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Gesund mit guten Darmbakterien

Die Zusammensetzung und Aktivität des Darmmikrobioms, also der Bakteriengemeinschaft im Darm, spielt offenbar eine große Rolle für die Gesundheit. Forschende untersuchen intensiv, wie Ernährung, Bewegung und Lebensstil die Darmbakterien beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf den Körper hat.

Frau hält sich eine Lupe vor den Bauch
Bild: kei907/stock.adobe.com

Jeder Mensch besitzt eine einzigartige Zusammensetzung des Mikrobioms, vergleichbar mit dem individuellen Fingerabdruck. Der Grund ist, dass viele Lebensstilfaktoren die Bakteriengemeinschaft prägen. Eine niederländische Forschergruppe konnte 126 verschiedene Faktoren identifizieren, wovon 60 mit der Ernährung zusammenhingen. 

Je nachdem wie die Nahrung zusammengesetzt ist, entwickeln sich bestimmte Bakterienarten stärker und andere schwächer, denn jede Bakterienart hat spezielle Vorlieben und Ansprüche.

Das Mikrobiom gehört derzeit zu den dynamischsten Forschungsfeldern der Medizin und Ernährungswissenschaft. Weltweit laufen mehr als 4.600 klinische Studien zu diesem Thema – fast jede fünfte davon untersucht den Zusammenhang mit der Ernährung.

Ergebnisse aus aktuellen Studien

Ernährung, Mikrobiom und individuelle Faktoren wie Darmbarriere oder genetische Voraussetzungen wirken eng zusammen. Verschiedene Studien zeigen, dass Ernährung und Lebensstil Einfluss auf die Darmgesundheit nehmen können. Aktuelle Forschungsergebnisse zu diesen Zusammenhängen wurden unter anderem auf dem 63. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im Jahr 2026 vorgestellt.

  1. Säuglinge und Probiotika: Wenn Säuglingsnahrung mit Bifidobakterien angereichert wird, verändert sich die Zusammensetzung der Darmbakterien. Stillen unterstützt zudem die Übertragung nützlicher Bakterienstämme von Eltern auf das Kind.
  2. Mediterrane Ernährung, Fasten und Bewegung: Eine Kombination aus mediterraner Ernährung, zeitlich begrenztem Essen und intensivem Intervalltraining kann Entzündungen bei Erwachsenen mit metabolischem Syndrom senken. Gleichzeitig zeigen sich leichte Veränderungen im Darmmikrobiom.
  3. Nordische Ernährung und Darmbarriere: Menschen mit höherer Darmdurchlässigkeit profitieren stärker von einer nordischen Diät in Bezug auf Blutzucker- und Insulinwerte. Das zeigt, dass die individuelle Darmgesundheit beeinflusst, wie gut Ernährung wirkt.
  4. Mikroalgen (Chlorella) in der Ernährung: Mikroalgen verändern die Zusammensetzung des Mikrobioms und können Entzündungsmarker im Stuhl beeinflussen. Höhere Mengen scheinen stärkere Effekte zu haben.
  5. Carrageen und Darmkrankheiten: Carrageen (E 407), ein Lebensmittelzusatzstoff, kann Entzündungen und Mikrobiomveränderungen fördern. Für Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen könnte es sinnvoll sein, den Konsum zu reduzieren.
  6. Raffinierte Ernährung und Darmkrebs: Westliche, stark verarbeitete Ernährung kann das Mikrobiom so verändern, dass sie bei genetisch anfälligen Mäusen Darmkrebs fördert. Substanzen wie Schwefelwasserstoff (H₂S) aus bestimmten Bakterien spielen dabei eine Rolle; deren Hemmung kann das Risiko senken.

Der Darm – mehr als nur ein Verdauungsorgan

Die Hauptaufgabe des menschlichen Verdauungstraktes ist die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung. Dies setzt einen intensiven Kontakt zwischen der inneren Körperoberfläche und der Nahrung voraus. Deshalb ist der Verdauungstrakt kein Schlauch, sondern die Oberfläche ist durch fingerartige Erhebungen - ähnlich wie bei einer Bürste - vielfach vergrößert.

Da diese große Oberfläche in direktem Kontakt mit der Außenwelt steht, können über diese "Pforte" leicht krankmachende Mikroorganismen in den Körper gelangen. Um dieses zu vermeiden, besitzt der Darm ein leistungsfähiges Abwehrsystem aus vielen verschiedenen Immunzellen.

Der Darm ist also nicht nur ein Verdauungstrakt, sondern gleichzeitig das größte Immunorgan des Körpers.

Wie Darmbakterien unsere Abwehrkräfte unterstützen

Im Magen-Darm-Trakt leben unzählige Mikroorganismen. Ihre Gesamtzahl ist etwa so hoch wie die Anzahl unserer Körperzellen. Die meisten befinden sich im Dickdarm.

Stuhluntersuchungen haben gezeigt, dass 1.000 bis 1.500 verschiedene Bakterienarten im Darm vorkommen können. Jeder einzelne Mensch beherbergt ein individuelles Muster aus etwa 100-200 verschiedenen Bakterienarten. Einige Bakterienarten wirken sich besonders günstig, andere eher ungünstig auf die Gesundheit aus. Wichtig ist, dass die günstigen Bakterien die Oberhand behalten.

Die Bakterien des Darmmikrobioms unterstützen die Immunabwehr, indem sie mit eindringenden Artgenossen um Nährstoffe und Platz konkurrieren. Zusätzlich bilden die Darmbewohner antibiotisch wirkende Substanzen, womit sie schädliche Eindringlinge abwehren. Außerdem stärken sie die Immunzellen im Darm, sodass diese schädlichen Bakterien schneller bekämpfen können.

Weitere Aufgaben des Darmmikrobioms

Die Mikroorganismen im Darm besitzen ein hohes Leistungsvermögen. Sie verwerten praktisch alle Reststoffe der Nahrung, die die menschlichen Verdauungsorgane nicht nutzen konnten. Da der Darminhalt nicht hermetisch vom restlichen Körper abgeschlossen ist, gelangen biologisch aktive Substanzen der Bakterien über die Schleimhaut in den Blutkreislauf. Dadurch beeinflussen die Darmbewohner nicht nur den Verdauungstrakt und die Immunabwehr im Darm, sondern vermutlich auch die Stoffwechselprozesse des Körpers und sogar die Aktivitäten des Gehirns.

Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Allergien, Übergewicht, Diabetes und Depressionen werden heutzutage mit dem Mikrobiom in Zusammenhang gebracht. Die Rolle des Mikrobioms bei der Entstehung von Erkrankungen ist aber nicht abschließend geklärt. Vielfach ist noch offen, ob die beobachteten Veränderungen Ursache oder Folge der Erkrankungen ist.

Wie sich das Mikrobiom entwickelt

Die Besiedlung des Darms beginnt bereits mit der Geburt. Die Ernährung des Säuglings prägt die weitere Entwicklung des Mikrobioms. Gestillte Säuglinge entwickeln eine sogenannte Bifidusflora, weil die Muttermilch Bestandteile enthält, die von Bifidobakterien als Nahrung genutzt werden können. Bifidobakterien sind Bakterien, die schädliche Darmbakterien fernhalten. Sie säuern das Darmmilieu an und verschlechtern so die Lebensbedingungen für Krankheitserreger, die beispielsweise Durchfall verursachen.

In dieser Lebensphase werden viele Weichen für das spätere Leben gestellt. So prägt das Mikrobiom der ersten Lebenstage zum Beispiel die Entwicklung des Immunsystems und könnte deshalb mit dafür verantwortlich sein, dass sich später Allergien entwickeln.

Ein weiterer wichtiger Einschnitt ist die Einführung der Beikost im Alter von ca. sechs Monaten. In den ersten beiden Lebensjahren unterliegt das Mikrobiom besonders starken Schwankungen. Ab dem 2. Lebensjahr wird sie stabiler. Im Erwachsenenalter ist die Mikrobiota bei konstanten Umweltbedingungen relativ beständig.

Tipps für ein gesundes Darmmikrobiom

Da die Nahrung eine der stärksten Einflussfaktoren ist, lohnt es sich, auf eine bewusste Ernährung zu achten. Viele Studien zeigen, dass eine pflanzenbetonte Ernährung besonders günstig für die Darmbakterien ist.

Drei einfache Empfehlungen:

  1. Genießen Sie reichlich buntes Gemüse, Obst, Kräuter und Gewürze. Die natürlichen Farbstoffe fördern protektive Bakterienarten des Darmmikrobioms.
  2. Essen Sie ballaststoffreiche Lebensmittel, wie Gemüse, Obst und Vollkornprodukte liefern viele Ballaststoffe – das wichtigste „Futter“ für gute Darmbakterien.
  3. Essen Sie jeden Tag Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir, Ayran. Sie liefern gesunde Milchsäurebakterien, die das Darmmikrobiom bereichern

Fazit

Das Darmmikrobiom besteht aus vielen verschiedenen Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilzen. Es spielt eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit und kann bei vielen Krankheiten eine Rolle spielen. Sowohl innere Faktoren wie unsere Gene als auch äußere Faktoren wie Ernährung oder Medikamente (z. B. Antibiotika) beeinflussen, welche Mikroben in unserem Darm leben und wie aktiv sie sind. Ein gesundes Mikrobiom kann unter anderem das Risiko für Stoffwechselerkrankungen, Entzündungen im Darm oder Krebs senken. Außerdem könnte es künftig als Biomarker helfen, Therapien besser zu planen und den Behandlungserfolg vorherzusagen.

Überarbeitet nach einem Beitrag von Dr. Maike Groeneveld, Bonn

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Letzte Änderung dieser Seite am 17.03.2026