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WHO-Studie zu „Fleischverzehr und Krebsrisiko“

Die Ergebnisse einer aktuellen Meta-Studie der Weltgesundheitsorganisation sprechen für einen Zusammenhang. Das stützt die gängige Empfehlung der DGE.

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Fleisch
Rotes Fleisch und bestimmte Wurstsorten erhöhen laut WHO das Krebsrisiko. Bild: monticello/fotolia

Die Nachricht vom Zusammenhang zwischen Fleisch und Krebs ging durch alle Medien: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer – IARC) der Weltgesundheitsorganisation hat in einer Meta-Studie die wissenschaftliche Literatur zum Thema gesichtet und kommt zu folgenden Einschätzungen:

  • Rotes Fleisch vom Rind, Schwein etc. ist „wahrscheinlich krebserregend“ (insbes. Dickdarmkrebs, aber auch Bauchspeicheldrüsen und Prostatakrebs),
  • Verarbeitetes Fleisch wie Gepökeltes oder Räucherfleisch ist „krebserregend“ (Dickdarmkrebs).

Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher? Ist jetzt wirklich Schluss mit Steaks, Schinken und Mettwurst? Die WHO-Wissenschaftler geben in ihrer Erklärung teilweise Entwarnung und betonen, dass diese Ergebnisse vor allem für die öffentliche Gesundheitsvorsorge von Bedeutung sind. „Für den Einzelnen bleibt das Risiko gering, wegen des Verzehrs von verarbeitetem Fleisch Krebs zu entwickeln“, so. Dr. Kurt Straif, Leiter des IACRC-Programms. „Bei steigendem Verzehr wird allerdings auch das Risiko größer.“

Ernährungsempfehlungen zum Fleischkonsum

Verbraucher müssen jetzt nicht generell auf bestimmte Fleischsorten oder Wurstarten verzichten. Es geht den Wissenschaftlern vom IARC vielmehr um das große Ganze. IARC-Direktor Christopher Wild betont, dass die Studienergebnisse die gängige Ernährungsemp-fehlungen zum moderaten Fleisch- und Wurstverzehr stützen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, pro Woche nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurstwaren zu essen und bewertet weißes Fleisch (Geflügel) günstiger als rotes Fleisch (Rind und Schwein). Nach den 10 Regeln der DGE ist Fleisch allerdings als Lieferant hochwertiger Eiweißbestandteile, wichtiger Vitamine wie B1, B6 und B12 und Mineralstoffe wie etwa Eisen trotzdem im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung durchaus empfehlenswert.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung kam bereits im Jahr 2009 zu ähnlichen Ergebnisse wie die nun vorliegende Studie der Weltgesundheitsorganisation. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten Meta-Analysen zum Zusammenhang zwischen dem Verzehr hoher Mengen roten Fleischs und einem erhöhten Risiko für Dickdarmkrebs aus. Die Studien weisen übereinstimmend auf den Zusammenhang hin. Das BfR wies aber seinerzeit auf Probleme bei der Interpretation von Studienergebnissen hin. So unterliegen Beobachtungsstudien häufig einem sogenannten Confounding-Effekt, das heisst, dass Menschen, die viel Fleisch essen, möglicherweise unabhängig davon auch weitere krebserregende Stoffe aufnehmen (Bsp. Rauchen).

Zu der aktuellen Meta-Studie des IARC erklärte Bundesernährungsminister Christian Schmidt: „Niemand muss Angst haben, wenn er mal eine Bratwurst isst! Die Menschen werden zu Unrecht verunsichert, wenn man Fleisch mit Asbest oder Tabak auf eine Stufe stellt. Denken wir zum Beispiel an die Sonne: Sie sorgt für Wohlbefinden, aber eine Überdosierung kann schädlich sein.“

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