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Nudging in Schulen: Gesunde Ernährung fördern

Wie können Schulen gesunde Ernährung fördern, ohne zu bevormunden? Nudging setzt auf kleine, transparente Impulse: Obst im Blickfeld, Wasser auf den Tischen oder farblich markierte Gerichte in der Mensa. Studien zeigen, dass solche Maßnahmen die Auswahl gesünderer Speisen erleichtern. Wir zeigen Ihnen, wie kleine Veränderungen den Schulalltag nachhaltig verbessern können.

Salatbar in der Mensa
Bid: dlu/ KI generiert/ stock.adobe.com

Der Begriff “Nudge” stammt aus der Verhaltensökonomie und bezeichnet kleine, unbewusste “Anstupser”, die das Verhalten von Menschen beeinflussen, ohne ihre Wahlfreiheit einzuschränken oder finanzielle Anreize zu setzen. In Schulen bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler durch gezielte Gestaltung ihrer Umgebung oder kleine Impulse zu bestimmten Entscheidungen angeregt werden - etwa zu gesünderem Essen, einem aktiveren Schulweg oder besseren Lerngewohnheiten.

Ein Nudge muss drei Bedingungen erfüllen:

  1. Die Wahlfreiheit bleibt erhalten.
  2. Der Anstoß ist leicht umgehbar.
  3. Der Nudge dient dem Wohl der Einzelnen oder der Gesellschaft und ist und ist stets transparent.

Nudging im Mensaalltag

Ein besonders effektiver Einsatzbereich für Nudging in Schulen ist die Mensa. Durch kleine Änderungen, wie die Positionierung von Lebensmitteln oder die Gestaltung von Aufstellern, kann die Auswahl ausgewogener Speisen gefördert werden. Ein praktisches Beispiel: Wasserkaraffen stehen frei auf den Tischen, während Saftschorlen nur auf Nachfrage verfügbar sind. Auf diese Weise greifen die Schülerinnen und Schüler mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den gesünderen Optionen, ohne dass Verbote nötig sind.

Weitere Ansatzpunkte lassen sich in Broschüren wie „Nudging - leicht gemacht: Praktische Handlungsempfehlungen für die Schulmensa“ finden, die konkrete Tipps für den Schulalltag bieten.

Was bekannt ist

Studien zeigen, dass Nudging in der Schulverpflegung wirkt: Geeignetere Lebensmittel werden häufiger gewählt, wenn sie gut sichtbar und attraktiv präsentiert werden. Dabei ist die sogenannte Entscheidungsarchitektur ausschlaggebend - wenn Obst, Gemüse oder Wasser leicht erreichbar und ansprechend präsentiert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und Jugendliche diese Produkte wählen.

Wichtig ist jedoch, dass Nudges transparent und nicht manipulativ gestaltet werden, um die Wahlfreiheit nicht einzuschränken. 

Chancen und Herausforderungen

Nudging bietet Schulen zahlreiche Vorteile: Es lässt sich kostengünstig umsetzen, da oft kleine Änderungen ausreichend sind, und ergänzt klassische Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen, anstatt sie zu ersetzen. Zudem bietet es kreativen Spielraum, etwa in der Gestaltung der Mensa, der Raumgestaltung oder durch digitale Impulse, z. B.  bei Bestell-Apps können gesundheitlich ausgewogenen Gerichte farblich markiert werden oder stehen weiter oben. 

Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Viele Studien zeigen nur kurzfristige Effekte, und die Messung der Auswirkungen einzelner Maßnahmen gestaltet sich oft schwierig. Zudem müssen die Angebote transparent gestaltet sein, sodass Schülerinnen und Schüler nachvollziehen können, warum bestimmte Angebote hervorgehoben werden. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist zudem die Integration von Lehrkräften, Mensateams, Eltern und Schulträgern erforderlich. Außerdem kann Nudging unbeabsichtigte Ungleichheiten verstärken, zum Beispiel, wenn nur bestimmte Gruppen Zugang oder Interesse an den Angeboten haben. Beispielsweise, wenn die gesünderen Optionen aufgrund höherer Produktionskosten teurer sind, können sich Personen mit geringerem Einkommen diese seltener leisten.

Was funktioniert - Praxisbeispiele für Schulen

Beispiel: Obst im Vordergrund und attraktive Präsentation

  • Obst und gesunde Snacks so platzieren, dass sie sofort im Blickfeld sind (z. B. direkt beim Ausgang des Essens‑Ausgabe­bereichs).
  • Ansprechende Behältnisse oder Farben verwenden, um die Attraktivität zu steigern. Zum Beispiel Grün deutet in der Mensa auf gesunde Gerichte hin (vegetarisch und bio)
  • Menükarten oder Aufsteller: „Heute: frische Erdbeeren“.

Beispiel: „Gesunde Lebensmittel“ bequemer machen, weniger gesunde anspruchsvoller

  • Die gesündere Wahl wird in der Ausgabelinie als erstes angeboten. 
  • Eine Salattheke wird so platziert, dass Schülerinnen und Schüler sie nicht ignorieren können, sondern der Laufweg an ihr vorbeiführt. 
  • Vollkornprodukte hervorheben und Süßes in kleineren Mengen oder weniger sichtbar präsentieren.

Beispiel: Kennzeichnung, Aufsteller, Mitmach‑Impulse

  • Aufsteller und Schilder wie „Tagesempfehlung: Gemüse“ oder „Wasser statt Softdrink“.
  • Mitmachaktionen, etwa durch Mini-Kostproben oder Gemüse als Beilage wählen, d.h. Schülerinnen und Schüler stimmen digital ab, welche gesunde Beilage nächste Woche Standard ist.
  • Beteiligung der Schülerinnen und Schüler durch Aktionen wie „Zutaten Schätzen“ oder „Obst-Champ des Monats“.

Fazit

Damit Nudging langfristig funktioniert, gibt es ein paar wichtige Punkte zu beachten: Jeder sollte die Freiheit haben, selbst zu entscheiden. Nudging soll gesunde Optionen einfacher und attraktiver machen, ohne Menschen zu bevormunden. Oft helfen schon kleine und günstige Veränderungen, wie z.B. eine bessere Sichtbarkeit gesunder Lebensmittel, statt teurer Umbauten. Wichtig ist, dass diese Änderungen regelmäßig umgesetzt werden, damit sie wirklich eine langfristige Wirkung haben.

Einige Studien zeigen, dass Nudging zwar die Auswahl gesünderer Optionen beeinflussen kann, aber nicht immer den tatsächlichen Konsum oder eine langfristige Veränderung des Verhaltens bewirken. Deshalb sollte immer überprüft werden, ob Nudging tatsächlich zu dauerhaften Veränderungen führt.

Zudem ist es wichtig, dass alle Beteiligten - wie Mensateams, Schulen und Schülervertretungen – zusammenarbeiten. Nudging sollte immer transparent und nachvollziehbar sein, damit niemand das Gefühl hat, manipuliert zu werden. Und schließlich: Nudging ersetzt keine gute Ernährungsbildung, sondern kann diese sinnvoll ergänzen, um gesündere Entscheidungen im Alltag zu fördern.

 

 

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Letzte Änderung dieser Seite am 18.12.2025