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Projekt im Fokus: Modellvorhaben zur familienorientierten Ernährungs- und Gesundheitsaufklärung in Kinder- und Familienzentren

Das Projekt "KiFaZ-Acker" verfolgt das Ziel, die Ernährungsaufklärung in Kinder- und Familienzentren zu fördern. In diesem Portrait erhalten Sie fundierte Einblicke in die Entstehungsgeschichte, die Zielsetzung sowie die Herausforderungen, die bei der Umsetzung gemeistert wurden.

Fünf Kinder befinden sich auf einem Acker. Ein Kind erntet Kartoffeln.
Kristian Barthen/Acker e.V.

Wir erleben, dass Kinder Neues probieren - auch Gemüse, das sie vorher gemieden haben. Die teilnehmenden Familien kochen neue und gesunde Rezepte und wir sehen, wie gerne die Kinder auf dem Acker mithelfen und dort bereits eigenständig Aufgaben übernehmen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein und lässt ein echtes Zugehörigkeitsgefühl in der Gruppe entstehen. Wir merken, wie sehr die gemeinsame Ackerzeit die Beziehung innerhalb der Familien stärkt.

KiFaZ-Mitarbeitende

Projektname

Modellvorhaben zur familienorientierten Ernährungs- und Gesundheitsaufklärung in Kinder- und Familienzentren (KiFaZ-Acker)

Art des Projekts

Gefördertes Projekt

Inhalt des Projekts

Das Projekt "KiFaZ-Acker" fördert die Ernährungsaufklärung in Kinder- und Familienzentren, besonders in strukturell und wirtschaftlich benachteiligten Stadtteilen. Ziel ist es, pädagogische Fachkräfte, Eltern und Kinder für gesunde Ernährung zu begeistern und Kompetenzen zu vermitteln.

1. Was war die Idee hinter dem Projekt – wie ist es entstanden?

Fenja Carter, Projektleiterin

2. Wen möchten Sie mit dem Projekt erreichen – und auf welche Weise?

Carter: Das Projekt „KiFaZ-Acker“ richtet sich an die ganze Familie: Kinder, Eltern, Großeltern oder weitere Bezugspersonen. Besonders wichtig ist es uns, auch Familien zu erreichen, die „klassische“ Bildungsangebote bislang eher selten nutzen. Vor diesem Hintergrund haben wir die Kinder- und Familienzentren als Zugang ausgewählt. Die Einbindung der Eltern und Familien erfolgt niedrigschwellig über das gemeinsame praktische Tun auf dem Gemüseacker: Säen, umgraben, gießen, Unkraut jäten, den Acker pflegen, ernten und kochen. Durch die gemeinsamen Aktivitäten kommen die Familien miteinander in Kontakt und können darüber hinaus an den ergänzenden Angeboten teilnehmen. Der Gemüseacker wirkt dabei als Türöffner – ohne Leistungsdruck, aber mit hoher Beteiligung von Groß und Klein. So entstehen Begegnung, Austausch und Lernen im Bereich der Ernährungsbildung ganz selbstverständlich und niedrigschwellig im Alltag.

3. Was möchten Sie mit dem Projekt bewirken?

Carter: Das übergeordnete Ziel von „KiFaZ-Acker“ ist die Entwicklung eines wirkungsvollen, niedrigschwelligen und skalierfähigen Angebots zur Ernährungsaufklärung in Kinder- und Familienzentren. Konkret möchten wir die Gesundheits- und Ernährungskompetenz von Kindern und Familien stärken – erfahrungsbasiert und praxisnah auf dem Gemüseacker. Kinder erleben Selbstwirksamkeit, wenn sie sehen, wie aus einem Samenkorn Gemüse wächst, das sie anschließend selbst zubereiten und essen können. Die beteiligten Familien entwickeln ein stärkeres Bewusstsein für eine gesundheitsförderliche und saisonale Ernährung, Wertschätzung von Lebensmitteln und Nachhaltigkeit.

Gleichzeitig fördert das Projekt die Gemeinschaft und Teilhabe von Familien und Kindern – unabhängig von Herkunft oder sozioökonomischen Hintergrund. Langfristig soll der Gemüseacker als grüner Lernort strukturell an den Familienzentren verankert werden, sodass er dauerhaft für die Ernährungsbildung von Kindern und ihren Familien genutzt werden kann.

4. Was ist bisher besonders gut gelungen oder hat Sie überrascht?

Carter: Im ersten Umsetzungsjahr 2025 hat uns besonders beeindruckt, wie schnell sich der Gemüseacker zu einem Treffpunkt an den Familienzentren entwickelt hat. Familien, die sich vorher kaum kannten, sind über die gemeinsamen Ackertätigkeiten miteinander ins Gespräch gekommen. Kinder haben Gemüse probiert, das sie zuvor abgelehnt hatten – weil sie es nun selbst angebaut und beim Wachsen begleitet haben. Es freut uns sehr, dass durch das Projekt die Verbindung von Naturerfahrung, Ernährungsbildung und Beziehungsarbeit so konkret sichtbar wurde: Der Gemüseacker wirkt nicht nur auf das Ernährungsverhalten der Kinder, sondern stärkt auch das Miteinander an den Familienzentren. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns sehr auf die nächste Ackersaison im Jahr 2026 und sind gespannt, wie der Gemüseacker an den Familienzentren in diesem Jahr wirken wird.

5. Was nehmen Sie bisher aus dem Projekt mit? Gibt es etwas, das Sie besonders bewegt hat?

Carter: Im Rahmen der Umsetzung wurde deutlich, wie stark praktische Erfahrungen im Vergleich zu rein theoretischem Lernen wirken. Wenn ein Kind, welches an dem Projekt teilnimmt, stolz sagt: „Das habe ich selbst großgezogen“, wird deutlich, wie Selbstwirksamkeit bei Kindern entsteht. Bewegend ist auch, wie generationsübergreifend Wissen geteilt wird: Großeltern geben ihre Gartenerfahrung im Gemüseanbau weiter, Eltern entdecken gemeinsam mit ihren Kindern Neues. Der Acker schafft nachhaltige und interdisziplinäre Lernmomente für verschiedene Generationen, die weit über die Vermittlung von Ernährungswissen hinausgehen.

6. Welche Tipps haben Sie für ähnliche Projekte/Vorhaben?

Carter: Im ersten Umsetzungsjahr wurde deutlich, dass die Lernorte zur Umsetzung des Projektes eine fachliche Begleitung und Inspiration benötigen – es gleichzeitig kein standardisiertes Konzept gibt, das zu allen Einrichtungen gleichermaßen passt. Entscheidend ist, dass das Team im Familienzentrum gemeinsam mit den Familien klärt: Was brauchen wir hier konkret? Was möchten wir umsetzen? Was passt zu uns? In einem Familienzentrum entsteht Begegnung und Gemeinschaft beispielsweise vor allem beim spontanen gemeinsamen Kochen. In einer anderen Einrichtung übernehmen die Eltern sogenannte Beetpatenschaften und identifizieren sich so mit „ihrem Paulina-Palmkohl-Beet“. An wieder anderen Standorten sind persönliche Einladungen und eine enge Begleitung besonders wichtig, um verschiedene Gruppen einzubinden. Erfolgreich ist das Projekt dort, wo es an die jeweiligen Familien und den Sozialraum angepasst wird. Und wenn wir merken, dass das gelingt und die Familienzentren das Projekt in ihrem Alltag lebendig umsetzen und leben, freut uns das besonders.

Die Fragen beantwortete Fenja Carter, Projektleitung und Konzeption "Familieneinbindung ins Ackern".

Mehr zu dem Projekt finden Sie in der IN FORM Projektdatenbank.

Letzte Änderung dieser Seite am 07.05.2026