Hier beginnt der Hauptinhalt dieser Seite

Bewegung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Status quo und Herausforderungen

Bewegung ist ein zentraler Bestandteil einer gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass viele junge Menschen in Deutschland die empfohlenen Bewegungsumfänge nicht erreichen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie verbreitet Bewegungsmangel ist und welche Muster sich über Altersgruppen hinweg zeigen.

Lachender Junge auf einem Fahrrad im Wald.
Bild: pahis/stock.adobe.com

Warum Bewegung wichtig ist

Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt die motorische, körperliche und psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System, Muskeln und Knochen, fördert Konzentrationsfähigkeit und Wohlbefinden und kann zur Prävention von Übergewicht beitragen. Bewegung wirkt zudem stressregulierend und unterstützt soziale Lernprozesse.

Internationale Empfehlungen raten Kindern und Jugendlichen zu täglich mindestens 60 Minuten Bewegung mit moderater bis hoher Intensität. 
 

Wie aktiv sind Kinder und Jugendliche in Deutschland?

Die Studienlage zeigt übereinstimmend: Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen in Deutschland bewegt sich zu wenig. 

Repräsentative Erhebungen – darunter die Health Behaviour in School-aged Children-Studie (HBSC) – belegen, dass nur ein vergleichsweise kleiner Teil der 11- bis 17-Jährigen die Bewegungsempfehlungen erfüllt. Dabei zeigen sich klare Muster: Jungen sind insgesamt aktiver als Mädchen und mit zunehmendem Alter nimmt das Bewegungsniveau deutlich ab. Besonders im Jugendalter ist ein ausgeprägter Rückgang regelmäßiger körperlicher Aktivität zu beobachten.

Die Motorik-Modul-Studie (MoMo) ergänzt diese Befunde und zeigt, dass Bewegung im Kindesalter häufiger regelmäßig über mehrere Tage pro Woche erfolgt. Im Jugendalter verlagert sich körperliche Aktivität zunehmend auf einzelne Zeitfenster, etwa auf den organisierten Sport, während Alltagsbewegung und ungeplante Bewegung im Alltag (z. B. freies Spielen oder Toben) abnehmen.

Parallel zur sinkenden Aktivität steigen die Sitzzeiten deutlich an. Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil ihres Tages im Sitzen, insbesondere an Schultagen. Schule, Hausaufgaben und Mediennutzung prägen einen bewegungsarmen Alltag. Studien zeigen zudem, dass hohes Sitzverhalten häufig mit geringer körperlicher Aktivität einhergeht.

Auch im internationalen Vergleich besteht Handlungsbedarf. Nach Einschätzung der World Health Organization (WHO) liegt Deutschland bei der körperlichen Aktivität von Jugendlichen unter den angestrebten Zielwerten.
 

Zentrale Kennzahlen zum Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen

Vorschulalter (ca. 3-6 Jahre)

Studien: RKI, Adipositas-Monitoring (AdiMon)

Ergebnis: Die Mehrheit der Kinder im Vorschulalter bewegt sich täglich, vor allem im freien Spiel (>80% täglich aktiv); die Empfehlungen von 60 Minuten Bewegung wird deutlich häufiger erreicht als bei älteren Kindern.

Grundschulalter (ca. 6-10 Jahre)

Studie: MoMo

Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Grundschulkinder erreicht die Bewegungsempfehlung an den meisten Tagen (ca. 40-50%), mit dem Schuleintritt beginnt jedoch ein Rückgang der täglichen Bewegung.

Jugendalter (11-17 Jahre)

Studie: HBSC

Ergebnis: Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen erreicht täglich 60 Minuten Bewegung (ca. 15%); deutlicher Rückgang mit zunehmendem Alter.

Geschlechtsunterschiede

Studie: HBSC

Ergebnis: Jungen sind häufiger ausrechend aktiv (ca. 18-20%) als Mädchen (ca. 8-12%).

Regelmäßigkeit von Bewegung

Studie: MoMo

Ergebnis: Viele Jugendliche bewegen sich nur an wenigen Tagen pro Woche ausreichend (<3 Tage/Woche).

Sitzzeiten

Studien: MoMo, HBSC

Ergebnisse: Kinder und Jugendliche verbringen einen großen Teil des Tages im Sitzen (7 bis > 9 Std./Tag); Sitzzeiten nehmen mit dem Alter deutlich zu.

Sportverein

Studien: MoMo, AdiMon

Ergebnis: Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ist im Sportverein aktiv (rund 60%), deutlicher Rückgang im Jugendalter (> 20%).

Aktiver Schulweg

Studien: RKI, MoMo

Ergebnis: Aktive Wege sind im Grundschulalter verbreitet (ca. 40-50%), werden im Jugendalter deutlich seltener genutzt.

Bewegung im Kontext von Alltag und Lebenswelten

Die Studien zeigen, dass Bewegungsverhalten nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern eng mit den jeweiligen Lebensbedingungen verknüpft ist. In der frühen Kindheit findet Bewegung überwiegend spielerisch statt, während im Schul- und Jugendalter strukturierte Tagesabläufe und zunehmende Sitzzeiten eine größere Rolle spielen.

Organisierte Bewegungsangebote, etwa im Sportverein oder im schulischen Kontext, können wichtige Bewegungsimpulse setzen, erreichen jedoch nicht alle Kinder und Jugendlichen gleichermaßen. Gleichzeitig bieten Alltagswege und freies Spiel weiterhin Potenzial für zusätzliche Bewegung, das mit zunehmendem Alter seltener genutzt wird. 
 

Einflussfaktoren und Barrieren

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Bewegungsverhalten stark vom sozialen und räumlichen Umfeld beeinflusst wird. Soziale Ungleichheiten, hohe Bildschirmzeiten, fehlende Bewegungsräume und infrastrukturelle Bedingungen können Bewegung im Alltag erschweren. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass niedrigschwellige Bewegungsanlässe einen wichtigen Beitrag zur körperlichen Aktivität leisten können. 

Fazit

Die Studienergebnisse machen deutlich, dass Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland weit verbreitet ist und sich über verschiedene Altersstufen hinweg verfestigt. Besonders der Übergang ins Jugendalter geht mit einem deutlichen Rückgang körperlicher Aktivität einher. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Bewegungsverhalten stark durch Alltag, soziale Rahmenbedingungen und vorhandene Bewegungsgelegenheiten geprägt wird.

Eine wirksame Bewegungsförderung sollte daher auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, frühzeitig ansetzen und sowohl regelmäßige Bewegung als auch bewegungsarme Routinen im Blick behalten. Für pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte liefern die Studien wichtige Anhaltspunkte, um Bewegungsförderung im Bildungsalltag gezielt weiterzuentwickeln.

Links

Robert Koch-Institut – Adipositas-Monitoring (AdiMon)
Das AdiMon-Projekt des RKI bündelt Daten aus verschiedenen Studien zum Bewegungsverhalten, Spielen, sportlicher Aktivität und aktiver Mobilität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und bereitet diese themenspezifisch auf.
https://www.rki.de/DE/Themen/Nichtuebertragbare-Krankheiten/Studien-und-Surveillance/Studien/Adipositas-Monitoring/adi_mon_inhalt.html

HBSC-Studie Deutschland (Health Behaviour in School-aged Children)
Internationale WHO-Studie zum Gesundheitsverhalten von 11- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schülern. Sie liefert vergleichbare Daten zu körperlicher Aktivität, Sitzzeiten und geschlechtsspezifischen Unterschieden.
https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/Ausgaben/2024/JHealthMonit_Inhalt_24_1.html

MoMo-Studie (Motorik-Modul)
Langzeitstudie des Karlsruher Instituts für Technologie zur körperlichen Aktivität, motorischen Leistungsfähigkeit und zu Bewegungssettings von Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
https://www.ifss.kit.edu/MoMo/index.php

WHO – Physical Activity Country Profile Germany (2024)
Länderprofil der Weltgesundheitsorganisation mit aktuellen Kennzahlen zur körperlichen Aktivität, politischen Rahmenbedingungen und Monitoringstrukturen in Deutschland.
https://www.who.int/europe/publications/m/item/physical-activity-2024-DEU-country-profile

Kindergesundheitsbericht 2025
Jährlich gibt die Stiftung Kindergesundheit einen Kindergesundheitsbericht heraus, in dem sie die aktuelle gesundheitliche Lage von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Themenfeldern beschreibt und kommentiert.
https://www.kindergesundheit.de/_docs/Kindergesundheitsbericht-2025.pdf

Letzte Änderung dieser Seite am 21.08.2026