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Der Begriff “Nudge” stammt aus der Verhaltensökonomie und bezeichnet kleine, unbewusste “Anstupser”, die das Verhalten von Menschen beeinflussen, ohne ihre Wahlfreiheit einzuschränken oder finanzielle Anreize zu setzen. In Schulen bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler durch gezielte Gestaltung ihrer Umgebung oder kleine Impulse zu bestimmten Entscheidungen angeregt werden - etwa zu gesünderem Essen, einem aktiveren Schulweg oder besseren Lerngewohnheiten.
Ein Nudge muss drei Bedingungen erfüllen:
Ein besonders effektiver Einsatzbereich für Nudging in Schulen ist die Mensa. Durch kleine Änderungen, wie die Positionierung von Lebensmitteln oder die Gestaltung von Aufstellern, kann die Auswahl ausgewogener Speisen gefördert werden. Ein praktisches Beispiel: Wasserkaraffen stehen frei auf den Tischen, während Saftschorlen nur auf Nachfrage verfügbar sind. Auf diese Weise greifen die Schülerinnen und Schüler mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den gesünderen Optionen, ohne dass Verbote nötig sind.
Weitere Ansatzpunkte lassen sich in Broschüren wie „Nudging - leicht gemacht: Praktische Handlungsempfehlungen für die Schulmensa“ finden, die konkrete Tipps für den Schulalltag bieten.
Studien zeigen, dass Nudging in der Schulverpflegung wirkt: Geeignetere Lebensmittel werden häufiger gewählt, wenn sie gut sichtbar und attraktiv präsentiert werden. Dabei ist die sogenannte Entscheidungsarchitektur ausschlaggebend - wenn Obst, Gemüse oder Wasser leicht erreichbar und ansprechend präsentiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche diese Produkte wählen.
Wichtig ist jedoch, dass Nudges transparent und nicht manipulativ gestaltet werden, um die Wahlfreiheit nicht einzuschränken.
Nudging bietet Schulen zahlreiche Vorteile: Es lässt sich kostengünstig umsetzen, da oft kleine Änderungen ausreichend sind, und ergänzt klassische Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen, anstatt sie zu ersetzen. Zudem bietet es kreativen Spielraum, etwa in der Gestaltung der Mensa, der Raumgestaltung oder durch digitale Impulse, z. B. bei Bestell-Apps können gesundheitlich ausgewogenen Gerichte farblich markiert werden oder stehen weiter oben.
Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Viele Studien zeigen nur kurzfristige Effekte, und die Messung der Auswirkungen einzelner Maßnahmen gestaltet sich oft schwierig. Zudem müssen die Angebote transparent gestaltet sein, sodass Schülerinnen und Schüler nachvollziehen können, warum bestimmte Angebote hervorgehoben werden. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist zudem die Integration von Lehrkräften, Mensateams, Eltern und Schulträgern erforderlich. Außerdem kann Nudging unbeabsichtigte Ungleichheiten verstärken, zum Beispiel, wenn nur bestimmte Gruppen Zugang oder Interesse an den Angeboten haben. Beispielsweise, wenn die gesünderen Optionen aufgrund höherer Produktionskosten teurer sind, können sich Personen mit geringerem Einkommen diese seltener leisten.
Damit Nudging langfristig funktioniert, gibt es ein paar wichtige Punkte zu beachten: Jeder sollte die Freiheit haben, selbst zu entscheiden. Nudging soll gesunde Optionen einfacher und attraktiver machen, ohne Menschen zu bevormunden. Oft helfen schon kleine und günstige Veränderungen, wie z.B. eine bessere Sichtbarkeit gesunder Lebensmittel, statt teurer Umbauten. Wichtig ist, dass diese Änderungen regelmäßig umgesetzt werden, damit sie wirklich eine langfristige Wirkung haben.
Einige Studien zeigen, dass Nudging zwar die Auswahl gesünderer Optionen beeinflussen kann, aber nicht immer den tatsächlichen Konsum oder eine langfristige Veränderung des Verhaltens bewirken. Deshalb sollte immer überprüft werden, ob Nudging tatsächlich zu dauerhaften Veränderungen führt.
Zudem ist es wichtig, dass alle Beteiligten - wie Mensateams, Schulen und Schülervertretungen – zusammenarbeiten. Nudging sollte immer transparent und nachvollziehbar sein, damit niemand das Gefühl hat, manipuliert zu werden. Und schließlich: Nudging ersetzt keine gute Ernährungsbildung, sondern kann diese sinnvoll ergänzen, um gesündere Entscheidungen im Alltag zu fördern.