-Lösung.

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Mann steht im Supermarkt und schaut zweifelnd zwei Teepackungen an
In Zukunft wird es in Deutschland eine klare Nährwertkennzeichnung geben, die auf den ersten Blick verständlich ist. Im Juli 2019 startete dazu eine Verbraucherforschung, deren Ergebnis maßgeblich für die politische Entscheidung sein wird. Bild: JackF/adobe.stock.com

Nutri-Score, BLL-Modell, Keyhole® oder MRI-Modell? Ein vereinfachtes, erweitertes Nährwertkennzeichnungs-System auf Lebensmittelverpackungen ist ein zentraler Baustein der ganzheitlich ausgerichteten Politik für eine gesunde Ernährung. Die von der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, angekündigte Verbraucherforschung zum eindeutigen Nährwertkennzeichen ist im Juli 2019 gestartet. Das Ergebnis soll voraussichtlich Ende September 2019 vorliegen und maßgeblich für die politische Entscheidung des Bundesministeriums sein.

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Diese vier Modelle zur erweiterten Nährwertkennzeichnung stehen zur Wahl (PDF, 188 KB, nicht barrierefrei)

Dazu erklärte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner: "Eine klare Nährwertkennzeichnung, die auf den ersten Blick verständlich ist, fehlt in Deutschland bislang. Dazu gibt es europaweit unterschiedliche Systeme, alle mit Vor- und Nachteilen. Am besten wäre ein europaweit einheitliches Kennzeichnungssystem, aber davon sind wir weit entfernt. Ich möchte nicht länger warten und werde jetzt die Grundlage für die Nährwertkennzeichnung der Lebensmittel legen, die in den deutschen Regalen liegen.

Um sicherzustellen, dass das künftige System tatsächlich gute Orientierung bietet, haben wir jetzt – nach einer intensiven Vorbereitungsphase – die Verbraucherforschung gestartet. In den kommenden zwei Monaten werden Konsumenten an verschiedenen Orten in Deutschland unabhängig befragt. Die Befragung führt die INFO GmbH durch, sodass sichergestellt ist, dass die Ergebnisse professionell erfasst werden, repräsentativ sind und wissenschaftlichen Standards entsprechen. Das Ergebnis wird für mich maßgeblich sein. Ich werde dann einen entsprechenden Verordnungsentwurf vorlegen, der dieses Nährwertkennzeichen empfiehlt.

Alle Kennzeichnungssysteme, die wir jetzt in die Befragung geben, wurden zuvor von Experten unseres Max-Rubner-Instituts wissenschaftlich überprüft. In einem gemeinsamen Prozess mit Politik, Wissenschaft und Verbänden sind wir so weit wie noch nie in der Frage einer zusätzlichen, vereinfachten Kennzeichnung gekommen. Deshalb möchte ich zügig die rechtlichen Grundlagen im Herbst schaffen."

Hintergrund

Rechtliche Grundlagen

Verbraucherforschung ist EU-rechtlich die Grundvoraussetzung, um ein System durch den notwendigen Notifizierungsprozess steuern zu können. Das EU-Recht gibt zudem vor, dass ein erweitertes Nährwertkennzeichnungssystem national nicht verpflichtend für Lebensmittelunternehmen sein kann. So wie es zum Beispiel in Frankreich auch nicht der Fall ist.

Die vier Modelle zur Auswahl

Bundesministerin Julia Klöckner hatte gemeinsam mit den Koalitionsfraktionen, dem Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft und der Verbraucherzentrale Bundesverband entschieden, mit vier Modellen in die Umfrage zu gehen:

  • Keyhole®-System
  • Nutri-Score® aus Frankreich
  • ystem der Lebensmittelwirtschaft
  • System des Max-Rubner-Institutes

Die Verbraucherbefragung

Die Befragung wird von einem unabhängigen Markt- und Meinungsforschungsinstitut, der INFO GmbH durchgeführt. Die Teilnehmer der insgesamt zehn Fokusgruppen werden nach festgelegten Kriterien zusammengestellt, wie beispielsweise Alter, Geschlecht, Region, Stadt und Land, höherer bzw. geringerer Bildungs- und Einkommensstatus. Auch ernährungsmitbedingt Erkrankte werden befragt.

In rund zweistündigen moderierten Fokusgruppen werden die Teilnehmer die vier zur Wahl stehenden Modelle hinsichtlich ihrer Wahrnehmung, Verständlichkeit sowie hinsichtlich des Verbraucherverständnisses diskutieren. Aufbauend auf den Ergebnissen der Diskussionen in den Fokusgruppen wird im August und Anfang September 2019 eine quantitative Analyse stattfinden, die für die Bevölkerung in Deutschland repräsentative Ergebnisse erbringen wird. In verschiedenen Interviewformaten werden circa 1.600 Verbraucher befragt.

Methodik und Studiendesign

Meinungsforschungsinstitut: INFO GmbH
Zeitraum: Juli bis September 2019
Repräsentative Befragung: circa 1 600 Personen
Durchmischung von Alter, Geschlecht, Regionen, Stadt und Land
Gruppen mit höherem und geringerem Bildungs- und Einkommensstatus
auch Gruppen mit Teilnehmern, die ernährungsbedingt erkrankt sind

Juli/August: Qualitative Befragung in Gruppendiskussionen (zehn Fokus-gruppen)
August/September: Quantitative Befragung (Online- und face-to-face-Interviews)
Studienziel: Welches Modell bietet Verbrauchern mehr Orientierung im Alltag?

Info GmbH untersucht:

Wahrnehmung verschiedener Systeme

  • Verständlichkeit: Ist ein bestehendes System auch objektiv verständlich, ohne dass das System erklärt werden müsste?
  • Verständnis der Verbraucherinnen und Verbraucher: Verstehen Verbraucher das vorliegende Modell tatsächlich?

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