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Weniger Lebensmittelabfälle in der Gemeinschaftsverpflegung

Die Reduzierung von Lebensmittelabfällen in der Gemeinschaftsverpflegung – ob in Kitas, Schulen, Betrieben, Kliniken oder Senioreneinrichtungen – senkt nicht nur die Kosten für Einkauf, Lagerung und Entsorgung. Im Sinne der Nachhaltigkeit schont sie auch Ressourcen, da für die Lebensmittelproduktion Energie, Rohstoffe, Wasser etc. beansprucht werden.

Köchin bereitet Gemüse in einer Großküche vor
Bild: Eberhard Schorr/BLE

2023 wurden im Rahmen des Projekts MehrWert an insgesamt 36 Kitas, 29 Grundschulen und 9 weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen Abfallmessungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen:

  • In Kindertageseinrichtungen lag die durchschnittliche Abfallquote bei 20 Prozent.
  • In Grund- und weiterführenden Schulen landeten im Schnitt sogar ein Drittel der produzierten Speisen im Müll.

Erfasst wurden folgende Parameter:

  • Produktionsmengen jeweiliger Speisekomponenten (Kilogramm)
  • Ausgabereste jeweiliger Speisekomponenten (Kilogramm)
  • Tellerreste gemischt (Kilogramm)
  • Anzahl der geplanten und tatsächlichen Verpflegungsteilnehmer

Für die Auswertung der Daten wurde das Online-Tool "Küchenmonitor" eingesetzt, das laut der Verbraucherzentrale NRW für alle Branchen der Gemeinschaftsverpflegung geeignet ist. Das Tool erstellt elektronisch eine Auswertung der gemessenen Speisereste inklusive Grafiken, in denen die Ergebnisse der Abfallmessung dargestellt sind. Interessierte können sich auf der Internetseite des Küchenmonitors informieren und das Tool nach der Registrierung kostenlos nutzen.

Online-basierte Tools zur Abfallmessung und Auswertung

Um die Speisenabfälle zu identifizieren, zu messen und Arbeitsprozesse zu optimieren, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein ganzheitliches Food-Waste-Management-System. Dabei sollten neben Tellerresten auch weitere Komponenten des sogenannten Nassmülls aus nicht mehr verwertbaren Lagerbeständen, dem Produktionsabfall und Überproduktionen berücksichtigt werden.

WWF Deutschland hat im Rahmen des bis 2022 von BMLEH geförderten Dialogforums Außer-Haus-Verpflegung eine Übersicht von Software-Anwendungen erstellt (Stand: 2019). Hier einige Anbieter:

United against waste - Abfall-Analyse-Tool (kostenpflichtig)

Das Abfall-Analyse-Tool ist für alle Settings und sämtliche Verpflegungskonzepte der Außer-Haus-Verpflegung geeignet. Die Abfälle werden in vier Behältern in der Küche gesammelt und täglich separat gewogen. Die Ergebnisse können entweder auf einer Abfall-Karte notiert werden (wenn kein Internet in der Küche vorhanden ist) oder direkt beim Wiegen über die Nutzung eines Tablets oder Laptops in das onlinebasierte Abfall-Analyse-Tool eingetragen werden.

Mehr dazu auf united-against-waste.de 

Küchenmonitor  (kostenlos nach Registrierung)

Das Tool „Küchenmonitor“ wurde beim eingangs erwähnten Projekt MehrWert eingesetzt und ist kostenlos. Hier erfahren Sie mehr über das über den Küchenmonitor und können sich registrieren.

Informationen und Registrierung auf kuechenmonitor.de  

Winnow Solutions (kostenpflichtig)

Die Instrumente des britischen Anbieters Winnow Solutions sind insbesondere zur Erfassung von Lebensmittelabfällen in gastronomischen Betrieben geeignet. Eine kostenlose Demo-Version ist über die Website erhältlich.

Mehr Informationen auf Winnow Vison und Winnow Monitor 

Leanpath (kostenpflichtig)

Leanpath des US-amerikanischen Anbieters Leanpath AI Food Waste Solutions ist ein softwarebasiertes Tool zur Erfassung von Lebensmittelabfällen in Betrieben, das bereits 2004 entwickelt wurde. Es zielt laut WWF Deutschland insbesondere auf die Sensibilisierung der Mitarbeitenden und die Änderung der Verhaltensweisen im Küchenprozess ab.

Mehr zum Angebot Leanpath

Lebensmittelabfälle messen und Abläufe optimieren

In der Handlungsanweisung “Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Betriebsverpflegung: Empfehlungen und Tipps für Dienstleisterinnen und Dienstleister” empfiehlt die DGE folgende Schritte:

Schritt 1: Bestandsaufnahme

  • Überprüfung der Arbeitsabläufe. Empfohlen wird dafür die Checkliste der Initiative “United against waste”, die zum Download bereitsteht 
  • Messung der Lebensmittelabfälle in separaten Sammelbehältern für Lager, Produktionsabfall, Überproduktion und Tellerrückläufe über einen Zeitraum von 2 bis 4 Wochen.
  • Auswertung mittels eines online-basierten Abfall-Analyse-Tools. 
  • Ermittlung der Kosten des anfallenden Lebensmittelabfalls.

Schritt 2: Auswertung und Erarbeiten von individuellen Maßnahmen 

  • Überprüfung, in welchen Bereichen besonders viele Lebensmittel entsorgt werden müssen. Sind z.B. die Tellerreste sehr hoch, schmecken möglicherweise bestimmte Gerichte den Gästen nicht oder die Portionen waren zu groß.
  • Erarbeiten eines Maßnahmenkatalogs mit konkreten Anleitungen. Dabei sollten alle Mitarbeitenden in Küche und Ausgabe sowie weitere Beteiligten wie etwa ein Kantinenausschuss gehört und beteiligt werden.
  • Eventuell kann es sinnvoll sein, externe Beratung beim Entwickeln und Vermitteln von Maßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Schritt 3: Umsetzung der Maßnahmen

  • Festlegung eines bestimmten Zeitraums, in dem die im Maßnahmenkatalog festgelegten Änderungen von Arbeitsprozessen in der täglichen Praxis getestet werden.
  • Sollten sich Maßnahmen als nicht praxistauglich erweisen, sollten sie angepasst oder evtl. sogar gestrichen werden.
  • Die Erfahrungen mit den Neuerungen müssen regelmäßig schriftlich festgehalten werden.

Schritt 4: Evaluierung der Maßnahmen anhand zweiter Abfallmessung

  • Die DGE empfiehlt eine erneute Abfallmessung und Auswertung nach 6 bis 12 Monaten. Die Ergebnisse sollten an alle Beteiligten kommuniziert werden.

Übrigens: Die Verbände der Außer-Haus-Verpflegung haben 2021 eine Zielvereinbarung mit dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Landwirtschaft (BMLEH) abgeschlossen. Unternehmen, die sich der Zielvereinbarung anschließen wollen, können eine Beteiligungserklärung unterzeichnen und sich damit freiwillig verpflichten, ihre Lebensmittelabfälle zu messen und Reduzierungsmaßnahmen zu ergreifen. Weitere Informationen und Beratung dazu gibt es bei der Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung (KAHV).

 

DGE-Praxistipps für Caterer, Schulträger und Küchenverantwortliche

  • Kleinere Portionen mit dem Angebot, dass Gäste einen Nachschlag erhalten können
  • Kellenplan für die Portionierung der Komponenten von Tellergerichten
  • Auswahl verringern (z.B. nur noch eine Tagessuppe statt zwei)
  • Überprüfung der Speisepläne und Gerichte ("Renner-Penner")
  • Geringere Auswahl und Menge an Tagen, an denen in der Betriebsgastronomie weniger Gäste erwartet werden (Urlaubszeiten, Freitage)
  • Weniger Portionen verzehrbereit vorhalten, stattdessen Zubereitung chargenweise und damit bedarfsgerecht

Mehr Praxisbeispiele und empfohlene Maßnahmen finden Sie in der oben erwähnten Broschüre “Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Betriebsverpflegung: Empfehlungen und Tipps für Dienstleisterinnen und Dienstleister” (siehe Links).

Die DGE-Qualitätsstandards für die verschiedenen Lebenswelten liefern Verpflegungsverantwortlichen wichtige Hinweise für einen ressourcenschonenden und damit auch kostensparenden Einsatz von Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung.

 

Hintergrund: Die Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung

Seit der Novelle der EU-Abfallrahmenrichtlinie gelten künftig europaweit verpflichtende Reduzierungsziele für Lebensmittelabfälle. Für die Verarbeitung und Herstellung ist laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) eine Verringerung der Abfälle um 10 Prozent bis 2030 vorgegeben. Der Einzelhandel, die Außer-Haus-Verpflegung und Haushalte werden gemeinsam betrachtet: Hier muss in Summe eine Reduzierung von 30 Prozent pro Kopf erfolgen. 

Der Gemeinschaftsverpflegung kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Auf Basis von Erhebungen aus den verschiedenen Lebenswelten (Kita, Schule, Betriebe/Hochschulen, Kliniken, Reha- und Senioreneinrichtungen) schätzt die DGE die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer auf 14,73 bis 18,32 Mio. täglich.

Um diese Ziele zu erreichen, entwickelt das BMLEH die 2019 beschlossene Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung kontinuierlich weiter. Die Strategie adressiert die gesamte Lebensmittelversorgungskette – von der Primärproduktion, über die Verarbeitung, den Groß- und Einzelhandel sowie die Außer-Haus-Verpflegung bis hin zu den privaten Haushalten. 

Die Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung (KAHV) setzt die Zielvereinbarung für die Außer-Haus-Verpflegung um, die das BMLEH mit den Verbänden der Branche 2021 abgeschlossen hat. Sie wurde von 2022 bis Ende 2024 vom BMLEH gefördert und von United Against Waste (UAW) geleitet. Das Thünen-Institut führte als wissenschaftlicher Partner Nachhaltigkeitsbewertungen durch. Seit 2025 wird die KAHV von UAW eigenständig weitergeführt.
 

Links

Verbraucherzentrale NRW Speisereste in Kita und Schule – aktuelle Ergebnisse 

Broschüre DGE Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Betriebsverpflegung: Empfehlungen und Tipps für Dienstleisterinnen und Dienstleister

Broschüre des WWF Deutschland Erfassung von Lebensmittelabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung (2019) mit Tools zur online-basierten Auswertung von gesammelten Speiseabfällen. Hinweis: Die Broschüre liefert einen guten Überblick zum Thema, einige Links sind allerdings nicht mehr aktuell.

BZfE Beitrag Wenn Essen im Müll landet 

BMLEH – Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung Beitrag auf bmleh.de mit zahlreichen Verlinkungen zu Partnern und Zusatzinformationen

Zielvereinbarung des BMLEH zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung

United Against Waste – der Verein sieht sich als Schnittstelle zwischen Küchenleitern, Pflegepersonal, Geschäftsführen und Verbänden in Bezug auf die Reduzierung von Lebensmittelabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung. Hier ist auch die Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung (KAHV) angesiedelt. 

IN FORM in der Gemeinschaftsverpflegung DGE-Projekte (Übersichtsseite)

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Letzte Änderung dieser Seite am 09.04.2026