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Projekt im Fokus: Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget

Das Projekt "Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget" verfolgt das Ziel, die Ernährungskompetenz zu stärken. In diesem Portrait erhalten Sie fundierte Einblicke in die Entstehungsgeschichte, die Zielsetzung sowie die Herausforderungen, die bei der Umsetzung gemeistert wurden.

Mehrere Menschen stehen um einen Tisch herum, auf dem gekocht wird und unterhalten sich.
Projekttreffen des Verbundprojekts "Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget" im Jahr 2024.
Bild: Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget

Mit kleinen Veränderungen kann eine selbstbestimmte, nachhaltige und gesunde Ernährung auch mit wenig Geld gelingen.

Silvia Monettio, Projektleiterin Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget

Projektname

Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget - Ernährungsarmut gemeinsam begegnen

Art des Projekts

Gefördertes Projekt

Inhalt des Projekts

Das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) geförderte Projekt ist ein Verbundprojekt der Europa-Universität Flensburg mit den Verbraucherzentralen (VZ) der Bundesländer. Im Fokus steht die Stärkung der Ernährungskompetenz von Menschen, die von Ernährungsarmut bedroht oder betroffen sind.

1. Was war die Idee hinter dem Projekt – wie ist es entstanden?

Monetti: Ernährungsarmut, also eine qualitativ oder quantitativ unzureichende Ernährung, ist für Millionen Menschen in Deutschland bittere Realität. Sie kann verschiedene Ursachen haben: Einerseits kann der Zugang zu ernährungsphysiologisch günstigen und nachhaltigen Lebensmitteln unzureichend sein, andererseits können Ernährungskompetenzen fehlen. Häufig verstärken sich diese Faktoren gegenseitig, so dass Ernährungsarmut gesundheitliche und soziale Folgen haben kann. Um wirksam dagegen vorzugehen, sind Maßnahmen auf der Verhältnis- und Verhaltensebene erforderlich. 

Das IN FORM-Projekt setzt hier durch Expertise im Verbund an: Die Verbraucherzentralen aller 16 Bundesländer mit ihrer langjährigen Erfahrung aus der Beratungs- und Bildungsarbeit im Bereich Ernährung sowie aus der aufsuchenden Verbraucherarbeit; und die Europa-Universität Flensburg (EUF) mit ihrem wissenschaftlichen Knowhow und den Erkenntnissen aus dem Vorgängerprojekt „KlimaFood“, in dem partizipative Ernährungsbildungsansätze für vulnerable Zielgruppen entwickelt und erprobt wurden.

2. Wen möchten Sie mit dem Projekt erreichen – und auf welche Weise?

Monetti: Unsere Angebote richten sich primär an Menschen mit geringem Einkommen beziehungsweise geringer Literalität und geringen Ernährungskompetenzen. Dabei nutzen wir nicht nur aufsuchende Ansätze (Geh-Struktur) als auch die Integration in bestehende Settings wie Sprachcafés, Quartiertreffs oder Familienbildungsstätten (Komm-Struktur). Ergänzt wird dies durch einen Train-the-Trainer-Ansatz, der Multiplikatoren und Multiplikatorinnen in den Lebenswelten befähigt, Angebote eigenständig weiterzuführen. Alle unsere Angebote – Qualifizierungsangebote sowie digitale Austauchformate für Multiplikatoren und Multiplikatorinnen sowie Trainer und Trainerinnen, Informations- und Bildungsveranstaltungen für Verbraucher und Verbraucherinnen, Begleitmaterialien – stehen kostenlos zur Verfügung.

3. Was möchten Sie mit dem Projekt bewirken?

Monetti: Unser Ziel ist es, Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status dabei zu unterstützen, ihren Ernährungsalltag mit kleinen Änderungen gesünder, nachhaltiger, günstiger und selbstbestimmter zu gestalten. Wir unterstützen sie dabei, Schritt für Schritt ihre Ernährungskompetenz aufzubauen. Gemeinsame Kochaktionen, Einkauftrainings und interaktive Workshops schaffen dabei mehr als Ernährungswissen – sie fördern Selbstwirksamkeit, Austausch, stärken soziale Netzwerke und wirken so auch Einsamkeit entgegen. Gerade für ältere Menschen oder Menschen in sozialer Isolation ist das ein wichtiger Gesundheitsfaktor. Darüber hinaus möchten wir durch Organisationsentwicklung in Modelleinrichtungen, die strukturelle Rahmenbedingungen beispielhaft in den Blick nimmt, und öffentlichkeitswirksame Marktchecks eine breite Wirkung erzielen.

4. Was ist bisher besonders gut gelungen oder hat Sie überrascht?

Monetti: Ernährung ist ein alltägliches Thema, das viele Menschen interessiert und bewegt. Wir waren jedoch von der großen Resonanz überrascht. Mit so vielen Anfragen in den Bundesländern hatten wir nicht gerechnet. Doch Lebensmittel sind heute im Durchschnitt über 35 Prozent teurer als noch 2020, weshalb das Thema Bezahlbarkeit der Ernährung nach wie vor sehr viele Menschen beschäftigt. Der Bedarf an Informationen und praktischen Tipps für den Alltag ist sehr groß. 

Die mobilen Küchen funktionieren überraschend gut als Türöffner, auch bei Menschen mit Sprachbarrieren. Das Mitmach-Kochangebot überbrückt Hemmschwellen, wo Worte allein nicht reichen. Und wir sehen auch, wie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen durch die Schulungen an Sicherheit gewinnen und das Thema Ernährungsarmut aktiv in ihre Arbeit integrieren.

5. Was nehmen Sie bisher aus dem Projekt mit? Gibt es etwas, das Sie besonders bewegt hat?

Monetti: Der Kontakt mit den Menschen, die wir erreichen, ist immer wieder überraschend. Unsere Zielgruppe ist sehr heterogen, weshalb der Umgang mit dem Thema Ernährung entsprechend unterschiedlich ist. Selbst innerhalb derselben Gruppe kann die Spanne zwischen viel und wenig Vorwissen sehr breit sein. Das Interesse am Thema ist jedoch immer groß – und auch Menschen mit Vorkenntnissen nehmen am Ende eines Workshops immer etwas mit. 

Das zeigt: Ernährungsbildung wirkt – wenn sie die Menschen dort abholt, wo sie stehen. Das Projekt hat uns noch einmal bestätigt, dass Beziehung und Vertrauen die Grundlage jedes Lernens sind. Das gilt umso mehr mit Blick auf die soziale Dimension der Ernährungsarmut: Viele Teilnehmende kommen wegen der Ernährungsthemen – und bleiben wegen der Gemeinschaft. Das gemeinsame Kochen, Probieren und Reden schafft Verbindungen, die weit über die Workshops hinausgehen können.

6. Welche Tipps haben Sie für ähnliche Projekte/Vorhaben?

Monetti: Deutschland ist geprägt von der Vielfalt seiner Regionen. Für ähnliche Projekte kann daher eine bundesweite Ausrichtung hilfreich sein, um unterschiedliche Bedarfe und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig lohnt es sich, auf bestehende Strukturen aufzubauen, statt neue zu schaffen: Kooperationen mit Einrichtungen wie Volkshochschulen, Sozialverbänden, sozialen Trägern oder den Tafeln erleichtern den Zugang zur Zielgruppe und schaffen Vertrauen. Wichtig ist außerdem, Zielgruppen von Anfang an partizipativ einzubeziehen und Angebote niedrigschwellig zu gestalten – sprachlich wie räumlich. Train-the-Trainer-Ansätze können die langfristige Weitergabe von Inhalten unterstützen.

Bereichernd ist zudem ein interdisziplinäres Projektteam. Kollegen und Kolleginnen aus der Ökotrophologie, der Sozialen Arbeit oder der Kommunikationswissenschaft bringen unterschiedliche Perspektiven ein und setzen neue Impulse. Die enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis ist zudem sehr wertvoll: Die begleitende Forschung der Europa-Universität Flensburg hilft uns, Maßnahmen kontinuierlich weiterzuentwickeln und Good Practices zu identifizieren.

Die Fragen beantwortete Silvia Monetti, Projektleiterin des Verbundprojekts “Gesund und nachhaltig essen mit kleinem Budget”.

Mehr zu dem Projekt finden Sie in der IN FORM Projektdatenbank.

Letzte Änderung dieser Seite am 07.05.2026