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Wegweiser für die Gesundheit in Unternehmen

Holen Sie sich fachliche Unterstützung für das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Hier die wichtigsten Akteure im Überblick.

Zum Thema Ernährung Bewegung Für die Zielgruppe Berufstätige

Hände halten einen roten Pfeil
Links, Leitfäden und vieles mehr rund um die Betriebliche Gesundheitsförderung, Bild: Robert Kneschke

Bei der Einführung von betrieblicher Gesundheitsförderung kann es sehr hilfreich sein, sich für einzelne Schritte fachliche Unterstützung von außen zu holen. Besonders hilfreich ist eine externe Begleitung und Beratung in der Phase der Vorbereitung und Planung der einzelnen Schritte.

1. Betriebsärztinnen und -ärzte

Über die arbeitsmedizinische Vorsorge hinaus können Betriebsärztinnen und -ärzte bei der Organisation der betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützen und das Unternehmen zur Einführung eines Gesundheitsmanagements motivieren. Gleichzeitig können sie einzelne Maßnahmen anregen und selbst durchführen, z.B. Screening-Aktionen zur Messung von Risikofaktoren.Weitere Informationen finden Sie im unten stehenden Leitfaden sowie auf den Internetseiten des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V.

2. Gesetzliche Krankenversicherungen

Wichtige Ansprechpartner bei der Umsetzung der betrieblichen Prävention sind die gesetzlichen Krankenkassen, denn sie verfügen über das notwendige Fachwissen und können die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen, damit der Schritt zur erfolgreichen Gesundheitsförderung im eigenen Unternehmen gelingt. Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung finden Sie somit einen zentralen Ansprechpartner für die Betriebliche Gesundheitsförderung. Die meisten Krankenkassen bieten unterschiedliche Maßnahmen im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung an:

  • Analyse der Arbeitsunfähigkeitsdaten des Betriebs (unter Berücksichtigung des Datenschutzes)
  • Vorbeugung und Reduktion arbeitsbedingter Belastungen des Bewegungsapparates wie beispielsweise arbeitsplatzbezogene Rückenschulen oder Ergonomieberatungen
  • Gesundheitsgerechte betriebliche Gemeinschaftsverpflegung: Von der Beratung und Tipps zum Verpflegungs- und Getränkeangebot bis hin zur Unterstützung von Aktionstagen in der Kantine
  • Vorbeugung und Reduktion von psychosozialem Stress durch Stressmanagement und gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung
  • Vorbeugung und Abbau von Genuss- und Suchtmittelmissbrauch

Die Krankenkassen beraten wie die Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlich(er) gestaltet werden können. Sie geben Anregungen und Unterstützung bei der Planung und Durchführungen von Maßnahmen, die darauf abzielen, das Verhalten der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verändern.

Aufgrund der langjährigen Erfahrung und fachlichem Know-How können die Krankenkassen im Betrieb eine Reihe wichtiger Aufgaben übernehmen. Vor allem können Sie als Impulsgeber und Initiator tätig werden und bei der Konzeptentwicklung beratend unterstützen. Einige Krankenkassen bieten auch die Moderation von Steuerungsgruppen (z.B. des Arbeitskreis Gesundheit) und eine ganzheitliche Begleitung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements an. So unterstützen sie neben der Durchführung einzelner Bausteine innerhalb eines umfassenden Gesundheitsprogramms auch die Erfolgskontrolle und das interne Marketing für das Gesundheitsprojekt (Information der Belegschaft).

Sprechen Sie die Krankenversicherungen an, bei denen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versichert sind!

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des GKV Spitzenverbandes

3. Unfallversicherer und Berufsgenossenschaften

Empfehlenswert ist auch die Kontaktaufnahme zum Unfallversicherungsträger oder Ihrer Berufsgenossenschaft. Denn das Ziel der berufsgenossenschaftlichen Prävention ist sichere und gesunde Arbeit. Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren sollen verhindert werden. Daher unterstützen Unfallversicherungsträger und Berufsgenossenschaften die Unternehmen durch branchenspezifische Beratung und Angebote bei der Umsetzung von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Betrieb. Sie beraten die Unternehmen unter anderem zu den folgenden Themen:

  • Sicherheits- und gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung: Unterstützung bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
  • Verhaltensprävention: Betriebsanweisungen, Qualifizierungsmaßnahmen, Motivation, persönliche Schutzausrüstung
  • Organisation und Rechtsgrundlagen des Arbeitsschutzes
  • Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
  • Entwicklung von Schwerpunktprogrammen, Kampagnen, Aktionstagen in den Betrieben zu Unfallschwerpunkten der Branche
  • Organisation des Brandschutzes und der Ersten Hilfe im Betrieb
  • Arbeitspsychologie/Notfallpsychologie (ggf. Vermittlung von externen Spezialisten)

Sprechen Sie die für Ihren Betrieb zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallversicherungsträger an! Die Unfallkasse des Bundes hat beispielsweise zur Unterstützung von Unternehmen und Verwaltung einen Leitfaden zur Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements bereit gestellt, siehe unten „Wie mache ich betriebliche Gesundheitsförderung zu einem festen Bestandteil im Unternehmen?”.

4. Rentenversicherung

Seit dem 1. Januar 2004 verlangt der Gesetzgeber von Arbeitgebern ein Betriebliches Eingliederungsmanagement, kurz BEM. Nach § 84 des neunten Sozialgesetzbuch ist der Arbeitgeber verpflichtet, Beschäftigten, die innerhalb von 12 Monaten länger als sechs Wochen (ununterbrochen oder wiederholt) arbeitsunfähig sind, Unterstützung anzubieten. Dazu ist der Arbeitgeber aufgefordert Möglichkeiten, inwieweit bestehende Arbeitsunfähigkeit überwunden, zukünftige Erkrankungen vorgebeugt und der Arbeitsplatz erhalten werden kann, zu prüfen. Leistungen zu Rehabilitation, die der Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit dienen, sollen frühzeitig erkannt und die notwendigen Schritte rechtzeitig eingeleitet werden.

Die Rentenversicherer beraten daher, wie auch die Krankenkassen und Berufsgenossenschaften, zum Thema Betriebliches Eingliederungsmanagement.

5. Sportvereine und -verbände

Sportvereine und -verbände binden sich immer mehr in die betriebliche Gesundheitsförderung ein. Denn keine andere Organisation ist in der Lage, flächendeckend gesundheitsfördernde Programme für Bewegung auf ähnlich hohem Niveau anzubieten. Wenden Sie sich also an Ihren örtlichen Sportverein in der Nähe und erkundigen sich nach dem Angebot. Bei entsprechender Teilnehmerzahl und vorhandenen Räumlichkeiten bzw. Gegebenheiten sind sogar eigene Bewegungs- und teilweise auch Ernährungsprogramme im Betrieb möglich.

Desweiteren bietet der organisierte Sport Übungsleiterausbildungen an, mit denen Beschäftigte selbstständig Angebote durchführen können, z.B. die Basisausbildung zum Übungsleiter-C oder auf der zweiten, darauf aufbauenden Stufe speziell eine Lizenz zur Prävention.

Wenden Sie sich für weitere Informationen an Ihren zuständigen LandesSportBund.

Der Deutsche Turner-Bund hat darüber hinaus ein eigenes Übungsleiter-Zertifikat für die Betriebliche Gesundheitsförderung entwickelt.

Allgemeine Informationen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement finden Sie zudem beim Deutschen Olympischen Sportbund.

6. Betriebssportverbände

Sport verbindet – Wenn sich Kolleginnen und Kollegen regelmäßig zum gemeinsamen Sportreiben verabreden, sei es beim Laufen, Fußball oder anderen sportlichen Aktivitäten kann dies als organisierter Betriebssport im Betriebssportverein angeboten werden. Denn auch der Betriebssport leistet einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheitsförderung der Beschäftigten in Betrieben und ist vor allem auch durch das ehrenamtliche Engagement der Teilnehmenden ein nicht zu unterschätzender Faktor für ein gutes Betriebsklima. Die Vorteile einer Mitgliedschaft als Sportgruppe oder Verein beim Deutschen Betriebssportverband e.V. bzw. dessen Landesbetriebssportverbänden sind ein kostengünstiger Zugang zu kommunalen Sportstätten, zu Aus- und Weiterbildungen rund um den Sport und die Vereinsarbeit sowie zu den staatlichen Fördermöglichkeiten des Sports in den LandesSportBünden des DOSB (Bedingung ist die Gemeinnützigkeit des Vereins).

Ebenso wird ein Versicherungspaket für Vereine in den Landesbetriebssportverbänden angeboten und ist im Regelfall im Beitrag enthalten. Auskunft geben die Geschäftsstelle der Landesbetriebssportverbände und deren Mitgliedsverbände.

Weitere Infos finden Sie auf den Internetseiten des Deutschen Betriebssportverbandes e.V.

7. Kammern

Eine zentrale Aufgabe der Selbstverwaltungs- und Interessensorganisationen, wie zum Beispiel den Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und Berufsverbänden besteht darin ihre Mitglieder zu beraten. Die Berater der Kammern und Verbände beraten primär zu finanzwirtschaftlichen Themen, aber auch zu Gebieten, die zahlreiche Schnittstellen zu den Gesundheitspräventionsthemen aufweisen, wie zum Beispiel zum Personalmanagement oder Aus- und Weiterbildungsfragen. Einige Organisationen widmen sich auch konkret präventionsbezogenen Themen. Zudem haben viele Kammern und Verbände hilfreiche Netzwerke und Kooperationen aufgebaut, um geeignete Informationen und Beratungen zum Thema der Betrieblichen Gesundheitsförderung vermitteln zu können. Lohnenswert ist ein Anruf bei Ihrer Kammer oder Berufsverband also in jedem Fall.

8. Kantinenbetreiber

Große Betriebe verfügen oft über eigene Kantinen oder Restaurants. Binden Sie die Betreiberinnen und Betreiber in ihre Gespräche ein und sorgen sie gemeinsam für ein ausgewogenes Speisenangebot. Qualitätsgesicherte, gesunde Verpflegung gewährleisten die IN FORM Qualitätsstandards zur Betriebsverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Infos dazu finden Sie beim IN FORM Projekt Job&Fit.

9. Forschungseinrichtungen und Fachgesellschaften

Zahlreiche Forschungs- und Beratungseinrichtungen können auf umfassende Kompetenzen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Betrieblichen Gesundheitsförderung verweisen. Es werden verstärkt Forschungsprojekte in diesem Bereich initiiert. Oft generieren diese Forschungsprojekte wertvolle Ergebnisse für die betriebliche Praxis, die Ihnen zur Verfügung gestellt werden können. Oder Sie können mit Ihrem Unternehmen selbst als Praxispartner und Pilotunternehmen an einem Forschungsprojekt teilnehmen und haben so die Chance Ihr Engagement in Sachen Prävention und Gesundheitsförderung wissenschaftlich begleiten und bewerten zu lassen. Informieren Sie sich bei (Fach-)hochschulen und Forschungsinstituten in Ihrer Region über die dort vorhandenen Kompetenzen und Beteiligungsmöglichkeiten.

Dieser Artikel ist Teil folgender Serie:

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Gesundes Essen in der Kantine und tolle Ideen für den Betriebssport – IN FORM liefert Unternehmen Tipps und Beispiele für die Betriebliche Gesundheitsförderung.