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Verhältnisprävention: Ideen für Kinder und Jugendliche

Abschlussveranstaltung des Ideenwettbewerbs "Verhältnisprävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen" in Berlin mit vielen guten Beispielen.

Zum Thema Bewegung Gesundheit Für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Jungen und Mädchen laufen über eine Wiese
Das Bundesgesundheitsministerium förderte den Ideenwettbewerb im Rahmen des Förderschwerpunkts Prävention von Kinderübergewicht. Bild: shock/stock.adobe.com

Verhältnisprävention ist der richtige Ansatz, um Übergewicht von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen. Der Ideenwettbewerb "Verhältnisprävention von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen" war dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aufgerufen zur Teilnahme an dem Ideenwettbewerb hatte die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG). Das Bundesgesundheitsministerium förderte den Wettbewerb im Rahmen des Förderschwerpunkts Prävention von Kinderübergewicht.

Insbesondere die Vielfalt der 37 ausgewählten Projekte und Vorhaben – vom Trinkwassersystem über ein Präventionsspiel für Schulklassen bis hin zu wissenschaftlichen Forschungen rund um das Vernetzen von Spielorten und Schulwegen – machte deutlich, dass es zum Erreichen der gemeinsamen Ziele einer Reihe spannender Lösungsansätze gibt.

Viele Praxisbeispiele und ein wissenschaftliches Fundament

Vertreterinnen und Vertreter der Projekte hatten bei der Abschlussveranstaltung im September 2017 Gelegenheit, ihre Ideen zu präsentieren. In jeweils zirka zehn-minütigen Kurzvorträgen konnten sie ihr Vorhaben vorstellen und Fragen dazu zu beantworten. Ein wahrer Marathon an guten Ideen! Die Poster-Ausstellung im Foyer des Deutschen Städtetags in Berlin bot zudem die Möglichkeit für Einzelgespräche und den Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Die Frage der Messbarkeit von Ergebnissen spielt in der Verhältnisprävention bei Ernährungs- und Bewegungsprojekten eine entscheidende Rolle. Professor Jens Bucksch (Päd. Hochschule Heidelberg) und Dr. Freia De Bock (Mannheimer Institut für Public Health) zeigten die Herausforderungen für die Evidenz von Maßnahmen zur Verhältnisprävention von Übergewicht deutlich auf. Bislang ist die Studienlage eher dünn. Aufgrund der hohen Komplexität der Einflussfaktoren sind kausale Zusammenhänge oft nicht zu belegen, da z.B. keine Kontrollgruppen einbezogen werden. Am Beispiel der Gemeinde Michelfeld in Baden-Württemberg zeigten die Wissenschaftler, wie die Evidenz einer Studie etwa durch sogenannte synthetische Kontrollgruppen (in diesem Fall vergleichbare Gemeinden mit ähnlicher Struktur) verbessert werden kann.

In ihrer abschließenden Botschaft an Projektverantwortliche betonten die Wissenschaftler, dass die Grundlagen eines erfolgreichen Vorhabens immer auch ein logisches Modell und die Planung der Evaluation sein müssen. Dabei sollten Ergebnisse immer schriftlich dokumentiert und möglichst zu den Kosten in Relation gesetzt werden.  

Datenbank mit Praxisbeispielen vorgestellt

Ziel des Wettbewerbs war es, Praxisbeispiele zu identifizieren und bundesweit bekannt zu machen. Dabei ging es immer darum, bessere Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Familien, Kindertagesstätten, Schulen, Wohnquartieren, Kommunen oder Freizeiteinrichtungen zu schaffen. Alle ausgewählten Vorhaben sind in der neuen "Praxisdatenbank Verhältnisprävention" dokumentiert.

Der Netzwerk-Gedanke, der auch bei IN FORM eine entscheidende Rolle spielt, stand beim Ideenwettbewerb zur Verhältnisprävention ganz oben. Zum einen bot er die Chance zum fachlichen Austausch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Darüber hinaus besteht die Hoffnung, dass sich weitere Akteurinnen und Akteure ermutigt fühlen, eigene verhältnispräventive Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

IN FORM Unterstützerprojekte unter den Gewinnern

Gesunde Ernährung und viel Bewegung – das sind die beiden Faktoren, die im Laufe des Tages immer wieder zur Sprache kamen. Dies galt sowohl für die Vorträge von Wissenschaftlern als auch in den Good Practice-Beispielen der Wettbewerbsteilnehmer. Kein Wunder also, dass auch IN FORM Unterstützerprojekte etwa in der Stadtteilarbeit oder für mehr Sport im Schulalltag vorgestellt wurden.

An der Veranstaltung nahmen über 70 Vertreterinnen und Vertreter der Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie Fachkräfte aus der Praxis teil. In einem bunten Mix aus Einführungs- und Fachvorträgen, den Posterpräsentationen sowie einer abschließenden Roundtable-Diskussion wurde die besondere Bedeutung des Themas für unser Gesundheitssystem deutlich.